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Das Aufspüren von relevanten Informationen im Internet ist nicht immer einfach. Wie semantische Technologien die Internet-Suche und das Finden von Lerninhalten vereinfachen können, verrät Prof. Dr. Klaus Tochtermann. Aus: [BILDUNGaktuell Ausgabe 06/2006](http://bildungaktuell.at/media/BILDUNGaktuell\_06\_2006.pdf).
24.07.2006 ArtikelInformation Overload, Informationsflut, Wissensexplosion – inflationär gebrauchte Worte, die kaum noch unsere Aufmerksamkeit erwecken. Jeder kennt das: Tagtäglich durchforsten wir das unüberschaubare Internet oder ein komplexes Unternehmens-Intranet, stets auf der Suche nach Informationen, die uns helfen, den Arbeitsalltag zu bewältigen. Lernen on demand wird durch das Internet zwar möglich, ist aber aufwendig und zeitraubend – und liefert nicht immer die gewünschten Ergebnisse. Besonders schwierig wird es, wenn man sich einem Thema annähern will, ohne eine genaue Vorstellung von dem Anwendungsbereich zu haben. Man beginnt mit der Suche nach einem Schlagwort – und erhält eine lange Liste mit Suchergebnissen. Aufgrund der Mehrdeutigkeit von Begriffen sind die Suchergebnisse sehr heterogen und umfassend.
Indianerstamm oder Helikopter?
Führen Sie einmal eine Bildsuche in Google nach „Apache“ durch. Sie werden ganz unterschiedliche Bilder mindestens zu dem Indianerstamm, dem Helikoptertyp und der Webserver-Technologie finden. Oder denken Sie nur an den Begriff „Netzwerk“, der beispielsweise im Zusammenhang von Unternehmensnetzwerken, aber auch Computernetzwerken von Bedeutung ist. Die Gründe für die heterogenen Suchergebnisse liegen auf der Hand. Heutige Suchwerkzeuge suchen nicht nach Bedeutungen, sondern nach Wörtern, also Symbolen bzw. Schreibweisen und können demnach auch keine inhaltlichen Verbindungen zwischen der Suchanfrage und dem Suchergebnis herstellen. Deshalb werden wir auf konkrete Fragen auch keine Antworten erhalten, so wie sie uns eine Kollegin geben könnte. Wenn Suchwerkzeuge nun also nur nach Symbolen bzw. Schreibweisen suchen, kann dann das Suchen und Finden von Information jemals erleichtert werden? Muss die Vision information at your fingertips begraben werden?
Semantic Web
Wir würden die Frage nicht stellen, gäbe es nicht eine Antwort, nämlich semantische Technologien. Die Idee geht auf Tim Berners-Lee zurück, der die Vision des entwickelt hat. Was versteht man darunter? Wie der Begriff semantisch schon andeutet, geht es um Bedeutungen. Im Wesentlichen sollen es Semantische Technologien möglich machen, inhaltliche Zusammenhänge abzubilden und für Computer „verstehbar“ und „interpretierbar“ zu machen. Damit wird Programmen die Möglichkeit eröffnet, Anfragen aufgrund ihres Bedeutungsinhalts anstelle ihrer Schreibweise zu bearbeiten. Bei der Bildsuche nach „Apache“ wüsste also der Computer, ob Sie etwa den Indianerstamm oder den Helikoptertyp meinen.
Semantische Technologien werden auch Auswirkungen auf das Lernen haben: Gemäß dieser Vision wird es langfristig möglich sein, dass uns der Computer „ad-hoc“ Lernmaterial anbietet oder eine Experten-Community im Internet vorschlägt. Egal, ob Lernmaterial oder Community, beide sind exakt auf die gegebene aktuelle Aufgabenstellung am Arbeitsplatz sowie auf unser aktuelles Kompetenzprofil zugeschnitten – das Verständnis der Bedeutung durch den Computer macht es möglich.
Ontologien
Um eine solche Wirklichkeit zu realisieren, ist es natürlich nötig, dass im Internet oder in einem Intranet abgelegte Informationen in einer bestimmten Sprache repräsentiert sind. Zentrale Beschreibungssprachen sind etwa Extensible Markup Language (XML) der Web Ontology Language (OWL). Und wenngleich die Vision noch nicht Realität ist, so sind erste Ansätze sichtbar. Häufig anzutreffen sind beispielsweise Ontologien. Unter einer Ontologie versteht man ein Netzwerk aus Konzepten eines Anwendungsbereiches, die zueinander in Beziehung gesetzt sind.
Um ein Beispiel zu geben: Konzepte aus dem Bereich von Unternehmensnetzwerken können untereinander folgendermaßen verbunden sein. „Netzwerk“ ist zusammengesetzt aus „Unternehmen“, „Netzwerk“ hat „Unternehmensform“, „Netzwerk“ bezieht „Förderung“. Hinter jedem Konzept können Informationen in Form von Websites oder Dokumenten liegen (in der Fachsprache Instanzen zu einem Konzept). Würden Sie mit einem Suchwerkzeug, das die Suche innerhalb einer Ontologie unterstützt, nach „Netzwerk“ suchen, so könnte das System z.B. aufgrund Ihres Arbeitskontexts feststellen, dass Sie an Unternehmensnetzwerken interessiert sind. Sie werden dann nur die hierzu passenden Informationen angeboten bekommen. Darüber hinaus könnte die zugrunde liegende Ontologie visuell dargestellt sein, so dass Sie darüber auf einen Blick andere Konzepte angezeigt bekommen, die aber begrifflich gleich sind, etwa Netzwerke aus der Computerwelt.
Freilich sind im Zusammenhang mit dem Semantic Web noch Fragen offen: Welche Methoden eignen sich am besten zur Erstellung von Ontologien? Wie wird die Ontologie aktuell gehalten? Wie allgemein oder speziell sollte eine Ontologie sein? Aber trotz dieser Fragen bleibt die Antwort: Es ist Licht am Horizont des Informationshimmels!
Prof. Dr. Klaus Tochtermann ist wissenschaftlicher Leiter und Geschäftsführer des Know-Center in Graz. Diesen und weitere Artikel zu den Themen Schule und Weiterbildung finden Sie bei unserem Kooperationspartner blank" class="extern">bildungaktuell.at, blank" class="extern">Ausgabe 06/2006.
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