Rettung für ein "Sorgenkind" der Denkmalpflege
Der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, hat heute in Rüdesheim gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Lotterie-Treuhandgesellschaft mbH Hessen, Dr. Heinz-Georg Sundermann, die Gewinner des Hessischen Denkmalschutzpreises 2007 ausgezeichnet. Die Jury wählte in diesem Jahr zehn Preisträger aus: Privatpersonen, bürgerschaftliche Initiativen und Gruppen sowie die Städte Bad Arolsen, Bad Karlshafen und Großalmerode sowie den Landeswohlfahrtsverband.
06.07.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und KunstDer von der Lotterie-Treuhandgesellschaft mbH Hessen gestiftete und mit insgesamt 15.000 Euro dotierte Preis würdigt denkmalpflegerische Leistungen, die über das denkmalschutzrechtlich Gebotene hinausgehen und überregionale Bedeutung beanspruchen können. Durch die Auszeichnung, die in diesem Jahr zum 22. Mal vergeben wird, sollen Vorbilder für denkmalpflegerische Methodik und Freiwilligkeit einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Zu den Hauptpreisträgern 2007 gehören Robert Armborst und Stephan Michaud, die für die für die vorbildliche Sanierung ihres Fachwerkhauses in Frankfurt-Höchst einen mit 4000 Euro dotierten ersten Preis erhalten.
Die 1928 nach Frankfurt eingemeindete, einst kurmainzische Stadt Höchst besitzt trotz mehrer Stadtbrände im 16., 17. und 18. Jahrhundert und dank relativ geringer Kriegsverluste einen für Frankfurt einzigartig dichten Bestand an historischen Fachwerkhäusern. Zahlreiche Gebäude der denkmalgeschützten Altstadt stehen heute jedoch leer, und dies nicht zuletzt nachdem die einstige Kreisstadt 1987 ihren Sonderstatus innerhalb Frankfurts als Verwaltungsmittelpunkt des Main-Taunus-Kreises eingebüßt hatte. Seit einigen Jahren finden die aus denkmalfachlicher Sicht als "Sorgenkinder" zu bezeichnenden Objekte glücklicherweise neue Interessenten, die sich mit Elan und großer Aufgeschlossenheit gegenüber der Denkmalpflege ihren Bauwerken widmen.
Das Fachwerkhaus von Robert Armborst und Stephan Michaud liegt unmittelbar an der Stadtmauer in Höchst. Es erschien zu Beginn der Sanierung als schlichter Putzbau, bei dem man erst während der Arbeiten das Zierfachwerk in der Oberstockfassade entdeckte. Das Gebäude wurde dendrochronologisch auf das Jahr 1670 datiert und infolgedessen erarbeitete man ein neues Konzept, welches das Fachwerk im Obergeschoss sichtbar ließ und im Inneren die historischen Raumstrukturen sowie die historische Treppe erhielt. Restauriert wurde auch die barocke Dachgaube.
Aufgrund des außergewöhnlichen denkmalpflegerischen Engagements der Privateigentümer um den Erhalt und die Sanierung ihrer Fachwerkhäuser erhalten in diesem Jahr drei Eigentümer gemeinsam den ersten Preis und werden jeweils mit 4.000 Euro ausgezeichnet: Neben Robert Armborst und Stephan Michaud sind das Joachim Ruhl (Hofreite in Birstein-Lichenroth im Main-Kinzig-Kreis) und die Familie Bratek (Hofreite in Gladenbach-Frohnhausen im Landkreis Marburg-Biedenkopf). Der mit 2000 Euro dotierte zweite Preis geht an die Brüder Jürgen, Rainer und Thomas Heil für die vorbildliche Sanierung des Bahnhofs in Rüdesheim am Rhein (Rheingau-Taunus-Kreis), der jetzt wieder das repräsentative Empfangsgebäude der Stadt ist. Der Heimat- und Geschichtsverein Schaafheim e. V. erhält für sein Engagement für die Sanierung der gotischen Gottesackerkapelle in Schaafheim (Kreis Darmstadt-Dieburg) den dritten Preis mit 1.000 Euro. Die übrigen fünf Preisträger werden für ihre außerordentlichen Verdienste mit Urkunden geehrt (s. Übersicht der Preisträger).
Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst finanziert den staatlichen Denkmalschutz in diesem Jahr mit rund 7,3 Millionen Euro, die im Etat des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen veranschlagt sind. Für die Sanierung bedeutender Kunst- und Kulturdenkmäler stellt die Landesregierung im mittelfristigen Kulturinvestitionsprogramm bis zum Jahr 2008 rund 265 Millionen Euro zur Verfügung.
Die Preisträger des Hessischen Denkmalschutzpreises 2007:
Robert Armborst, Stephan Michaud
für die vorbildliche Sanierung des Fachwerkhauses in Frankfurt-Höchst
Urkunde und Geldpreis 4.000 Euro
Joachim Ruhl
für die vorbildliche Sanierung der Hofreite in Birstein-Lichenroth (Main-Kinzig-Kreis)
Urkunde und Geldpreis 4.000 Euro
Familie Bratek
für die vorbildliche Sanierung der Hofreite in Gladenbach-Frohnhausen (Landkreis Marburg-Biedenkopf)
Urkunde und Geldpreis 4.000 Euro
Jürgen, Rainer und Thomas Heil
für die vorbildliche Sanierung des Bahnhofs in Rüdesheim am Rhein (Rheingau-Taunus-Kreis)
Urkunde und Geldpreis 2.000 Euro
Heimat- und Geschichtsverein Schaafheim e. V.
für die vorbildliche Sanierung der gotischen Gottesackerkapelle in Schaafheim (Kreis Darmstadt-Dieburg)
Urkunde und Geldpreis 1.000 Euro
Stadt Bad Karlshafen
für die Sichtbarmachung des Grundrisses der ehemaligen Klosterkirche Helmarshausen (Landkreis Kassel)
Anerkennung und Urkunde
Magistrat der Stadt Bad Arolsen und Ortsvorsteher Friedhelm Rudolph
für die vorbildliche Sanierung des Hofs Meier in Bad Arolsen-Massenhausen (Kreis Waldeck-Frankenberg)
Anerkennung und Urkunde
Förderverein der Landsynagoge Heubach e. V.
für die vorbildliche Sanierung und Restaurierung der ehemaligen Synagoge in Heubach (Landkreis Fulda)
Anerkennung und Urkunde
Magistrat der Stadt Großalmerorde
für die vorbildliche Sanierung der Eichenwaldsiedlung in Großalmerode-Rommerode (Werra-Meißner-Kreis)
Anerkennung und Urkunde
Landeswohlfahrtsverband Hessen, Hauptverwaltung Kassel
für die vorbildliche Sanierung der Alten Schule in Bad Emstal-Merxhausen (Landkreis Kassel)
Anerkennung und Urkunde
Fotos und nähere Informationen zu den einzelnen Preisträgern finden Sie auf unserer Homepage unter www.hmwk.hessen.de.
Keine Kommentare vorhanden