Baden-Württemberg

Landesregierung und Wirtschaftsverbände verabschieden Memorandum zum Ehrenamt

Vertreter aus der Wirtschaft, des Kultusministeriums und des Wirtschaftsministeriums unterzeichneten heute (17. September) stellvertretend für die Personalverantwortlichen der verschiedenen Wirtschaftsbereiche und des öffentlichen Dienstes ein Memorandum zum Ehrenamt. "Damit wollen wir Impulse setzen für eine bessere Vereinbarkeit von bürgerschaftlichem Engagement und beruflichen Verpflichtungen im Arbeitsalltag. Denn wenn Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber aus Industrie, Handel, Dienstleistungen, Handwerk und öffentlichem Dienst ehrenamtlich engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen und fördern, profitieren davon alle gleichermaßen - Gesellschaft, Unternehmen und Ehrenamtliche selbst. Eine starke Partnerschaft zwischen Wirtschaft und Ehrenamt fördert bürgerschaftliches Engagement und unterstützt die Gesellschaft", erklärte der Ehrenamtsbeauftragte der Landesregierung, Georg Wacker MdL.

17.09.2010 Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Die Unterzeichner Vize-Präsident Helmut Althammer vom Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag, Marion Johannsen, Geschäftsführerin der Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände e. V. – Arbeitgeber Baden-Württemberg, Joachim Möhrle, der Präsident des Baden-Württembergischen Handwerkstags, Wirtschaftsminister Ernst Pfister MdL sowie Kultusstaatssekretär Georg Wacker sind sich einig: "Unsere Gesellschaft braucht Männer und Frauen, die sich persönlich einbringen. Die Wirtschaft in Baden-Württemberg versteht es, große Arbeitsleistung, hohes Engagement und Innovation erfolgreich miteinander zu verbinden. Ehrenamtlicher Einsatz macht aus Baden-Württemberg ein Land, das menschliche Wärme und Solidarität ausstrahlt. Gleichzeitig steigern die freiwillig Aktiven die Wirtschaftskraft spürbar."

Wesentliche Inhalte der freiwilligen Selbstverpflichtung sind Ziele zum Ehrenamt, die als Handlungsempfehlungen an die Mitglieder des jeweiligen Verbandes durch deren Vorstände übergeben werden. Darunter findet sich beispielsweise das Bekenntnis zur Vorbildfunktion der Unternehmen. Immer mehr Betriebe und Dienstleister engagieren sich im Rahmen des bürgerschaftlichen Engagements der Wirtschaft für das Gemeinwohl ("Corporate Citizenship"). Nach einer Studie des Sozialministeriums sind 85 Prozent der baden-württembergischen Unternehmen bürgerschaftlich aktiv. "In vielfältiger Weise investieren sie in verschiedenen Bereichen Zeit, Wissen, Arbeitsleistung und Kapital. Die Unternehmen zeigen sich dadurch auf eine besondere Art solidarisch, was sich auch nach innen auswirkt. Sie schaffen mehr Teamfähigkeit, soziale Kompetenz und Zusammengehörigkeitsgefühl bei ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern", so Wacker.

Wirtschaftsminister Ernst Pfister MdL unterstrich seine Unterstützung für die Initiative Ehrenamt und Wirtschaft. "Ich danke auch den baden-württembergischen Unternehmen, die bereits heute ein großes Maß an gesellschaftlicher Verantwortung zeigen. In vielen Fällen bilden sie mit ihrem freiwilligen gesellschaftlichen Engagement einen wesentlichen Teil der Bürgergesellschaft auf lokaler und regionaler Ebene. Die Initiative Ehrenamt und Wirtschaft ist neben dem vom Wirtschaftsministerium gemeinsam mit der Caritas veranstalteten Mittelstandspreis für soziale Verantwortung ein weiterer Beleg dafür, dass Baden-Württemberg das Land des freiwilligen gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen ist", sagte Pfister.

Vize-Präsident Helmut Althammer vom Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag charakterisierte das Engagement im Ehrenamt als praktizierten, am Gemeinwohl orientierten Bürgersinn. "Deshalb kann der Wert und die Wertschätzung des Ehrenamts für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft nicht hoch genug angesiedelt werden. Insbesondere in den Unternehmen sollten deshalb entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden, die ehrenamtliche Tätigkeiten ermöglichen beziehungsweise fördern und schließlich auch honorieren. Als IHK-Organisation wollen wir mit gutem Beispiel vorangehen und auf breiter Basis dafür werben", so Althammer.

