Vom Müller zum Verfahrenstechnologen: 17 modernisierte und 4 neu geschaffene Ausbildungsberufe treten zum 1. August 2006 in Kraft

Mit vier neuen und 17 modernisierten Ausbildungsberufen beginnt für viele Berufsschüler und Berufsschülerinnen das neue Schuljahr. Mit modernen Berufen werden wichtige Voraussetzungen für die internationale Konkurrenzfähigkeit deutscher Fachkräfte geschaffen.

18.07.2006 Pressemeldung Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder

Vom Müller zum Verfahrenstechnologen: 17 modernisierte und 4 neu geschaffene Ausbildungsberufe treten zum 1. August 2006 in Kraft -

Neue Ausbildungsberufe:

Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice
Servicefachkräfte für Dialogmarketing
Kaufmann / -frau für Dialogmarketing
Fachangestellter / Fachangestellte für Markt- und Sozialforschung

Modernisierte Ausbildungsberufe:

Müller/Müllerin (Verfahrenstechnologe/Verfahrenstechnologin in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft)
Ofen- und Luftheizungsbauer / Ofen- und Luftheizungsbauerin
Tischler / Tischlerin
Holzmechaniker / Holzmechanikerin
Flechtwerkgestalter / Flechtwerkgestalterin
Mediengestalter / Mediengestalterinnen Bild und Ton
Medienkaufmann / -frau Digital und Print
Kaufmann / -frau für Marketingkommunikation
Kaufmann / -frau im Groß- und Außenhandel
Kaufmann / Kauffrau für Versicherungen und Finanzen
Immobilienkaufmann / -frau
Fachverkäufer/Fachverkäuferinnen im Lebensmittelhandwerk
Medizinische/r Fachangestellte/r
Tiermedizinische/r Fachangestellte/r
Hafenschiffer / Hafenschifferin
Fachkraft für Hafenlogistik
Verfahrensmechaniker / Verfahrensmechanikerin für Kunststoff und Kautschuktechnik

Auch traditionelle Berufe gehen mit der Zeit. Und dabei ändern sich manchmal neben den Anforderungen auch die Bezeichnungen. Weil die Mühlenbranche Schwierigkeiten hatte, Auszubildende für den zwar traditionellen, aber technologisch höchst anspruchvollen Ausbildungsberuf Müller zu finden, verband sie die Neuordnung der Ausbildungsinhalte auch mit einer Veränderung des Namens. Die Berufsbezeichnung heißt zwar weiterhin Müller oder Müllerin, trägt aber jetzt den Klammerzusatz Verfahrenstechnologe/Verfahrenstechnologin in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft. Für diesen und für 20 weitere Ausbildungsberufe treten zum Schuljahresbeginn 2006/2007 in der Berufsschule neue Rahmenlehrpläne der Kultusministerkonferenz in Kraft.

Gestiegene Anforderungen technologischer und ökologischer Art machten es auch notwendig, die traditionellen Ausbildungsberufe im Backofenbauer-Handwerk und im Kachelofen- und Luftheizungsbauer-Handwerk zu vereinen und neu zu gestalten: Ofen- und Luftheizungsbauer / Ofen- und Luftheizungsbauerinnen ist die neue Bezeichnung.

Auch im Berufsfeld Holztechnik wurden moderne Grundlagen geschaffen. Neben den Rahmenlehrplänen für den traditionellen Handwerksberuf Tischler / Tischlerin und den industriellen Ausbildungsberuf Holzmechaniker/ Holzmechanikerin findet sich ein neuer Rahmenlehrplan für den Ausbildungsberuf Flechtwerkgestalter / Flechtwerkgestalterin (ehemals Korbmacher/Korbmacherin) Neben dem Herstellen von Körben werden auch Korbmöbel, Wandelemente und Ähnliches angefertigt. Auch für die Ausbildung im Berufsgrundbildungsjahr wurde ein aktualisierter Rahmenlehrplan geschaffen, der das erste Jahr der Ausbildungsberufe Tischler / Tischlerin und Holzmechaniker / Holzmechanikerin umfasst, wenn es vollständig in beruflichen Schulen absolviert wird. Neu in diesem Bereich ist der Ausbildungsberuf Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice. Auszubildende lernen hier sowohl das Aufstellen von Möbeln und Küchen, die aus Möbelhäusern geliefert werden, als auch das Auf- und Abbauen von ganzen Wohnungseinrichtungen im Falle eines Umzugs. Sie arbeiten später in Unternehmen des Küchen- und Möbelhandels sowie in Möbelspeditionen.

