Unterrichtsgarantie Plus - für eine Verlässliche Schule: Kultusministerin Karin Wolff schreibt Hessens Lehrerinnen und Lehrern

Hessens Kultusministerin Karin Wolff möchte den Unterrichtsausfall stoppen. Qualifizierte Vertretungskräfte an den einzelnen Schulen sollen ab Beginn des neuen Schuljahres dafür sorgen, dass in den Klassen 1 bis 10 zwischen der ersten und der sechsten Stunde kein Unterricht mehr ausfällt. In einem Brief an Hessens Lehrerinnen und Lehrer, der kommende Woche versandt wird, erläutert die Ministerin das Konzept "Unterrichtsgarantie Plus – für eine Verlässliche Schule" der Hessischen Landesregierung:

13.05.2006 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

"Die Veränderungen der Bildungslandschaft in den letzten Jahren haben den Einsatz aller Kräfte erfordert. Vieles haben wir bereits erfolgreich zusammen gestemmt und Beachtliches auf dem Weg zu mehr Qualität in Schule und Unterricht geleistet. Die Anstrengungen haben sich gelohnt: In etlichen Feldern sind Verbesserungen jetzt schon nachweisbar. Das ist ein nachhaltiges Gemeinschaftswerk für jede neue Schülergeneration, von denen wir keine verloren geben dürfen. Nahezu in allen Bereichen von Schule sind wir tätig geworden und haben notwendige Veränderungen umgesetzt und eingeleitet. Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass die Reformen im Schulbereich eine besondere Herausforderung und auch Belastung für die hessischen Lehrerinnen und Lehrer darstellen.

Mit der ´Unterrichtsgarantie Plus – für eine Verlässliche Schule´ haben wir ab dem nächsten Schuljahr die bundesweit einzigartige Möglichkeit, gemeinsam an den Schulen für verlässliche Schulzeiten zu sorgen. Damit handeln wir im Interesse der Schülerinnen und Schüler, für die vollständiger Unterricht auch ein Orientierungsrahmen ist, und im Sinne der Eltern, die auf verlässliche Schulzeiten vertrauen wollen. Wir sind dabei, diesem berechtigten gesellschaftlichen Anspruch an Schule Rechnung zu tragen: Schulen verfügen ab dem nächsten Schuljahr über ein eigenes Budget, um bei kurzfristigem Ausfall einer Lehrkraft auch mittels externer Kräfte die Vertretung zu sichern. Dies wird in Extremsituationen (z.B. einer Grippewelle) zu einer merklichen Entlastung des Kollegiums führen. Die Übernahme von Vertretungsstunden durch Lehrkräfte der Schule ist – wie bisher – auch im Rahmen des Vorhabens ´Unterrichtsgarantie Plus - für eine Verlässliche Schule´ vorgesehen. Eine darüber hinaus gehende Mehrarbeit darf nur in Ausnahmefällen angeordnet werden. An diesen bereits seit Jahren geltenden Vorgaben wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

Bereits zum jetzigen Zeitpunkt höre ich immer wieder, wie viele Schulen mit positivem Beispiel vorangehen und ihre Vertretungskonzepte optimiert und einen Kreis an externen Vertretungskräften aufgebaut haben. Ich höre und lese allerdings auch, dass durch die Einstellung externer Vertretungskräfte die Professionalität des Lehrerberufs gefährdet sei. Diese Sorge halte ich für unbegründet: Schulleiterinnen und Schulleiter müssen schon aufgrund ihrer Leitungsfunktion regelmäßig Lehrkräfte nach ihrer pädagogischen Qualifikation beurteilen und sind daher auch in der Lage, externe Vertretungskräfte auszuwählen. Dabei ist selbstverständlich auf fachliche bzw. pädagogische Qualifikation und Eignung zu achten. Weiterhin wird nur ein sehr geringer Prozentsatz des Unterrichts von der Einstellung externer Vertretungskräfte betroffen sein. Von diesen wird die Mehrheit pädagogisch ausgebildet sein.

