Lebenslanges Lernen unverzichtbar – aber unterfinanziert!

Prof. Rita Süssmuth brachte es auf den Punkt: "Als jemand, der die Entwicklung in der Erwachsenenbildung und der Entwicklungszusammenarbeit seit vielen Jahrzehnten aktiv begleitet, schmerzt es mich persönlich, dass all unseren Bemühungen zum Trotz das Verständnis und die Bereitschaft zur Finanzierung von Lebenslangem Lernen bis heute kaum gewachsen ist." Die Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbands (DVV) beklagte bei der Internationalen Konferenz zur Erwachsenenbildung in Bonn, dass es in vielen Ländern über Lippenbekenntnisse kaum hinausgehe, wenn es um Geld für entsprechende Projekte geht. Egal ob Entwicklungs- oder Industrieland: Viele Staaten geben nur einen marginalen Bruchteil ihres Bildungsbudgets für Erwachsenenbildung aus. In Deutschland sind es gerade einmal sieben Prozent.

24.06.2009 Pressemeldung Deutscher Volkshochschul-Verband e.V. (DVV)

"Die Folge sind beispielsweise 800 Millionen Analphabeten auf unserem Planeten – Menschen, denen die elementare Teilhabe an Wirtschaft, Gesellschaft und Politik vorenthalten wird", klagte Süssmuth an und ergänzte: "Erwachsenenbildung ist ein Menschenrecht. Aber viele Staaten behandeln diesen Bereich absolut stiefmütterlich." Lobend hob sie die Anstrengung einzelner Länder hervor: So habe etwa Brasilien ein Alphabetisierungsprogramm und die Initiative "Schule machen" ins Leben gerufen, die Jugendlichen und Erwachsenen finanzielle Unterstützung beim Nachholen von Schulabschlüssen gewährt. Viele Millionen Menschen haben davon inzwischen Gebrauch gemacht. Anderes Beispiel Namibia mit seiner "Vision 2030": Dort wird Lebenslanges Lernen zum durchgängigen Prinzip erhoben. Oder Thailand: "Die Regierung sieht ihre Entwicklungschance vor allem in einer gut ausgebildeten Bevölkerung und hat das Ziel ausgegeben, dass mindestens die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung ihren Schulabschluss nachholen soll – finanziell unterstützt vom Staat", erläuterte die Präsidentin.

Rund 120 Regierungsvertreter, Fachleute und Praktiker aus aller Welt folgten der Einladung des Deutschen Volkshochschul-Verbands (DVV) und seiner internationalen Partnerorganisationen, um über die Finanzierung der Erwachsenenbildung in der Entwicklungszusammenarbeit zu sprechen und sich auszutauschen. Unterstützt durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) diskutierten die Teilnehmern in Vorträgen und Arbeitskreisen über Erfahrungen, Entwicklungen, Strategien und Vorbildprojekte. Sie gingen dabei auch der Frage nach, was Erwachsenenbildung und lebenslanges Lernen für globale Entwicklung und die Armutsbekämpfung leisten kann.

Ansprechpartner: Uwe Gartenschlaeger, dvv international, Telefon: 0228-9756949,


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