OECD-Lehrerstudie: Kritik oder Bestätigung?

(bikl) Knapp achtzig Seiten umfasst der [OECD Länderbericht](http://www.kmk.org/aktuell/Germany%20Country%20Note\_Endfassung\_deutsch.pdf) "Anwebung berufliche Entwicklung und Verbleib von qualifizierten Lehrerinnen und Lehrern" - kurz OECD-Lehrerstudie genannt -, der heute von der KMK in Berlin vorgestellt wurde. Bereits vorab war bekannt geworden, dass das Expertenteam der OECD in seinem Bericht die mangelnde Fortbildung kritisiert sowie den Beamtenstatus und die Altersstruktur der Lehrer problematisiert hatte.

22.09.2004 Artikel

Dazu heißt es in dem Bericht: "Deutschland hat nun mit dem Generationenwechsel die einmalige Gelegenheit, auf substanzielle Veränderungen in der Lehrerschaft hinzuwirken und Nutzen daraus zu ziehen. Gleichzeitig stellt sich das Problem, im Lehrerbereich sehr viel Kompetenz und Erfahrung zu verlieren. Diese Chancen und Herausforderungen sind vielleicht in Deutschland am größten, wo der Anteil der Lehrer, die bald in den Ruhestand gehen werden, zu den höchsten im OECD-Raum gehört. ... Das ist ein historisches Stadium in der Entwicklung des Schulsystems. Der massive Zugang neuer Lehrkräfte mit frischen Ideen bietet die Möglichkeit einer Rundumerneuerung der Schulen."

Der Bericht, so erklärte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Doris Ahnen liefere "zahlreiche wichtige Impulse für die Reformanstrengungen in Deutschland. Die Kultusministerkonferenz wird die konstruktive Kritik und die Anregungen des Expertenteams für die weiteren Beratungen im Bereich der Aus- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern aufgreifen und in ihrer Arbeit umsetzen."

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und der Philologenverband reagierten in ersten Stellungnahmen übereinstimmend, was die Weiterbildung der Lehrer angeht. DPhV-Chef Heinz-Peter Meidinger signalisierte Unterstützung für die Forderung der OECD, die Lehrerfortbildung in Deutschland zu intensivieren. Defizite in diesem Bereich hätten allerdings die Bundesländer zu verantworten, da es bislang an ausreichenden qualifizierten Angeboten fehle und Lehrer die Fortbildungskosten zu einem beträchtlichen Teil selbst übernehmen müssten. Eine Tatsache, die in weiten Bereichen der Wirtschaft undenkbar sei.

Auch die GEW-Vorsitzende unterstrich die Forderung der OECD-Wissenschaftler nach einer Verbesserung der Fortbildung für Lehrkräfte. Fortbildung unterstütze die Lehrkräfte bei der Bewältigung neuer inhaltlicher Anforderungen und beuge Berufskrankheiten wie dem Burnout-Syndrom vor, erklärte Eva-Maria Stange, aber: "Statt in mehr Fortbildung zu investieren, werden Angebote gestrichen und kommerziellen Anbietern das Feld überlassen."

Der Forderung der OECD nach Abschaffung des Beamtenstatus erteilte der niedersächsische Kultusminister Bernd Busemann eine klare Absage. Eine Diskussion über den Beamtenstatus der Lehrkräfte sei zurzeit wenig hilfreich, lautete sein Statement.

Der Verband Bildung und Erziehung möchte ebenfalls weiter am Beamtenstatus der Lehrer festhalten, sieht sich aber gleichzeitig seine Forderungen vom Bericht untermauert: "Der VBE fordert bereits seit Jahren die Professionalisierung des Lehrerberufs und die Erarbeitung eines Lehrerleitbildes." erklärte der VBE Vorsitzende Ludwig Eckinger.

Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave sieht sich durch den Bericht in ihrem Vorhaben, die Lehrerausbildung neu zu gestalten, bestätigt: "Der Bericht der OECD motiviert uns, unseren Weg weiterzugehen." Ähnlich reagierte ihr sächsischer Kollege, Prof. Dr. Karl Mannsfeld: "Wir haben die Fortbildungspflicht der Lehrerinnen und Lehrer gesetzlich verankert."

Appelle kamen aus dem Süden der Republik. Die baden-württembergische Kultusministerin Dr. Annette Schavan erklärte: "Reformen im Bildungswesen können nur dann erfolgreich und nachhaltig sein, wenn die Gesellschaft wieder Leidenschaft für Bildung und Achtung vor pädagogischer Arbeit entwickelt." Ähnlich ihre bayerische Kollegin Monika Hohlmeier: "Wir brauchen keine öffentlichen Schimpftiraden, sondern Anerkennung und Unterstützung für unsere Lehrkräfte"

Eher versöhnlich klingen die Schlussbemerkungen des Expertenteams der OECD: "Das deutsche Reformmodell ist durch eine interessante Mischung aus Vorsicht einerseits und Radikalismus andererseits gekennzeichnet. Dieser Ansatz resultiert möglicherweise aus einem anderen entscheidenden Merkmal der Bundesrepublik, nämlich den umfassenden Mechanismen und Foren, dank derer die Ansichten der wichtigsten Betroffenen und Beteiligten zum Ausdruck gebracht und berücksichtigt werden können. Dies kann bedeuten, dass der Prozess des Wandels u.U. schleppend und unsicher wirkt. Es kann aber ebenso heißen, dass die tatsächliche Umsetzung der Reform - wenn die Konsultationsprozesse erst einmal abgeschlossen sind und sich ein breiter Konsens über die Richtung der Veränderungen herausgebildet hat - recht zügig, gründlich und mit breiter Unterstützung erfolgen kann. Wir haben das Gefühl, hier kurz vor dem Beginn einer historischen neuen Phase in der Entwicklung des Schulsystems zu stehen. Wir hoffen, mit unseren Analysen und Vorschlägen - die sicherstellen sollen, dass fähige und engagierte Menschen in deutschen Schulen unterrichten wollen, weil diese Arbeit interessant, gut bezahlt und angesehen ist - einen Beitrag zu diesem Prozess zu leisten."


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