Marion Johannsen, Geschäftsführerin der Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände e. V. – Arbeitgeber Baden-Württemberg, erklärte dazu, dass "in der Arbeitswelt unserer Unternehmen junge Menschen dann besonders glaubwürdig sind, wenn sie neben ihren fachlichen Fähigkeiten auch mit ihrer ganzen Persönlichkeit überzeugen. Wir erleben immer wieder, dass dies vor allem jenen gelingt, die sich ehrenamtlich engagieren. Denn Arbeit im Ehrenamt ist immer auch Arbeit an der eigenen Persönlichkeitsentwicklung. Junge Menschen zeigen hier hohen Einsatz und Belastbarkeit, beweisen schon früh ein hohes Maß von Verantwortungsbereitschaft, entwickeln bereits Führungsqualitäten und gewinnen so an umfassender sozialer Kompetenz. Dies alles sind wertvolle Qualifikationen für ein erfolgreiches Berufsleben. Davon profitieren auch unsere Betriebe."

Joachim Möhrle, der Präsident des Baden-Württembergischen Handwerkstags zeigte sich davon überzeugt, dass "kein anderer Wirtschaftsbereich so stark von seinen ehrenamtlichen Strukturen geprägt wird wie das Handwerk. Es lebt von Menschen, die bereit sind, anzupacken, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen – im Betrieb ebenso wie innerhalb der Handwerksorganisationen. Gleichzeitig engagieren sich viele Handwerker in Vereinen oder werden für ihren Einsatz bei Hilfsorganisationen wie THW oder Deutschem Roten Kreuz von ihren Betrieben freigestellt. Ein Ehrenamt zeigt: Da bringt einer Erfahrung im Umgang mit Menschen mit, hat Freude am Mitgestalten und einem fairen Miteinander. Das sind soziale Kompetenzen, die mehr und mehr von den Arbeitgebern geschätzt und gefördert werden."

Ergänzend zum Memorandum wurde der neue Flyer "Kompetent im Ehrenamt & Erfolgreich im Beruf" der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Flyer soll zur Bekanntmachung des Gemeinschaftsprojekts von Wirtschaft und Politik beitragen und wird vom Landesbüro Ehrenamt im Kultusministerium allen interessierten Unternehmen im Land zur Verfügung gestellt.

Als eines der Best-Practice-Beispiele aus dem Bereich "Wirtschaft und Ehrenamt" wurde die Bildungspartnerschaft zwischen der Stuttgarter CreditPlus Bank AG und der Friedensschule Stuttgart, einer sozialen Brennpunktschule, in einem kurzen Film präsentiert. Vom Auszubildenden bis zum Vorstand gestalten CreditPlus-Beschäftigte Schulstunden zum richtigen Umgang mit Geld an der Friedensschule. In dem dreiteiligen Projekt lernen die Schüler zuerst das Aufstellen eines Haushaltsplanes, das Ausfüllen von Überweisungen und das Kreditwesen inklusive Schufa kennen. Im zweiten Teil geben die Bank-Auszubildenden den Schülerinnen und Schülern Tipps für Bewerbungen und den Berufseinstieg. Im dritten Modul besuchen interessierte Schülerinnen und Schüler die CreditPlus-Beschäftigten und blicken hinter die Kulissen eines Kreditinstituts. "Von dem Projekt profitieren sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens. Lernen die einen mit ihrem Taschengeld bzw. ihren Einnahmen aus Ferienjobs richtig hauszuhalten, üben die anderen komplizierte Sachverhalte verständlich zu vermitteln und dadurch ihre Fachkompetenzen in einen anderen gesellschaftlichen Zusammenhang zu bringen", sagte Wacker. Die CreditPlus Bank AG war 2008 Preisträger des Mittelstandspreises für soziale Verantwortung in Baden-Württemberg in der Größenkategorie 150 bis 500 Beschäftigte.

Zur Information an die Redaktionen:
Bilder zur Veranstaltung, Film, Flyer und Memorandum "Wirtschaft & Ehrenamt" finden Sie in Kürze im Ehrenamtsportal unter www.ehrenamt-bw.de in der Rubrik "Ehrenamt AKTIV > Best-Practice-Infos > Arbeitswelt".

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