GEW Bayern fordert Rehabilitierung Haydar Isiks

Der kurdische Schriftsteller und langjährige Lehrer an einer Münchner Realschule Haydar Isik (71), seit 1984 deutscher Staatsbürger und seit 30 Jahren aktives Mitglied der GEW Oberbayern, wird wegen seines unbeirrbaren Engagements für die Rechte der Kurden in ihren Herkunftsländern wie in Deutschland vom bayerischen Staatsschutz und vom türkischen Staat verfolgt. Haydar Isik setzt sich für die kulturelle Autonomie der Kurden in der Türkei ein; er klagt brutale Gewalt der türkischen Armee gegen Kurden an und informiert in seinen Romanen und in vielen Aufsätzen über das öffentlich noch wenig beachtete Massaker an zehntausenden Kurden in Dersim (türk. Tunceli) 1937/38.

27.03.2009 Pressemeldung GEW Bayern

Offenbar sieht ihn die türkische Regierung deshalb als Staatsfeind; sie begehrte am 17. 6. 2008 mit einem Interpol-Haftbefehl an das BKA in Wiesbaden seine Auslieferung in die Türkei, wo ihm als angeblichem Führungsmitglied einer terroristischen Organisation bis zu 15 Jahre Haft drohen.

Kollege Isik nahm an der Gründung des "Volkskongresses Kurdistan" (KONGRA-GEL) teil, sieht diesen aber entgegen der späteren staatlichen Zuordnung nicht als Fortsetzung der PKK unter neuem Namen, sondern als eigenständige neue Organisation, die sich ausdrücklich dem gewaltlosen Einsatz für die volle Anerkennung der kurdischen Identität in der Türkei verpflichtete.

Nichtsdestoweniger wurde Haydar Isik am 6. Juli 2007 an seinem Wohnort, wo er seit 30 Jahren mit seiner Familie lebt, von 12 Einsatzkräften, z.T. in Kampfanzügen, überfallen und nach vierstündiger Hausdurchsuchung zwölf Tage unter dem Vorwand, den bewaffneten Kampf der Kurden unterstützt zu haben, inhaftiert. Die Anklageschrift der Münchner Staatsanwaltschaft, auf die er bis zum 09. 12. 2008 warten musste, wirft ihm in befremdlicher Gleichsinnigkeit mit den türkischen Behörden vor, er sei "in München bereits seit Jahren als PKK-Funktionär bekannt", muss freilich mangels entsprechender Beweise einschränken: "im Hintergrund quasi als ´graue Eminenz´ ...". Vor allem legt sie ihm "die finanzielle Unterstützung der PKK durch das Eintreiben von Spenden und den Verkauf von PKK-Propagandamaterial" zur Last.

Kollege Isik hat tatsächlich seit langem Geld für Projekte in kurdischen Gebieten gesammelt, großenteils im Rahmen der GEW: für Straßenkinder in Dyarbakir, drei Schulen im Nordirak (Projekt "Dibistan" der GEW 1991/92), Schulkinder im irakisch-kurdischen Etrus-Lager, die dorthin vor Militäreinsätzen fliehen mussten, für eine Straßenbaumaschine in seiner Heimatstadt Dersim, ein Jugendkulturzentrum dort und ein vierstöckiges Haus ebenfalls in Dersim, in dem Frauen für eine Bäckerei, ein Cafe, ein Restaurant und einen Lesesaal die Verwaltung, die Produktion und den Verkauf übernehmen.

Dies sollte den bayerischen Ermittlern eigentlich bekannt sein, da nicht nur Haydar Isik im Rahmen seiner Aktivitäten mehrmals Kontakt mit der Stadt München aufnahm, sondern die Bürgermeisterin von Dersim anlässlich einer Spendenübergabe für das Jugendkulturzentrum auch von OB Ude empfangen wurde. Stattdessen wurde dem Kollegen Haydar vorgeworfen, er habe mit seinen Sammlungen für Dersim eine Hochburg der PKK unterstützt.

Die GEW Bayern sieht keinen Grund, an Haydar Isiks friedlichen Absichten zu zweifeln; sein Engagement sollte vielmehr von einem Staat, der sich den Werten der Demokratie und der Humanität verpflichtet weiß, geehrt werden. Die GEW protestiert daher scharf gegen seine Beschädigung durch pauschale Verdächtigungen und fordert seine rasche Rehabilitierung.

Die Umstände der Verfolgung des Kollegen Isik veranlassen darüber hinaus die Forderung, die pauschale Kriminalisierung kurdischer Organisationen wie KONGRA-GEL zu beenden und sich sachlich und differenziert mit ihnen auseinanderzusetzen.

Nach Haydar Isiks Überzeugung wäre der Konflikt zwischen Kurden in der Türkei und der türkischen Regierung wesentlich entschärft, sobald die kurdische Sprache als eine reguläre Unterrichtssprache eingeführt und die kurdische Identität vom Staat anerkannt würde. Als Bildungsgewerkschaft und in demokratischer Solidarität fordert daher die GEW die Bundesregierung auf, sich nach Kräften für eine solche Entwicklung einzusetzen.

Ansprechpartner

GEW Bayern

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