Unser wichtigstes Anliegen ist, Stundenausfall zu vermeiden. Eine verlässlich ausgefüllte Schulzeit kann den Schülerinnen und Schülern auch Raum zum Verstehen, Üben und Wiederholen geben. Nichts mindert aber Qualität mehr als nicht gehaltener Unterricht. Fachliche Vertretung ist natürlich die beste Lösung, aber auch fachlich angeleitete Vertretung ist besser als das Nachhauseschicken der Kinder. Ich bin mir sicher, dass verlässliche Schulzeiten das Bild von Schule und Lehrerschaft in der Öffentlichkeit positiv beeinflussen.

Gleichzeitig ist es wichtig, das Vorhaben so unkompliziert wie möglich umzusetzen. Der Landtag hat den Schulen dafür 30 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Es gibt Handreichungen und Musterverträge. Außerdem werden wir das Hessische Schulgesetz ändern. Dies ist notwendig geworden, weil das Projekt belegbar unter der Führung der GEW verhindert werden sollte. Die Mitbestimmung des Personalrates ist auch im Rahmen von ´Unterrichtsgarantie Plus – für eine verlässliche Schule´ weiter gewährleistet. Ein vereinfachtes Beteiligungsverfahren ermöglicht jedoch ein schnelles Handeln der Schulleitungen bei drohendem Unterrichtsausfall.

Das Konzept ´Unterrichtsgarantie Plus – für eine Verlässliche Schule´ ist unsere gemeinsame Aufgabe. Im Sinne der Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern werden wir die eingeleiteten Modernisierungsprozesse bewältigen und für Verlässlichkeit Sorge tragen. Ich gehe davon aus, dass Sie sich, wie ich auch, der Verantwortung bewusst sind und dass die Sicherstellung von Qualität und Verlässlichkeit gleichermaßen von Ihnen gewünscht und vertreten wird. Aktuelle Informationen zum Projektstand finden Sie unter der dafür eingerichteten Internetseite (http://verlaessliche.schule.hessen.de). Weiterhin stehen bei konkreten Fragen vor Ort Ansprechpartner in den Staatlichen Schulämtern bereit.

Mir ist bei allen weiteren Reformnotwendigkeiten klar, dass wir nun auch eine Konsolidierungsphase brauchen, damit sich die eingeleiteten Veränderungen setzen und ihre Wirksamkeit voll entfalten können. Ich weiß auch, dass Sie als Lehrerinnen und Lehrer angesichts sich verändernder gesellschaftlicher Bedingungen vielfache Aufgaben im Schulalltag zu bewältigen haben. Die ´Unterrichtsgarantie Plus – für eine Verlässliche Schule´ eröffnet allen an Schule Beteiligten zusätzliche Perspektiven. Ihre Bedenken und Sorgen sehe ich, bin mir aber sicher, dass die ´Unterrichtsgarantie Plus – für eine Verlässliche Schule´ ein Erfolg wird und alle an Schule Interessierten und Beteiligten sich schon sehr bald fragen werden, wieso ein solches Konzept nicht schon vor 10 oder 20 Jahren durchgeführt worden ist. Wir werden es jedenfalls umsetzen und an Entschlossenheit wird es uns dabei nicht fehlen.

Vieles von dem, was uns im Kultusministerium, den Staatlichen Schulämtern und Ihnen vor Ort heute noch als schwierig erscheint und in der Vorbereitung noch Probleme bereitet, wird uns in wenigen Jahren vertraut sein. Ich bin zugleich davon überzeugt, dass Sie auch bei der Umsetzung des Projektes ´Unterrichtsgarantie Plus – für eine Verlässliche Schule´ konstruktiv mitarbeiten und Ihre Kompetenzen und Erfahrungen einbringen. Dafür möchte ich Ihnen herzlich danken."


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