DIHK fordert Abschaffung der Ich-AG zum 1. Januar 2006

Eine rasche Reform der Gründungsförderung für Arbeitslose ist aus Sicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) dringend notwendig. Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben: "Das Nebeneinander von Ich-AG und Überbrückungsgeld ist kompliziert und animiert vielfach zur Mitnahme von Fördergeldern. Allzu oft gerät die Geschäftsidee aus dem Blick. Schlecht durchdachte Starts sind die Folge".

04.10.2005 Pressemeldung DIHK - Deutscher Industrie- und Handelskammertag

Wansleben fordert eine neue Bundesregierung deshalb auf, zum 1. Januar 2006 die Gründungsförderung für Arbeitslose grundlegend neu zu ordnen und dabei die Erfahrungen aus der IHK-Existenzgründungsberatung zu nutzen. Fünf Eckpunkte müssen die Neugestaltung prägen:

  • Ich-AG und Überbrückungsgeld sind zu einem Förderinstrument für Arbeitslosengeld (ALG-I)-Bezieher zusammen zu fassen.
  • Der Förderzeitraum ist auf maximal 12 Monate zu begrenzen. Bei längerer Förderdauer "arrangieren" sich viele Gründer mit dem Zuschuss und verlieren den Aufbau einer eigenständig tragfähigen selbstständigen Existenz aus dem Blick.
  • Weiterhin soll ein auf Tragfähigkeit überprüfter Geschäftsplan Fördervoraussetzung sein. Ein aussagekräftiger Business-Plan führt dem Gründer die Chancen und Risiken seines Vorhabens klar vor Augen und bildet eine solide Basis für ein zielführendes Beratungsgespräch zum Gründungsvorhaben.
  • Die monatliche Förderhöhe soll sich am Arbeitslosengeld I orientieren und während der Förderdauer abnehmen.
  • Das Instrument soll keine Pflichtleistung mehr sein. So kann sich die Förderung stärker an den Aussichten des Geschäftsvorhabens und an den unternehmerischen Qualitäten der Gründerperson orientieren.Entsprechende Überlegungen der Bundesagentur für Arbeit entsprechen einer langjährigen Forderung des DIHK.

Hintergrund für die Vorschläge sind Erfahrungen der Industrie- und Handelskammern aus jährlich mehr als 400.000 Gesprächen mit Existenzgründern. Vor allem bei arbeitslosen Gründern beobachten die IHKs eine wachsende Subventionsmentalität. Viele Ich-AG-Gründer haben eher den Zuschuss im Blick als den Business-Plan. "Fast die Hälfte der arbeitslosen Gründer kann nicht hinreichend erklären, warum das eigene Produkt besser sein soll als das Angebot der Konkurrenz. Dies sind denkbar schlechte Voraussetzungen für den Start", erklärte Wansleben zu Ergebnissen des aktuellen Gründerreports des DIHK.

Nach den IHK-Erfahrungen sind die meisten Gründungen derzeit eher aus Not als aus unternehmerischem Antrieb geboren. 71 Prozent aller Gründungsinteressierten gaben in der IHK-Gründungsberatung im Jahr 2004 Arbeitslosigkeit als Hauptmotiv zur Gründung an. Im Vorjahr betrug dieser Anteil 56 Prozent. Bei einem bundesweiten IHK-Telefonsprechtag für arbeitslose Gründungsinteressierte im Herbst 2004 dominierte bei 90 Prozent der insgesamt 2.100 Anrufer das Interesse an Förderzuschüssen. Viel häufiger als früher müssen IHKs vor dem unüberlegten Schritt in die Selbstständigkeit warnen. "Dass im ersten Halbjahr diesen Jahres 10 Prozent mehr Kleinbetriebe aufgeben mussten als im ersten Halbjahr vergangenen Jahres, ist auch Folge der verfehlten Ich-AG-Förderung", betonte Wansleben mit Blick auf die aktuelle Statistik der Gewerbeanzeigen des Statistischen Bundesamtes.

Insgesamt erörterten im vergangenen Jahr 82.601 Teilnehmer ihr Geschäftskonzept mit einem IHK-Existenzgründungsberater. Zudem informierten die IHKs Gründer in 323.500 Einstiegsgesprächen und Seminaren mit 29.111 Teilnehmern zu Grundaspekten der Selbstständigkeit.

Anlage:

Gründerreport 2005 (im .pdf-Format).


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