Neuer Glanz für historische Räume

"Mit dem heutigen Tag wird eine insgesamt fast 25 Jahre dauernde Sanierungsphase des Klosters sehr erfolgreich abgeschlossen. In dieser Zeit hat das Land Hessen als Eigentümer für mehr als 25 Millionen Euro alle Hauptgebäude, den Garten und die Außenanlagen nach und nach instand gesetzt." Das hat der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, bei der Wiedereröffnung der Prälatur der ehemaligen Benediktinerabtei Seligenstadt hervorgehoben. Das bauliche Ensemble suche mit dem ebenfalls restrukturierten beeindruckenden Klostergarten in seiner Geschlossenheit und Qualität in der Rhein-Main-Region seinesgleichen. Zusammen mit dem vom Kreis Offenbach betriebenen Landschaftsmuseum, das einen Teil des Konventgebäudes nutze, sei hier ein außerordentlich attraktiver kultureller Anziehungspunkt in der Region entstanden. Udo Corts: "Die Abtei Seligenstadt ist ein überzeugendes Beispiel dafür, dass Investitionen in den Denkmalschutz, in Erhalt oder Wiederherstellung, kein Luxus sind. Die eingesetzten Mittel rentieren sich vielmehr doppelt: Durch eine höhere touristische Anziehungskraft steigt die Wirtschaftsleistung und die Stadt profitiert überdies von einem nicht zu unterschätzenden Imagegewinn." Insofern sei dies gut angelegtes Geld in die Infrastruktur der Region.

16.05.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

2001 war mit der Sanierung der Prälatur begonnen worden, die allein einen Gesamtinvestitionsaufwand von 5,9 Millionen Euro erforderte. Derzeit würden mit der Orangerie und der Remise noch zwei Nebengebäude restauriert, die für das Ensemble wichtige Funktionen hätten. Die Orangerie, eine seltene Konstruktion des frühen 18. Jahrhunderts mit auskragendem Dach, wird als Überwinterungsgebäude für exotische, teilweise mehr als 250 Jahre alte Kübelpflanzen genutzt, die in der warmen Jahreszeit den Klostergarten schmücken.

Die Remise wird künftig den Klosterladen und bisher nicht vorhandene Toiletten aufnehmen. Eine besondere Attraktion wird der Holzbackofen sein, in dem donnerstags und zu besonderen Anlässen das Klosterbrot gebacken und anschließend frisch verkauft wird. Die Restaurierung dieser beiden Gebäude mit einem Investitionsaufwand von 600.000 Euro soll im Frühjahr 2008 abgeschlossen werden. Die Abts-Prälatur, nach der Klosterkirche das stattlichste Gebäude der Abtei, wurde 1699 errichtet und diente dem jeweiligen Abt, der als Prälat auch weltliche Verpflichtungen wahrnahm, als Amtssitz und Wohnung sowie als Gästehaus. Die Prälatur liegt daher außerhalb des von der Außenwelt abgeschiedenen Bereichs der Klausur und beherbergte die seinerzeit repräsentativsten Räume der Abtei: Ein prachtvoll ausgestattetes Kaiserappartement in der Belétage und die etwas schlichteren Wohnräume des Abts im Erdgeschoß. Beide Wohnungen besaßen einen Fest- beziehungsweise Empfangssaal. Hier hielt der Abt als geistliches Oberhaupt des Klosters und weltlicher Würdenträger Hof.

1711 statteten Kaiser Karl VI. und 1792 der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Franz II., vor ihren Krönungen in Frankfurt der Abtei einen Besuch ab und wurden in der Prälatur empfangen. Lothar Franz von Schönborn, Reichserzkanzler und mächtiger Fürstbischof von Mainz, hielt sich gern zur Jagd in Seligenstadt auf und wohnte mit seinem Gefolge abwechselnd in der Prälatur oder in der Wasserburg.

Nur etwa 100 Jahre wurde die Prälatur abteilich, jedoch fast 200 Jahre weltlich genutzt. Dennoch entschied sich die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen für einen behutsamen und außerordentlich sorgfältigen Rückbau der nach der Säkularisierung vorgenommenen Einbauten und eine rekonstruierende Präsentation der Raumfunktionen des 18. Jahrhunderts. Um eine möglichst authentische Rekonstruktion zu erzielen, informierten sich die Mitarbeiter unter anderem in den von der Säkularisierung verschonten Donauklöstern in Österreich. Das barocke bis frühklassizistische Mobiliar stammt zumeist aus dem Fundus der Verwaltung Schlösser und Gärten; seidene Wandbespannungen wurden nach historischem Befund nachgewebt.


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