Der große Deutsch-Test 2005
(bikl/ab) Mannheim - Rund 7,6 Millionen Zuschauer verfolgten im vergangenen Jahr den "Großen Deutsch-Test" auf RTL. Und nicht wenige unterzogen sich sogar freiwillig einer Art Klassenarbeit. Ergebnis: Auf durchschnittlich 35 Fehler brachten es die Prüflinge, wobei die Bayern mit "nur" 33,8 Fehler auf Platz eins landeten und die Hamburger mit 35,8 Fehlern das Schlusslicht bildeten. Auf das Ergebnis in diesem Jahr darf man also gespannt sein. Die nächste Deutschrunde startet am 7. Mai um 20.15 Uhr auf RTL. Dann wird Hape Kerkeling zwölf Prominente und die ganze Nation erneut auf die Probe stellen. Wieder mit dabei: der 'Rechtschreibpapst' Dr. Werner Scholze-Stubenrecht, Chefredakteur des Dudens und stellvertretender Leiter der Dudenredaktion. In diesem Interview äußert er sich über seine Rolle in der Fernsehshow, die Wörterbucharbeit an sich und wie es einem Wort überhaupt gelingt, in den Duden aufgenommen zu werden.
21.04.2005 ArtikelA.B.: "Der große Deutsch-Test" war im vergangenen Jahr ein großer Publikumserfolg und sogar für den Deutschen Fernsehpreis als beste Unterhaltungssendung nominiert. Was bedeutet es für Sie als Wörterbuchmacher und Sprachwissenschaftler, dass die deutsche Sprache hier eine eigene Sendung bekommt - und mit ihr erfolgreich ist?
Scholze-Stubenrecht: Es ist ein ausgesprochen befriedigendes Gefühl, dass sich Millionen von Menschen für das Thema interessieren, das meinen Beruf bestimmt. Und die Sendung hat gezeigt, dass die deutsche Sprache auch für ein breiteres Publikum ein ganz spannendes und aufregendes Wissensgebiet ist.
A.B.: Sie selbst werden als Sprachexperte in der Sendung dabei sein. Welche Aufgabe haben Sie und wie bereiten Sie sich vor?
Scholze-Stubenrecht: Meine Funktion ist die des Sachverständigen, der vor der Sendung die Aufgaben überprüft und während der Sendung hier und da Zweifelsfälle erläutern und Zusatzinformationen geben kann.
A.B.: Normalerweise wirken Sie als Dudenredakteur ja eher im Hintergrund. Wie ist das für Sie, im Rampenlicht der Öffentlichkeit zu stehen? Ist der 2. Auftritt jetzt schon eher Routine oder haben Sie auch ein bisschen Lampenfieber?
Scholze-Stubenrecht: So sehr im Rampenlicht stehe ich bei dieser Sendung auch wieder nicht, das gehört in erster Linie dem Moderator und den prominenten Gästen. Trotzdem stellt sich da keine Routine ein. Ein bisschen Aufgeregtsein gehört auch bei mir einfach dazu.
A.B.: Was ist Ihnen aus der letzten Sendung noch besonders in Erinnerung geblieben? Was hat Ihnen besonders viel Spaß gemacht?
Scholze-Stubenrecht: Dass die Kandidatinnen und Kandidaten mit Eifer bei der Sache waren und dass Hape Kerkeling das Ganze mit viel Witz und sehr unterhaltsam gestaltet hat.
A.B.: In der Show heißt es wie im letzten Jahr: "Hefte raus, Klassenarbeit!" Wahrscheinlich waren Deutscharbeiten in Ihrer Schulzeit kein großes Problem für Sie. Aber in welchem Fach sollte man Sie besser nicht vor eine Prüfung stellen?
Scholze-Stubenrecht: Ich habe mich als Schüler leider viel zu wenig für Geschichte, Geografie und Politik interessiert und versuche heute mühsam, meine Wissenslücken auf diesen Gebieten ein wenig aufzufüllen. Und ich fürchte, ich kann mich auch in den Naturwissenschaften bestenfalls als halbgebildet bezeichnen.
