Sachverständigenrat legt Empfehlungen zur Entwicklung der Weiterbildung vor

Rheinland-Pfalz möchte in den kommenden Jahren das System der Weiterbildung quantitativ und qualitativ spürbar ausbauen. Grundlage dafür sind die Empfehlungen des Sachverständigenrats "Weiterbildung in Rheinland-Pfalz".

18.10.2005 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, Rheinland-Pfalz (bis 11/06)

"Notwendig ist nicht weniger als ein Quantensprung in der Weiterbildung, deren Bedeutung für unsere Gesellschaft rasant zunehmen wird. Die Wegweisungen der Fachleute sind dafür äußerst hilfreich, weil sie sich an dem orientieren, was sinnvoll und machbar ist. Sie sind wichtige Stellschrauben", sagte Professor Dr. E. Jürgen Zöllner, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, als er heute in Mainz den Abschlussbericht des Expertengremiums entgegennahm.

Zöllner hatte den 22-köpfigen Kreis im April des vergangenen Jahres einberufen. Ihm gehörten Wissenschaftler und Vertreter der Arbeitgeber, der Kammern, der Gewerkschaften, der kommunalen Spitzenverbände, der Kirchen, der Bundesagentur für Arbeit und des Bildungs- beziehungsweise Weiterbildungssystems an. Den Vorsitz hatte Professor Dr. Ekkehard Nuissl, Direktor des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung in Bonn, inne. Aufgabe des Rats war es, zentrale Anstöße zur weiteren Modernisierung der rheinland-pfälzischen Weiterbildung zu geben. Diese legt der Sachverständigenrat nun auf insgesamt 32 Seiten dar.

"Ich bin den Fachleuten für ihre einvernehmlichen Empfehlungen sehr dankbar. Sie greifen zum einen Veränderungen auf, die wir bereits eingeleitet haben. Zum anderen beschreiben sie neue Ansätze, die als Orientierungsrahmen sehr interessant sind", kommentierte der Minister.

Das Expertengremium verständigte sich auf fünf Schwerpunktbereiche, die im Kontext des Lebenslangen Lernens und des sozialen, ökonomischen und demographischen Wandels von besonderer Bedeutung sind. Es sind dies die Teilbereiche Teilnahme an Weiterbildung, Transparenz von Weiterbildung, Qualität und Professionalität von Weiterbildung, Lehr- und Lernformen der Weiterbildung und Modularisierung in der Weiterbildung. Neben diesen Schwerpunktbereichen befasste sich der Sachverständigenrat intensiv mit Querschnittsfragen, insbesondere der Finanzierung und der politischen Steuerung der Weiterbildung - auch im nationalen und europäischen Kontext.

Zu den wichtigsten der insgesamt 29 Empfehlungen gehören die Gründung regionaler Kooperationsverbünde für die Weiterbildung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die Stärkung der Weiterbildungsbeteiligung, vor allem die der Bildungsbenachteiligten, eine engere Zusammenarbeit zwischen den Universitäten und den Weiterbildungsträgern, eine stärkere Flexibilisierung der Übergänge zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung, die Ressort übergreifende Weiterbildungsplanung, die Einführung neuer Finanzierungsinstrumente und nicht zuletzt auch eine Erhöhung der öffentlichen Mittel für die Weiterbildung.

"Die vorgeschlagenen Maßnahmen stellen in der Summe ein Programm dar, das uns einige Jahre beschäftigen wird - insbesondere auch mit Blick auf die Herausforderungen und Chancen des demografischen Wandels", betonte Zöllner. Gemäß seiner Maxime, Betroffene zu Beteiligten zu machen, werde er über die Empfehlungen des Sachverständigenrats in den kommenden Wochen und Monaten mit den Vertretern des rheinland-pfälzischen Weiterbildungssystems beraten. "Ich möchte mit ihnen darüber reden, welche Empfehlungen wir in welcher Reihenfolge aufgreifen", erklärte der Minister.

Er machte deutlich, dass Weiterbildung in Rheinland-Pfalz seit langem einen hohen Stellenwert habe. Gemeinsam mit dem damaligen Ministerpräsidenten Rudolf Scharping habe er schon 1991 im Rahmen einer ertragreichen Weiterbildungsinitiative die unterschiedlichen Weiterbildungspartner an einen Tisch geholt und die Weiterbildung in Rheinland-Pfalz modernisiert.

Vielfältige Maßnahmen und politische Aktivitäten wie zum Beispiel das Bildungsfreistellungsgesetz, die Novellierung des Weiterbildungsgesetzes, Lernfeste und Weiterbildungspreise hätten seitdem Akzente gesetzt. Innovative Modellprogramme zu Professionalität, Qualität, Medien und Bildung, Zertifizierung und andere Bereiche mehr hätten die Entwicklung der Weiterbildung im Land vorangetrieben und dazu beigetragen, dass Rheinland-Pfalz im nationalen und europäischen Vergleich deutlich an Profil in Sachen Weiterbildung gewonnen habe.

"Mit den Empfehlungen des Sachverständigenrats und ihrer Umsetzung in einem abgestimmten Gesamtkonzept möchte ich diese insgesamt positive Entwicklung der zurückliegenden anderthalb Jahrzehnte auf eine neue Qualitätsstufe heben und an die veränderten Notwendigkeiten unserer Zeit heranführen", sagte Zöllner.

Engagement und Kooperationswillen der Mitglieder des Sachverständigenrats seien bemerkenswert gewesen, erläuterte der Vorsitzende Nuissl. Ihm zufolge kann Rheinland-Pfalz im Verfahren und im Inhalt der vorgelegten Empfehlungen eine Vorreiterrolle im gesamten Bundesgebiet einnehmen. "Gerade gegenwärtig, wo eindeutig die Länderkompetenz in Sachen Bildung bestätigt ist, sind die Ergebnisse der rheinland-pfälzischen Diskussion ein ermutigendes Signal für andere Länder der Bundesrepublik - und darüber hinaus", betonte Nuissl.

Anhang: Empfehlungen des Sachverständigenrates


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