Bayern

Mit bester Bildung der steigenden Armut begegnen

In einer gemeinsamen Presserklärung haben sich die Landesvorsitzende der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), Brigitte Rüb-Hering, und der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, dafür ausgesprochen, der wachsenden Armut in Deutschland und Bayern mit bester Bildung zu begegnen. Vor allem müsse die durch das starre Schulsystem zementierte Reproduktion von Armut durchbrochen werden, sagten beide heute in München.

15.11.2010 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

Sie bemängelten, dass in Bayern zu viele Heranwachsende ausgegrenzt würden. "Unsere Bildungseinrichtungen sortieren zu viel und integrieren zu wenig." Gleichzeitig sei der Bedarf an qualifizierten Fachkräften immens. Notwendig sei es, "künftig jeden einzelnen intensiv zu fördern und gleichzeitig möglichst viele fit für den modernen Arbeitsmarkt zu machen." Junge Menschen hätten ein Recht auf Teilhabe, faire Chancen und berufliche Perspektiven - unabhängig von ihrer Herkunft und ihrer finanziellen Situation."

Obwohl längst bekannt sei, dass arme Kinder die Bildungsverlierer schlechthin seien, werde immer noch viel zu wenig zur Lösung des Problems unternommen. In Bayern sei der Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungsbeteiligung nach wie vor besonders groß. Wenzel: "Kinder aus wohlhabenden Familien haben eine fast siebenmal höhere Chance, ein Gymnasium zu besuchen als andere." Es gebe junge Menschen, die alle Möglichkeiten hätten, gleichzeitig steige aber die Zahl derjenigen, die diese Möglichkeiten aus finanziellen Gründen nicht nutzen könnten. "Die Gesellschaft zerfällt nicht nur in Reiche und Arme, sondern auch in Gebildete und Ungebildete", erklärten er und Rüb-Hering. "Ich habe sogar den Eindruck, dass es von Jahr zu Jahr extremer wird", betonte die KAB -Landesvorsitzende.

Während es auf der einen Seite immer mehr Familien gibt, die in Armut abrutschen, erhalten auf der anderen Seite immer mehr Kinder bereits während ihrer Grundschulzeit Nachhilfe, um den Übertritt auf ein Gymnasium oder eine Realschule zu schaffen. "Es liegt auf der Hand, dass Familien mit wenig Geld ihren Kindern diesen fragwürdigen Zusatzunterricht nicht bieten können und sie deshalb auch den Übertritt nicht schaffen." Auch dies vergrößere die Kluft zwischen denjenigen, die an Bildung partizipieren können und jenen, die davon abgekoppelt werden." Wenzel stellte dazu fest: "Hier werden bereits sehr früh Ausgrenzungsmechanismen in Gang gesetzt, die Jahre später dazu führen, dass tausende junger Menschen in prekäre Arbeitsverhältnisse oder Sozialsysteme abrutschen. Verantwortungsvolle Schul- und Bildungspolitik muss genau hier ansetzen und allen Kindern möglichst lange möglichst viele Perspektiven eröffnen."

Stattdessen setzt sich die private Subventionierung von Förderunterricht an den Gymnasien und Realschulen fort. "Eltern sind gezwungen, viele Jahre lang tief in Tasche zu greifen, um ihren Kindern beste Bildung zu ermöglichen", beklagte Rüb -Hering. "Sie müssen auf diese Weise Versäumnisse der Politik finanzieren."

Die KAB -Landesvorsitzende und Wenzel forderten mehr Gerechtigkeit im bayerischen Bildungssystem. "Alle Kinder und Jugendliche müssen künftig so umfassend gefördert werden, dass private Nachhilfe überflüssig wird. Jedes Kind hat einen Anspruch auf beste Bildung und zwar unabhängig vom Einkommen der Eltern." Eine große Bedeutung komme Kinderkrippen und Kindergärten zu. Die Grundlagen für den Bildungserfolg würden schließlich in den ersten acht Lebensjahren gelegt.

"Wir brauchen auch vermehrt Unterrichtsinhalte, die armutsspezifische Probleme aufgreifen, z.B. im Bereich Gesundheitserziehung, Ernährung, Freizeitgestaltung oder Berufsorientierung. Denn die Folgen von Armut betreffen nicht nur den Bereich Bildung. Viele arme Kinder sind kränker als Kinder aus wohlhabenden Familien, sie werden zudem ungesünder ernährt, sie haben vielfach psychische Störungen und wachsen oft in einer wenig ansprechenden Umgebung auf. Ihr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl leiden, sie müssen deshalb auch professionell gestärkt und gefestigt werden", betonten Rüb-Hering und Wenzel. w

Die KAB und der BLLV beschäftigen sich auf einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem Thema:

"Armut verhindert Bildung - Bildung verhindert Armut"
am Dienstag, den 16. November 2010, 19.30 Uhr, in München,
St. Michael, Berg am Laim, Pfarrsaal Baumkirchnerstraße 26.

Sie sind herzlich dazu eingeladen.


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