Transplantationsskandal

Bayern: Wolfgang Heubisch zu ersten Konsequenzen und den nächsten Schritten

Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch teilte heute in einer Pressekonferenz mit, es bestehe der Verdacht, dass auch am Uniklinikum Regensburg Manipulationen von Krankendaten im Zusammenhang mit Lebertransplantationen vorgenommen wurden. Das Universitätsklinikum Regensburg hatte sofort nach Bekanntwerden der Vorwürfe am Uniklinikum Göttingen eine interne Überprüfung aller Lebertransplantationen für den Zeitraum von 2003 bis 2008 veranlasst.

02.08.2012 Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

In diesen Jahren war der in Göttingen verdächtigte Mediziner als Oberarzt in Regensburg tätig. Bei der ersten internen Überprüfung von insgesamt 250 Fällen hätten sich bisher 23 Verdachtsfälle in den Jahren 2004 bis 2006 ergeben. Weitere Fälle seien nicht auszuschließen. Heubisch erläutert: "Die Manipulationen der Krankendaten wurden auf den Meldebögen an Eurotransplant vorgenommen. Dadurch wurden Patienten bei der Zuweisung von Lebern zu Unrecht bevorzugt. Momentan gehen wir davon aus, dass alle Manipulationen von dem Arzt aus Göttingen veranlasst wurden. Aber selbstverständlich wird dies umfassend geprüft werden müssen. Die Vorfälle machen mich sehr betroffen. Hier wurde mit den Lebenschancen von Menschen in unverantwortlicher Weise umgegangen. Das ist eine Katastrophe. Wir werden alles unternehmen, um schnell und umfassend aufzuklären. Und alles tun, um so etwas in Zukunft zu verhindern."

Der Vorgang sei bereits der Staatsanwaltschaft übergeben. Eurotransplant, die Bundesärztekammer und das bayerische Gesundheitsministerium wurden informiert. Weitere Schritte seien in Vorbereitung betonte Heubisch: "Ich habe das Uniklinikum aufgefordert, zu prüfen, ob der zuständige Klinikdirektor seinen Aufsichtspflichten nachgekommen ist. Darüber hinaus empfehle ich dem Uniklinikum dringend, bis dies geklärt ist, das Beschäftigungsverhältnis ruhen zu lassen. Ich betone ausdrücklich, dass damit keinerlei Vorverurteilung verbunden ist", so Heubisch. Bereits in der vergangenen Woche hatte Heubisch die fünf bayerischen Universitätsklinika aufgefordert, ihre Strukturen zu überprüfen, um potentiellem Fehlverhalten Einzelner effektiv vorzubeugen. Um hier schnell weiterzukommen, werde er ein Treffen aller bayerischen Transplantationszentren veranlassen, bei dem über Verbesserungsmöglichkeiten diskutiert und nächste Schritte verbindlich festgelegt werden sollen. "Zudem sollten die Uniklinika zumindest stichprobenartige Überprüfungen von Transplantationsverfahren durchführen. Bei allem Entsetzen über diese Vorfälle dürfen wir aber nicht die Transplantationsmedizin unter Generalverdacht stellen. Sie rettet Menschleben und wird mit größtem Engagement und strikter Einhaltung ethischer Maßstäbe in ganz Deutschland praktiziert", so Heubisch weiter.


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