Olbertz vergibt Stiftungsprofessur für Simultanarchäologie

Am Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege in Halle wird in Zusammenarbeit mit der Universität und den Stadtwerken der Saalestadt eine Professur für Simultangrabungen eingerichtet. Das archäologische Fachgebiet beschäftigt sich mit erst kürzlich verloren gegangenen Gegenständen des täglichen Gebrauchs. "Die Simultanarchäologie verfolgt das gegenläufige Paradigma der klassischen Archäologie, indem sie den Zeitraum zwischen der Deponierung oder dem Verlust einer Sache und ihrem Wiederauffinden so kurz wie möglich hält", erläuterte Dr. Harald Meller die Disziplin. "Diese Funde sind sehr bedeutsam, denn sie geben uns Auskunft über die Gegenwart", so Kultusminister Prof. Dr. Olbertz.

01.04.2009 Pressemeldung Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt

Ausgangspunkt für das Entstehen der jungen Disziplin war 1930 der Fund einer Waschtasche von Walter Gropius im Garten der Dessauer Meisterhaussiedlung durch den Bauhausdirektor selbst. Er hatte den "Kulturbeutel" nach einer erst kürzlich entdeckten Tagebuchnotiz über mehrere Wochen vermisst. Die Tasche, deren Inhalt derzeit detailgetreu rekonstruiert wird, soll anlässlich der Wiedereröffnung des Hauses im Oktober 2010 ausgestellt werden. Sie enthält die Reste diverser Bad-Utensilien des Bauhausgründers, u.a. einen von Wassily Kandinsky entworfenen, später so bezeichneten Kandinsky-Kamm, einen von Marcel Breuer gestalteten Rasierpinsel (von Gropius liebevoll "Brinsel" genannt) sowie eine Seifen- oder Cremedose von László Moholy-Nagy.

Gropius selbst hatte den Fund zum Anlass genommen, die Einrichtung einer entsprechenden Arbeitsstelle am Bauhaus anzuregen, weil vor allem von Mitarbeitern der Werkstätten immer wieder wichtige Gebrauchsgegenstände verlegt wurden und auch er zunehmend nach vermissten Dingen suchte.

"Für die Universität und das Landesamt ist die Einrichtung der Professur zugleich eine wichtige Einnahmequelle," so Olbertz. "Ab sofort können Zielgrabungen nach vermissten Gegenständen beantragt werden, die nach sorgfältiger wissenschaftlicher Vorbereitung von einem spezialisierten Grabungsteam durchgeführt werden." Um die Antragsflut einzudämmen, müsse allerdings zwischen dem Verlust der Sache und Grabungsantrag ein Zeitraum von mindestens drei Monaten liegen, teilte das Landesamt mit.

Der erste Inhaber der Stiftungsprofessur wird morgen, am 1. April, in sein Amt eingeführt.


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