Bildung und Vermittlung auf der documenta 12

Wie das Leben hat die Kunst keinen Sinn; Sinn muss ihr erst zugedacht werden. Das verlangt, dass wir uns auf Dinge einlassen, die wir zunächst nicht verstehen und vielleicht nie ganz verstehen werden. Das verlangt weiter, dass wir eine ganze Menge Hintergrundinformationen brauchen und über Techniken verfügen müssen, um Kunstwerke sprechen zu lassen. Diese beiden Aufgaben bürdet die documenta 12 ihrer Kunstvermittlung auf.

21.11.2006 Pressemeldung documenta und Museum Fridericianum

Von einer Ausstellung, die sich als Bildungsinstitution versteht, kann man beides erwarten: Hintergrundinformationen sowie das Erlernen von Techniken. Erwarten kann man ferner, dass man als BesucherIn ernst genommen wird. Dass das Wissen, das man selbst mitbringt, ebenso zählt wie die Gefühle der Zuneigung, Gleichgültigkeit oder Abscheu, die Kunstwerke bei der BetrachterIn auslösen.

Die Kunstvermittlung auf der documenta 12 widmet sich dieser einerseits konflikthaften, andererseits lustvollen Auseinandersetzung mit dem Publikum. Sie verkündet keine Wahrheiten und behandelt die BetrachterIn nicht als stupide KonsumentIn. Zugleich versteht sie sich aber weniger als Dienstleistung denn als Anwältin der Kunst. Sie sucht dem besonderen Charakter der ästhetischen Erfahrung und dem besonderen Einsatz des einzelnen Kunstwerks Geltung zu verschaffen. Auseinandersetzungen, welcher Art auch immer, brauchen Raum. Raum zur Kontemplation, der uns Dinge betrachten und diese sprechen lässt. Raum zur Diskussion, der uns erlaubt, Dingen und Überzeugungen auf den Grund zu gehen. Die Kunstvermittlung auf der documenta 12 bekommt daher eine eigene Architektur zum Träumen und Reden: Palmenhaine. Diese Zwischenräume sind gleichermaßen Teil der Ausstellung wie von ihr separiert.

Roger M. Buergel


Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden