Modell Gestufte Berufsfachschule
Im Zuge des demografischen Wandels und des steigenden Fachkräftemangels muss sich auch das berufliche Bildungssystem in Hessen neuen Anforderungen stellen, um jungen Menschen einen bestmöglichen Start in die Ausbildung und das Berufsleben zu ermöglichen.
03.06.2013 Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und ChancenZum Schuljahr 2013/14 wird daher das Modell der "Gestuften Berufsfachschule" als ein Baustein dieser Reform an folgenden drei hessischen Berufsfachschulen entwickelt und erprobt:
- Eduard-Stieler-Schule, Fulda
- Ludwig-Geißler-Schule, Hanau
- Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Schule, Fritzlar
"Die ´Gestufte Berufsfachschule` hat einen stärkeren berufsorientierenden Fokus. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler, die über einen Hauptschulabschluss verfügen, aber noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, auf ihrem Weg zur dualen Berufsausbildung noch enger zu begleiten und sie auf die Anforderungen der Ausbildung besser vorzubereiten. Zudem wird ihnen unter deutlich verbesserten Rahmenbedingungen die Möglichkeit geboten, parallel zu ihrer Ausbildung einen mittleren Bildungsabschluss zu erwerben", sagte die Hessische Kultusministerin Nicola Beer.
Die Jugendlichen erhalten zunächst Einblick in verschiedene an den Schulen angebotene Schwerpunkte einer Fachrichtung (Wirtschaft, Technik oder Gesundheit und Sozialwesen). Theoriephasen zu unterschiedlichen fachlichen Schwerpunkten der Themenbereiche werden mit Praktika und Projektarbeit verzahnt. Erst hiernach wählen die Lernenden eine abschließende Vertiefung in einem von ihnen gewählten beruflichen Schwerpunkt innerhalb einer Fachrichtung. Durch die vertieften Einblicke in verschiedene Berufsfelder, können Kompetenzen und Fähigkeiten entwickelt und ausgebaut und eine fundierte Berufswahl getroffen werden, die den eigenen Stärken und Interessen entspricht.
Die "Gestufte Berufsfachschule" bietet zudem die Möglichkeit, die Schule statt nach zwei Jahren nach einem Jahr zu verlassen und somit früher mit einer Ausbildung im dualen System zu beginnen. Gleichzeitig wird der Erwerb des mittleren Abschlusses parallel zur Ausbildung erleichtert. Das hierzu erforderliche Curriculum wird entsprechend angepasst und die bereits in der "Gestuften Berufsfachschule" erbrachten Unterrichtsleistungen in den allgemein bildenden Fächern werden auf die für den mittleren Abschluss geforderten Unterrichtsinhalte angerechnet.
Im laufenden Schuljahr besuchen verteilt auf zwei Jahrgangsstufen rund 10.500 Schülerinnen und Schüler eine der 77 zweijährigen Berufsfachschulen in Hessen. Das Modellprojekt wird auf Basis der Praxiserfahrungen während der Pilotphase zusammen mit der Industrie und Handelskammer, der Handwerkskammer sowie der Bundesagentur für Arbeit weiterentwickelt. Im Schuljahr 2014/15 sollen weitere Schulen in die Pilotphase einbezogen werden, um das Konzept nach erfolgreicher Erprobung sukzessive in den Regelbetrieb übernehmen zu können.
"Das Projekt profitiert von den Branchenkenntnissen und dem regionalen Netzwerk dieser starken Partner. Hierdurch kann in der Ausbildungsberatung der Schülerinnen und Schüler ein noch engerer Praxisbezug hergestellt und die Bedürfnisse der Ausbildungsbetriebe stärker in die schulischen Inhalte einfließen", betonte die Ministerin.
"Vor dem Hintergrund des klaren Nachwuchsmangels für die mehr als 70.000 Handwerksbetriebe in Hessen begrüßen wir die Anstrengungen der Landesregierung, das bestehende Übergangssystem zwischen allgemein bildender Schule und Berufsausbildung umzubauen. Ein guter erster Schritt der Reform ist für uns das Modell der "Gestuften Berufsfachschule", weil es Berufsorientierung und Praxis mit dem Ziel des raschen Übergangs in die duale Ausbildung verbindet. Es muss aber auch weiterhin gelingen, die Berufsorientierung in den allgemein bildenden Schulen zu stärken. Das hessische Handwerk mit mehr als 120 Ausbildungsberufen will junge Menschen direkt von der allgemein bildenden Schule in die Ausbildungsbetriebe holen. Wo dieser Übergang allerdings nicht direkt gelingt, setzt die Landesregierung mit dem Umbau klug an", sagte Harald Brandes, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern.
"Durch das Modell der Gestuften Berufsschule wird endlich die lang geforderte Reform in den vollzeitschulischen Angeboten der Beruflichen Schulen angepackt und gleichzeitig den jungen Leuten das Ziel einer dualen Berufsausbildung deutlicher vor Augen geführt", begrüßte auch Dr. Brigitte Scheuerle für die Hessische Industrie- und Handelskammer das Projekt
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