Gute Bildungspolitik ist keine Parteipolitik

"Bevor im kommenden Jahr die Zeichen auf Wahlkampf stehen, dessen zentrales Kennzeichen ja bekanntlich nicht die sachliche Debatte ist, besteht vielleicht noch die Chance, in der Politik ein wenig sachlich orientiertes Wahrnehmungsvermögen zu erhaschen", hofft der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann. "Deshalb formuliert der VBE jetzt fünf Wünsche für das kommende Jahr."

26.12.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

  1. Lehrerinnen und Lehrer tragen Reformen gerne mit, wenn sie durchdacht sind und nachhaltig Verbesserungen bringen. Ungehalten wird die Lehrerschaft, wenn das dritte, vierte und fünfte Projekt angeleiert wird, ohne dass die Wirkungen des ersten und zweiten überprüft werden konnten. Wir wünschen uns für das neue Jahr eine Abkehr von der in der Politik beliebten Projekthysterie und eine Hinwendung zu einer realistischen Einschätzung dessen, was Schule und Lehrkräfte leisten können. Für das kommende Jahr steht auf dem Wunschzettel des VBE ganz oben, dass den Schulen die Zeit gegeben wird, die von der Politik in die Wege geleiteten Neuerungen auch umsetzen und ihre Wirkung überprüfen zu können.

  2. Alle Schulen in NRW sind seit dem 1. August 2006 eigenverantwortliche Schulen, und das ist auch gut so. Der VBE wünscht sich allerdings, dass diese Eigenverantwortung auch ernst genommen wird. Schulen und Schulträger brauchen wesentlich mehr Freiheit, als das Schulgesetz ihnen zugesteht. Zentrale Steuerung und starre Vorgaben sollten im ausklingenden Jahr zurückgelassen werden.

  3. Im kommenden Jahr beginnt eine lange Wahlkampfphase. Der VBE wünscht sich, dass die Bildungspolitik in dieser Phase nicht in parteipolitischen Grabenkämpfen erstickt, die lediglich der Organisation von Wählerstimmen, nicht aber der Sache dienen. Hier wäre von Finnland zu lernen, wo in Zeiten der großen Schulreform die Bildungspolitik bewusst aus dem Wahlkampf herausgehalten wurde.

  4. Ein zentraler Wunsch für das kommende Jahr ist auch, dass die Lehrerinnen und Lehrer als Umsetzer von Veränderungen nicht vergessen werden. Letzten Endes steht und fällt der Erfolg einer Schule mit dem Einsatz ihrer Lehrkräfte. Lehrerinnen und Lehrer wünschen sich, dass ihre Leistungen anerkannt werden. Die ideelle Anerkennung ist dabei wichtig, aber nicht alles. Viele Firmen setzen auf finanzielle Anreize, um die Motivation ihrer Mitarbeiter zu erhalten bzw. zu steigern. Dies sollte sich das Land zum Vorbild nehmen.

    An Grund-, Haupt- und Förderschulen gibt es so gut wie keine Beförderungsmöglichkeiten für Lehrkräfte. Diese Möglichkeiten zu schaffen, ist Aufgabe des Arbeitgebers. Der Beginn eines neuen Jahres könnte dafür ein schöner Anlass sein.

  5. Der VBE wünscht sich, dass die Landesregierung und die Mehrheitsfraktion sich für eine sachliche Debatte über schulstrukturelle Fragen öffnen. Die Debatte wird so oder so geführt – von den kommunalen Spitzenorganisationen ebenso wie von Eltern-, Schüler- und Lehrerorganisationen, Kirchen, Gewerkschaften, Parteien, Wissenschaftlern und Teilen der Wirtschaft. Sie lässt sich nicht aufhalten, indem man sie ausblendet.

"Um in all diesen Fragen einem gesellschaftlichen Konsens zumindest nahe zu kommen, fordert der VBE den Ministerpräsidenten noch einmal auf, eine ständige nordrhein-westfälische Bildungskonferenz einzurichten", so der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann. "Sie wäre ein erster Schritt zur Verwirklichung des Mottos, das Rainer Domisch einmal ausgegeben hat: Gute Bildungspolitik ist keine Parteipolitik."


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