Wissenschaftsminister Corts: Die Faszination von Messel sichtbar machen
Das Architektenbüro Zaeske und Maul aus Wiesbaden hat den ersten Preis im Wettbewerb für den Bau des Besucher- und Informationszentrums an der UNESCO Welterbestätte Grube Messel gewonnen.
31.03.2006 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und KunstDie Entscheidung des Preisgerichts unter Vorsitz von Prof. Anett-Maud Joppien (Dietz Joppien-Architekten, Frankfurt/Potsdam) fiel einstimmig. Das hat der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, heute während der Festveranstaltung "10 Jahre UNESCO Weltnaturerbe Grube Messel" im Messeler Rathaus bekannt gegeben.
"Mit dem Besucher- und Informationszentrum sollen die Dinge sichtbar gemacht werden, die die Faszination von Messel ausmachen. Die Grube soll damit dem Tourismus erschlossen werden", sagte Minister Corts. Das Gebäude solle ein Ort des Erlebens und Verstehens mit einer eigenen Ästhetik werden, um den Besucher für diese Landschaft zu sensibilisieren und den Rang der wissenschaftlichen Bedeutung in den Blickpunkt zu rücken. "Das gelingt dem Siegerentwurf auf ausgezeichnete Weise."
Der mit einem Preisgeld von 20.000 Euro prämierte Entwurf der Architekten Zaeske und Maul sieht eine Überformung der Landschaft durch einen Gebäudekörper vor, von dem der Architekt sagt, dass er einen Kreuzungspunkt für innere und äußere Beziehungen darstellt. Die Architektursprache ist ungewöhnlich, gibt aber der Grube Messel die große Chance, sich mit einem eigenen Bauwerk hervorragend darzustellen und hält alle Optionen für zukünftige Entwicklungen offen.
Der mit 12.500 Euro dotierte zweite Preis ging an das Büro Landau + Kindelbacher (München). Zwei dritte Preise mit jeweils 5000 Euro gingen an die Büros Hess/Talhof (München) und Lamott Architekten (Stuttgart). Drei mit jeweils 2500 Euro dotierte Ankäufe gab es für Zaha Hadid (London), em2n-Architekten (Zürich) und Bogevischs Büro (München).
Das Besucher- und Informationszentrum wird eine Nutzfläche von 740 Quadratmetern haben. Diese Fläche besteht unter anderem aus einem Service- und Bistrobereich, einem Kino sowie einem Erlebnisbereich mit rund 460 Quadratmetern. Dort sollen Themen vermittelt werden wie zum Beispiel Landschafts- und Industriegeschichte (Chronik der Grube Messel), Vulkanismus / Maar-Explosion, Regenwald und Klima, Evolution / Bio- und Geodiversität, Forschungsbohrung mit anschließendem Weg vorbei an den Bohrkernen.
Für den 2005 vom Land ausgelobten Wettbewerb für das Gebäude und das umgebende Freigelände lagen insgesamt 173 Bewerbungen von Arbeitsgemeinschaften vor. Das Preisgericht hatte sich mit 42 Arbeiten, die ausgewählt und ausgelost worden waren, zu befassen. Nach Abschluss des Wettbewerbs werden die Planungen zur Errichtung des Besucher- und Informationszentrums nun zügig aufgenommen. Der Baubeginn ist für das Frühjahr 2007 geplant; die Bauzeit wird etwa ein Jahr dauern. Für das Projekt sind 3,4 Millionen Euro im Landeshaushalt vorgesehen.
Vor zehn Jahren hatte die UNESCO die Aufnahme der Grube Messel als Fossilienfundstätte in die Liste des Welterbes der Menschheit beschlossen. Der Grube wurde damit die internationale Anerkennung zuteil, die ihrer außerordentlichen Bedeutung als Schaufenster in die Geschichte der Erde und des Lebens zukommt. Sie ist das einzige Weltnaturerbe in Deutschland. Von keiner anderen Fossilienfundstätte der Erde ist eine derart vielfältige und fantastisch erhaltene Säugetierfauna bekannt. Skelette liegen hier vollständig, oftmals mit Haut und Haaren vor, sogar der Inhalt von Magen und Verdauungstrakt kann untersucht werden. Man hat Reste von Bakterien, Pilzen und verschiedenen Algen nachgewiesen. Neben einigen Farnpflanzen und Koniferen sind Vertreter von mehr als 60 Familien von Blütenpflanzen gefunden worden. Zu den Funden gehören außerdem auch Schwämme, Schnecken sowie eine Vielzahl von Insekten, Froschlurche, Echsen und Schlangen sowie Vögel.
In der Grube Messel wurde seit 1884 Ölschiefer abgebaut, vor allem zur Gewinnung von Benzin, Diesel und Heizöl. Während des Zweiten Weltkriegs wurden hier 300 Zwangsarbeiter aus der Ukraine und Weißrussland eingesetzt. Minister Corts kündigte an, dass dieser Teil der Geschichte wissenschaftlich aufgearbeitet und in dem Besucherzentrum an geeigneter Stelle dokumentiert werden wird.
Bis 1971 wurden in Messel insgesamt etwa 20 Millionen Tonnen Ölschiefer gefördert. Die Beendigung des Tagebaus ermöglichte dann eine verbesserte Suche nach Fossilien. Die beteiligten Institutionen, allen voran das Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt und das Landesmuseum in Darmstadt, begannen mit systematischen Grabungen. Die wissenschaftliche Diskussion wurde zunächst überlagert durch Pläne, das Grubengelände als Mülldeponie zu nutzen. Bürgerinitiativen und Wissenschaftler protestierten gemeinsam dagegen. Nach Beendigung eines Rechtsstreits kaufte das Land Hessen schließlich 1991 die Grube vom Zweckverband Abfallverwertung Südhessen. Ihr Betrieb wurde vom Land dem Forschungsinstitut Senckenberg übertragen.
Fachpreisrichter
- Prof. Dr. W. Durth, Architekt, Technische Universität Darmstadt
- Dipl. Ing. M. Hammer-Frommann, Hessisches Ministerium der Finanzen, Wiesbaden
- U. Pfeiffer, Architekt, Hessisches Baumanagement Regionalniederlassung Süd, Darmstadt
- Prof. A.-M. Joppien, Architektin, Frankfurt/Potsdam
- L. Kehl, Landschaftsarchitekt, Berlin
- J. Ragnarsdottir, Architektin, Stuttgart,
- V. Staab, Architekt, Berlin
- G. M. Stötzer, Landschaftsarchitektin, Waldkirch
Sachpreisrichter
- A. Jakoubek, Landrat, Darmstadt
- U. W. Henke, Bürgermeister, Messel
- K. Worms, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Wiesbaden
- G. Mangel, Aufsichtsratsvorsitzender Welterbe Grube Messel gGmbH, Wiesbaden
- Prof. Dr. F. F. Steininger, Mitglied des Aufsichtsrats Welterbe Grube Messel gGmbH, Wiesbaden
- Dr. I. Busch, Direktorin des Hessischen Landesmuseums Darmstadt
- Prof. Dr. J. Eder, Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart
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