Qualitätskriterien

Aussichten auf bessere ADHS-Behandlung

(red/idw) Ein Forscherteam aus dem HELIOS Klinikum Wuppertal, der Universität Witten/Herdecke und aus dem Lebenszentrum Königsborn in Unna hat weltweit erstmals Qualitätskriterien für die medizinische Betreuung von Kindern mit ADHS definiert, überprüft inwieweit diese eingehalten werden und zudem deren Alltagstauglichkeit getestet. Das Ergebnis der Studie fällt positiv aus: Die Qualitätskriterien können – wenn auch mit einiger Anstrengung – in den Alltag der sozialpädiatrischen Zentren integriert werden.

15.12.2014 Artikel

Das ebne den Weg für eine Vergleichbarkeit der Betreuung, unabhängig davon, an welche Einrichtung sich eine betroffene Familie wendet, so Priv.-Doz. Dr. med. Peter Borusiak, Leiter des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des HELIOS Klinikums in Wuppertal und maßgeblich an dem Forschungsprojekt beteiligt. "Ich finde es wichtig, dass wir hier für die Patienten ein Stück weiterkommen."

Bislang keine Kriterien für Diagnostik und Behandlung

Bei rund fünf Prozent aller Kinder in Deutschland wird eine Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) diagnostiziert. Trotz der gewaltigen Zahl an Betroffenen sind die Grundlagen für eine Bewertung der Untersuchungs- und Behandlungsqualität bislang recht dünn.

"Obwohl ADHS in aller Munde ist, fehlen bislang klare Kriterien, mit denen sich die Qualität von Diagnostik und Behandlung bewerten lässt", sagt Priv.-Doz. Dr. med. Peter Borusiak. "Die Schwierigkeit, Ansätze für eine Messbarkeit zu finden, sorgt grundsätzlich dafür, dass in der kindlichen Entwicklungsforschung relativ wenige Projekte laufen." Mit dem vorliegenden Forschungsprojekt seien nun Ansatzpunkte für eine Bewertung der ADHS-Behandlung gefunden worden. "Das schafft die Grundlage für darauf aufbauende Forschungsprojekte, die letztlich dazu beitragen können, die Betreuung von an ADHS erkrankten Kindern zu verbessern", so Dr. Borusiak.

Diagnostik und Therapie im Fokus

Auf der Ebene von neun Sozialpädagogischen Zentren (SPZs), in denen betroffene Kinder häufig behandelt werden, nahmen die Forscher 39 Qualitätsindikatoren bei der Betreuung von 180 Kindern unter die Lupe. Die Arbeit ist kürzlich im Online-Angebot der Zeitschrift "Gesundheitswesen 2014" veröffentlicht worden.

Untersucht wurden die Bereiche Diagnostik und Therapie – überwiegend mit Blick auf die Erfüllung vorhandener Leitlinien. Hier wurde beispielsweise abgefragt, ob ein mehrdimensionaler Intelligenztest und eine spezifische Fragebogendiagnostik Bestandteil der Diagnostik war. Mit Blick auf die Therapie war den Forschern wichtig, dass das gesamte soziale Umfeld des betroffenen Kindes einbezogen wird und dass ein Behandlungsplan mit klar definierten Behandlungszielen erarbeitetet wird.

Im Fokus der Forscher waren zudem Fragen nach der Ausgestaltung und Begleitung der medikamentösen Therapie sowie nach Strukturen und Abläufen in den teilnehmenden Einrichtungen. Auch die Rahmenbedingungen, mit denen die einzelnen SPZs umgehen müssen, flossen in die Untersuchung mit ein, um etwaige Unterschiede in den Arbeitsvoraussetzungen in die Gesamtbetrachtung mit einbeziehen zu können.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden