Bildung und Vermittlung

Der Initiator von documenta, der Künstler und Kunstpädagoge Arnold Bode, begriff die documenta als eine Bildungsinstitution. Die Ausstellung wurde zur damaligen Zeit nicht als Weltkunstausstellung verstanden, die den jeweilig aktuellen Stand der Kunst zu zeigen hat. Sie wurde von Beginn an gesellschaftlich, das heißt als Bildungsinstitution entworfen. Die documenta 12 knüpft an Arnold Bodes documenta 1955 an. "Bildung" als Leitbegriff wird sowohl methodisch als auch ästhetisch in die Ausstellung einfließen.

21.11.2006 Pressemeldung documenta und Museum Fridericianum

Die documenta 12 stellt die Vermittlung von Kunst in einen Zusammenhang mit gesellschaftlichem Zusammenleben. Auf unterschiedlichen Ebenen und in verschiedenen Formen werden daher Perspektiven von Kommunikation über Kunst hinsichtlich ihrer ästhetischen und ethischen Bewandtnis nicht nur reflektiert, sondern praktiziert.

Mit dem documenta 12 Beirat und mit documenta 12 magazines sind zwei Beispiele angeführt, die Bildung jenseits einer Dienstleistungsoption ansiedeln. Denn im Kontext der documenta 12 geht es darum, eine Öffentlichkeit zunächst zu bilden. Es bedeutet, Personen und Gruppen mit ihren speziellen Interessen anzusprechen, das Verhältnis zu den Leitmotiven herauszuarbeiten und eine Reflexion über Kunst und ihre Vermittlung anzustoßen.

Vermittlung vs. Führungen

In diesem Sinne muss auch die Vermittlung von Kunst während der Ausstellung als soziales Ereignis und weniger als Serviceleistung zur Debatte stehen. Die Idee von Vermittlung als einer Dimension des Wissenstransfers und der Vernetzbarkeit von Wissensressourcen berührt unmittelbar die Ambitionen eines "vorgebildeten" Publikums, welches unter "Führungen" die Vergabe autorisierten Sprechens versteht. Wissenstransfer bedeutet jedoch, gerade diese Form der Sprecherposition zu problematisieren, um Austausch zu ermöglichen.

Um aktiv an dem Prozess der Vernetzung und dem Wissenstransfer auf der documenta 12 teilzunehmen, sind alle Beteiligten nicht nur aufgefordert, eigene Zugänge zu erarbeiten, sondern zudem herausgefordert, diese transparent und reflektierbar zur Disposition zu stellen. Da Vermittlungsangebote auf der documenta 12 mindestens zwei Stunden andauern, wird es Spielraum für neue Praxisformen geben. Es steht Zeit und Raum zum Debattieren und Sinnieren zur Verfügung, es wird die Möglichkeit geben, gemeinsam abzuschweifen, um sich erneut zu konzentrieren. Die VermittlerInnen der documenta 12 werden Projekte erarbeiten, die auf Gruppen mit speziellen Interessen zielen. Dies sind Initiativen und Institutionen, die eine thematische Beziehung zu den Leitmotiven oder ein spezifisches Interesse an der Reflexion über Kunstvermittlung haben. Auch Begegnungen mit so genannten "bildungsfernen", bzw. "documenta-fernen" Gruppen, oder Gruppen, die ohne Unterstützung die Ausstellung nicht aufsuchen würden, werden angestrebt.

Ulrich Schötker


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