A.B.: Herr Dr. Scholze-Stubenrecht, der Duden wird in diesem Jahr 125. Und Sie feiern, wie wir gehört haben, ein persönliches Dudenjubiläum. Seit nunmehr 30 Jahren sind Sie dem Dudenverlag beruflich verbunden. Ein langer Zeitraum, in dem Sie sicherlich viele Entwicklungen mitgestalten und miterleben konnten.
Hat sich die Wörterbucharbeit verändert? Was ist die wichtigste Veränderung?
Scholze-Stubenrecht: Das Computerzeitalter hat die Wörterbucharbeit entscheidend verändert: Wir sind heute viel schneller und dadurch aktueller, und wir haben ganz andere Möglichkeiten der genauen und umfassenden Sprachbeobachtung als früher, was die Qualität der Duden-Wörterbücher ständig weiter nach vorn bringt.
A.B.: Als Chefredakteur des Dudens verantworten Sie das deutsche Gebrauchswörterbuch schlechthin, auf das Behörden, Institutionen, Unternehmen, Medien und Millionen von Privatpersonen - nicht nur in Zweifelsfällen - zurückgreifen. Fühlen Sie eine besondere Verantwortung? Macht Sie das stolz? Besteht darin auch ein ganz besonderer Reiz Ihrer Arbeit für Duden?
Scholze-Stubenrecht: Das Ziel, dauerhaft einer großen Verantwortung gerecht zu werden, hat immer einen besonderen Reiz - und wenn es einigermaßen gelingt, ist man auch ein bisschen stolz.
A.B.: Wann und wie kommt ein Wort in den Duden?
Scholze-Stubenrecht: Wenn es in der deutschen Gegenwartssprache allgemein gebräuchlich wird und wir das bei unserer Sprachbeobachtung mit einiger Sicherheit feststellen können. Dazu lassen wir gezielt Bücher, Zeitungen und Zeitschriften auswerten, und dazu analysieren wir mit Computerunterstützung große Textmengen aus unserem Duden-Sprachkorpus.
A.B.: Also Anträge auf Aufnahme eines Wortes in den Duden - das geht nicht?
Scholze-Stubenrecht: Nein. Die Dudenredaktion ist keine Sprachregistraturbehörde. Man kann uns natürlich auf Wörter hinweisen, die man im Duden vermisst, aber wir prüfen und entscheiden unabhängig von den Interessen und Wünschen Einzelner, ob diese Wörter ins Wörterbuch gehören oder nicht.
A.B.: Schlagen Sie selbst im Duden nach?
Scholze-Stubenrecht: Täglich. Und das sogar in meiner Freizeit, vor allem beim Scrabblespielen.
A.B.: Haben Sie ein Lieblingswort?
Scholze-Stubenrecht: Nein, seltsamerweise nicht. Vielleicht, weil ich zu viele kenne.
A.B.: Ein Steckenpferd von Ihnen sind Zitate und Redewendungen. Was zitieren Sie besonders gern?
Scholze-Stubenrecht: Zwei Zitate aus dem "Vorspiel auf dem Theater" zu Goethes Faust gehen mir häufig durch den Kopf: "Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen" und "Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehen".
A.B.: Haben Sie ein Lebensmotto?
Scholze-Stubenrecht: Selbstvertrauen ist gut, Selbstkontrolle ist besser.
A.B.: Lieber Herr Dr. Scholze-Stubenrecht, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Ihren Auftritt am 7. Mai!
Das Interview führte Angelika Böhm.
Wer vorab schon mal üben möchte: Hier geht's ins Trainingslager in Sachen Zeichensetzung, Fremdwörter und Groß- und Kleinschreibung: www.rtl.de/games/deutschtest/
Keine Kommentare vorhanden