National gemischte Lerngruppen in der Weiterbildung: Was ihre Trainer/innen wissen müssen

Trainer/innen stehen in der öffentlich geförderten beruflichen Weiterbildung häufig vor der Aufgabe, Fachinhalte gleichzeitig an einheimische Lernende und an Migranten/innen z.B. aus Osteuropa, der Türkei, Iran, Irak oder auch aus afrikanischen Staaten vermitteln zu müssen.

17.11.2005 Pressemeldung Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Auf die speziellen Anforderungen, die sich aus der unterschiedlichen Herkunft ihrer Kursteilnehmer/innen und dem gemeinsamen Lernprozess von Mutter- und Zweitsprachlern/innen ergeben, sind sie bisher kaum vorbereitet. Zur Sicherung der Qualität beruflicher Weiterbildung bedarf es daher eines speziellen Qualifizierungsangebots für das Lehrpersonal. Gleichzeitig sollten durch die Bundesagentur für Arbeit Rahmenbedingungen geschaffen werden, die u.a. die Teilnahmevoraussetzungen an beruflichen Weiterbildungsveranstaltungen festlegen und ein angemessenes Verhältnis zwischen der verfügbaren Unterrichtszeit und der im Kurs zu behandelnden Stoffmenge gewährleisten.

Zu diesem Ergebnis kommt das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in seinem Forschungsprojekt "Anforderungen an Trainerinnen und Trainer in der beruflichen Weiterbildung von Lerngruppen mit Teilnehmenden deutscher und ausländischer Herkunft". Die vom BIBB 2003 durchgeführte qualitative Untersuchung fiel zeitgleich zusammen mit der Novellierung des Sozialgesetzbuches III, das u.a. die Vergabe von Bildungsgutscheinen nach einer Zweckmäßigkeitsprüfung durch die Arbeitsagenturen vorsieht. Im Mittelpunkt des Projekts stand die Frage, welche speziellen Anforderungen sich an das Lehrpersonal in der Weiterbildung ergeben, wenn die Teilnehmerstruktur der Veranstaltung gemischt ist und sich aus Einheimischen und Zuwanderern zusammensetzt.

Nach Auswertung der Untersuchungsergebnisse hält es das BIBB hinsichtlich der Rahmenbedingungen der Kurse für erforderlich,

  • die deutschen Sprachkenntnisse von Kursinteressenten/innen bei der Regelung des Kurszugangs zu berücksichtigen und
  • die Kursdauer nicht zu stark zu verkürzen, damit alle im Curriculum vorgesehenen Inhalte auch behandelt werden und die Kursteilnehmenden sich das Erlernte durch Übungen aneignen können. Dies betrifft zwar alle Kursteilnehmer/innen, hat aber besondere Bedeutung für diejenigen, die den Kurs in Deutsch als Zweitsprache absolvieren und deshalb mehr Zeit als Muttersprachler/innen benötigen, um die Lehrmaterialien durchzuarbeiten.

Ein Qualifizierungskonzept, das Trainer/innen auf die Arbeit in gemischten Lerngruppen vorbereitet, sollte nach den im BIBB-Projekt gewonnenen Erkenntnissen folgende Elemente enthalten:

  • Grundlegende Kenntnisse von Problemen und Methoden zur Förderung des Erwerbs von Deutsch als Fachfremdsprache. Dies umfasst sowohl ein bewusstes Sprachverhalten (korrekter Gebrauch von Fachtermini, Vermeidung komplizierter Satzkonstruktionen u.ä.) als auch spezielle Vermittlungstechniken;
  • Grundwissen über die in den Herkunftsländern der Teilnehmenden vorherrschenden kulturellen Standards, die im Unterricht von Bedeutung sein könnten (z.B. Umgang mit Autoritäten, Verständnis von Höflichkeit);
  • Kenntnis und gezielter Einsatz von gruppenpädagogischen Übungen, um besonders zurückhaltende Teilnehmer/innen aktivieren und die Bildung von Teamidentität fördern zukönnen.

Weitere Informationen zum Thema auf der Wissenslandkarte des BIBB unter www.bibb.de/de/wlk8579.htm.

Auskunft zum Forschungsprojekt "Anforderungen an Trainerinnen und Trainer in der beruflichen Weiterbildung von Lerngruppen mit Teilnehmenden deutscher und ausländischer Herkunft" erteilt im BIBB Dr. Monika Bethscheider, Tel.: 0228/107-1229, E-Mail:


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