Der Bereich Medienwirtschaft veränderte sich in den letzten Jahren dynamisch. Dies bedingt, dass auch die Ordnungsmittel für den Unterricht in der Berufsschule und die Ausbildung im Betrieb immer wieder aktualisiert werden müssen. So treten zum 01.08.2006 drei neue Rahmenlehrpläne in Kraft. Im gewerblichen Bereich ist das der Rahmenlehrplan für die Mediengestalter/Mediengestalterinnen Bild und Ton. Im kaufmännischen Bereich wurden bei der Neugestaltung der Ausbildungsmittel auch neue Berufsbezeichnungen gefunden: Medienkaufleute Digital und Print (ehemals Verlagskaufleute) und Kaufleute für Marketingkommunikation (vorher Werbekaufleute). Der Rahmenlehrplan für die Mediengestalter/Mediengestalterinnen Digital- und Printmedien wird zum Schuljahr 2007/2008 novelliert.

Hohe Auszubildendenzahlen gibt es im Bereich des Groß- und Außenhandels, der Versicherungs- und der Immobilienwirtschaft. Die neuen Rahmenlehrpläne für Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen (vorher Kaufleute im Groß- und Außenhandel) berücksichtigen die zunehmende internationale Verflechtung der Wirtschaft und die damit verbundenen verstärkten internationalen Handelsbeziehungen. Die geänderte Berufsbezeichnung macht deutlich, dass das traditionelle Versicherungsgeschäft um den Bereich der Finanzdienstleistungen erweitert wurde. Auch die Ausbildung der Immobilienkaufleute (ehemals Kaufleute in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft) wurde modernisiert: Sie bearbeiten zukünftig alle kaufmännischen Geschäftsfälle, die beim Erwerb, der Bewirtschaftung und der Veräußerung von Immobilien anfallen. Diesen großen kaufmännischen Berufen treten zwei neu geschaffene Ausbildungsberufe zur Seite: Servicefachkräfte für Dialogmarketing bieten Kundinnen und Kunden vielerlei Branchen telefonischen Service, Kaufleute für Dialogmarketing organisieren darüber hinaus diese Geschäftsbereiche im Backoffice von Großbetrieben und Call-Centern.

Kundenorientierung steht allerdings nicht nur bei Großbetrieben, sondern auch gleichermaßen im traditionellen Lebensmittelfachgeschäft an erster Stelle. Sie nimmt deshalb auch einen großen Platz ein im neuen Rahmenlehrplan für die Fachverkäufer/Fachverkäuferinnen im Lebensmittelhandwerk, der in die Bereiche Bäckerei, Konditorei und Fleischerei gegliedert ist. Diese Differenzierung stellt sicher, dass die Kundenorientierung immer verbunden ist mit einer fachlich qualifizierten Beratung beim Lebensmitteleinkauf.

Gestiegene Qualifikationsanforderungen zeigen sich auch in den personenbezogenen Dienstleistungen. Medizinische Fachangestellte bzw. Tiermedizinische Fachangestellte assistieren Ärzten und Tierärzten bei der Behandlung der Patienten. Neben fachlicher Qualifikation bedarf es hierfür auch Einfühlungsvermögen und Geduld.

Schwierige Verkehrsaufgaben in Seehäfen werden von Hafenschiffern/Hafenschifferinnen gelöst. Dafür, dass die dort umgeschlagenen Güter fachgerecht behandelt werden, sorgen Fachkräfte für Hafenlogistik (bisher Seegüterkontrolleur/Seegüterkontrolleurin).

Völlig neu entwickelt wurde der Ausbildungsberuf Fachangestellter/Fachangestellte für Markt- und Sozialforschung. Die Auszubildenden lernen in der Berufsschule und im Betrieb, Projekte der Markt- und Sozialforschung vorzubereiten, durchzuführen und die gewonnenen Ergebnisse aufzubereiten und zu präsentieren.

Erweitert wurde der Ausbildungsberuf

Verfahrensmechaniker/Verfahrensmechanikerin für Kunststoff und Kautschuktechnik um die neuen Schwerpunkte Kunststofffenster und Faserverbundstoffe. Mit diesem neuen Rahmenlehrplan wurde der immer stärkeren Differenzierung in der kunststoffverarbeitenden Industrie Rechnung getragen.

Mit der ständigen Modernisierung der Rahmenlehrpläne für die Berufsschulen leisten die Kultusministerien der Länder ihren Beitrag zur Sicherstellung der Qualifikation der Arbeitskräfte in der Bundesrepublik Deutschland. Seit der Jahrtausendwende wurden über 150 Rahmenlehrpläne neu erstellt, darunter Rahmenlehrpläne für über 25 gänzlich neu konzipierte Ausbildungsberufe. Es liegt nun an den Ausbildungsbetrieben, für diese modernen Ausbildungsberufe auch genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen, um die Qualität bundesdeutscher Produkte und Dienstleistungen auch in der Zukunft zu sichern.


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