Deutscher Kulturrat bedauert, dass die Stadt Dresden nicht zum Einlenken bereit war

Heute hat das UNESCO-Welterbekomitee dem Dresdner Elbtal den Titel Weltkulturerbe aberkannt. Damit wurde ein Schlussstrich unter einen bereits seit Jahren andauernden Streit gezogen. Die Stadt Dresden war nicht zum Einlenken bereit und hat trotz mehrfacher Warnschüsse von Seiten der UNESCO, trotz eindringlicher Aufrufe der Sächsischen Kulturministerin Eva-Maria Stange am Bau der Waldschlösschenbrücke festgehalten.

25.06.2009 Pressemeldung Deutscher Kulturrat e.V.

Auch die Bundesregierung und der Deutsche Bundestag sind nicht unschuldig an der Aberkennung des Welterbetitels. Wenn der Deutsche Bundestag internationale Abkommen ratifiziert, ist es die Aufgabe und Verpflichtung der Bundesregierung und des Bundestages dafür zu sorgen, dass die innerstaatliche Bindungswirkung durch Ausführungs- und Begleitgesetze hergestellt wird. Dieses wurde beim "UNESCO-Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt" versäumt. Neben der Ratifizierung internationaler Abkommen ist es die Aufgabe des Bundesgesetzgebers klar, eindeutig und unmissverständlich zu regeln, wie internationale Übereinkommen im nationalen Recht angewandt werden sollen. Hier müssen die Bundesregierung und der Deutsche Bundestag schleunigst ihre Hausaufgaben machen, damit uns weitere peinliche Auseinandersetzungen wie in Dresden in der Zukunft erspart bleiben.

Der Deutsche Kulturrat bedauert die Sturheit der Verantwortlichen in Dresden außerordentlich. Jetzt heißt es aber nach vorne zu schauen. Der Titelverlust in Dresden darf nicht dazu führen, dass jetzt das Dresdner Elbtal noch mehr verbaut wird. Künftige Bewerber um den Weltkulturerbetitel sollten zuvor genau abwägen, ob sie bereit sind, die Verantwortung, die mit dem Titel verbunden ist, zu übernehmen und das Weltkulturerbe für künftige Generationen zu schützen.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: "Letztlich war diese Entscheidung des Welterbekomitees zu erwarten. Die UNESCO hat drei Jahre zugewartet und immer wieder Warnungen ausgesprochen. Wenn diese so konsequent in den Wind geschlagen werden, muss die UNESCO die Konsequenz ziehen, ansonsten würde sie ihre Glaubwürdigkeit verlieren. Es ist wohl ein einmaliger Vorgang, dass die Verantwortlichen für eine Welterbestätte derart sorglos mit diesem Titel umgehen. Dresden hat mit dieser Sturheit dem Kulturstaat Deutschland einen Bärendienst erwiesen. Deutschland ist in der Welt blamiert!"


Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden