Beratungsstelle Berlin

Aufarbeitung der Heimerziehung in der DDR

Die Jugendstaatssekretärin Sigrid Klebba hat heute in Berlin gemeinsam mit den Ministern aus den neuen Ländern und den Parlamentarischen Staatssekretären im Bundesministerium des Innern sowie im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend den Bericht "Aufarbeitung der Heimerziehung in der DDR" vorgestellt.

26.03.2012 Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung

Die Autoren des Berichts kommen zu dem Ergebnis, dass Zwang und Gewalt für viele Säuglinge, Kinder und Jugendliche in DDR-Heimen eine alltägliche Erfahrung waren. Den Betroffenen wurde in Spezialheimen der Jugendhilfe Bildung verweigert, sie wurden zur Arbeit gezwungen, die allgemeinen Menschenrechte wurden verletzt. Diese Erlebnisse in den Heimen haben zu massiven Beeinträchtigungen der Lebenschancen und Entwicklungspotentiale der Betroffenen geführt, die über den Heimaufenthalt hinaus bis heute nachwirken. Viele Betroffene leiden an den Spätfolgen, schlechten beruflichen Chancen, Stigmatisierungen und psychischen Traumatisierungen.

Ab dem 1. Juli 2012 soll ein Fonds "Heimerziehung in der DDR in den Jahren von 1949 bis 1990" nach dem Vorbild des Fonds "Heimerziehung West" eingerichtet werden. Dafür werden der Bund und die ostdeutschen Länder insgesamt 40 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Mit diesem Geld sollen Anlauf- und Beratungsstellen in den neuen Ländern errichtet werden. Bereits jetzt steht ein Infotelefon (0800 / 100 4900) zur Verfügung, das den Betroffenen Auskunft über die Informationsstellen in den Ländern gibt.

"In Berlin gibt es seit Anfang des Jahres eine Anlauf- und Beratungsstelle, an die sich schon jetzt alle Berliner Betroffenen aus Ost und West wenden können, um Unterstützung bei der Aufarbeitung ihrer Lebensgeschichte, bei der Suche nach Akten und bei der Erschließung der notwendigen Hilfen bekommen können. In den ersten zwei Monaten haben sich bereits 215 Betroffene an die Berliner Anlauf- und Beratungsstelle gewandt, davon 145 Hilfesuchende, mit Heimerfahrung im Westen und 70 Hilfe- bzw. Beratungssuchende, die im Ostteil bzw. der DDR in Heimen leben mussten", sagte Sigrid Klebba.

Berlin hat seit Herbst 2010 mit der Aufarbeitung der Heimerziehung der damaligen Zeit begonnen. Im August 2011 hatte die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung einen Bericht zur Berliner Heimerziehung der damaligen Zeit in Ost und West veröffentlicht. "Dieser Bericht und die in ihm enthaltenen zahlreichen Schilderungen Betroffener haben für Berlin deutlich gemacht, dass Unrechtserfahrung und Leid keineswegs geteilt waren, auch wenn die Systeme beiderseits der Mauer große Unterschiede aufwiesen. Es ist deshalb richtig und wichtig, dass jetzt für die Betroffenen aus den DDR-Heimen der Fonds eingerichtet wird", so Sigrid Klebba.

Berliner Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder, Holsteinische Str. 30, 12161 Berlin, Telefon: 030 / 85 99 51-66, www.fonds-heimerziehung.de/?id=26


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