Rauchen rückläufig - Computersucht auf dem Vormarsch

Der Drogenbericht 2009 zeigt eine gemischte Bilanz: Jugendlichen rauchen weniger. Aber das "Koma-Trinken" bleibt ein ernstes Problem. Zu den bekannten Suchtproblemen gesellen sich neue hinzu: Online- und Computersucht sind im Kommen.

04.05.2009 Pressemeldung Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

"Wir haben viel erreicht", erklärte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, in Berlin. Die Drogen- und Suchtpolitik der Bundesregierung zeigt Erfolge: So ist der Konsum von Tabak und Alkohol bei Jugendlichen insgesamt zurückgegangen. Im Jahr 2001 rauchten noch 28 Prozent der Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren. 2008 waren es nur noch 15,4 Prozent.

Im selben Zeitraum ist der Anteil derjenigen, die wöchentlich mindestens einmal Alkohol getrunken haben von durchschnittlich 21,2 auf 17, 4 Prozent zurückgegangen. Auch der Cannabis-Konsum hat abgenommen.

Erfolge gegen Tabak und Alkoholsucht

Die insgesamt rückläufigen Trends sind wichtige Ergebnisse der Drogen- und Suchtpolitik der vergangenen Jahre, betonte Bätzing. Die Bundesregierung habe richtig gehandelt, indem sie die Kinder und Jugendlichen in den Mittelpunkt gestellt habe. Die 2007 in Deutschland auf den Weg gebrachten Kampagnen zur Alkohol- und Tabakprävention können eine gute Bilanz vorweisen.

Deutschland bei Suchtbekämpfung gut aufgestellt

Die Erfolge sind eine Gemeinschaftsleistung. Sie sind durch die enge Zusammenarbeit zwischen der Bundesregierung, den Institutionen in den Länden und Kommunen entstanden. "Allen Beteiligten" gebührt ausdrücklich "Dank", sagte die Drogenbeauftragte.

Zukünftig muss weiter mit Nachdruck daran gearbeitet werden, dass der Drogenkonsum zurückgeht. Dabei will die Drogenbeauftragte auf das "bewährte vier Säulenmodell der Sucht- und Drogenpolitik setzen: Prävention - Beratung, Behandlung und Rehabilitation - Überlebenshilfe und Schadensreduzierung - Regulierung und Angebotsreduzierung."

Koma-Trinken bleibt ein ernsthaftes Problem

Rückläufige Trends seien aber "kein Grund zur Entwarnung", sagte Bätzing. So sei das so genannte Koma-Trinken weiter besorgniserregend. Fast jeder zehnte Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren trinkt weiter viel zu viel Alkohol. Im Jahr 2007 wurden 23.165 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren wegen einer Alkoholvergiftung stationär im Krankenhaus behandelt. Dies ist der höchste Wert seit 2000 und bedeutet eine Zunahme um 143 Prozent.

Ein sehr ernstes Problem bleiben auch die illegalen Drogen. Der Konsum von Amphetaminen, Ecstasy, Kokain und Opiaten war 2008 stabil oder leicht abnehmend. Der erneute Anstieg der Drogentoten von 1394 (2007) auf 1.449 im vergangenen Jahr erfordert jedoch weitere Anstrengungen.

Neue Suchtbedrohung aus den virtuellen Welten

Neue Herausforderungen entstehen durch die Computerwelt. Die Politik muss sich auf "neue Süchte" einstellen. Der Besuch im Internet und der Zeitvertreib mit PC-Spielen gehören inzwischen zum Alltag.

Diese Entwicklung wird zu einer steigenden Zahl von Online- und Computerspielsüchtigen führen. Nach verschiedenen Studien gelten bereits heute drei bis sieben Prozent der Internetnutzer als 'onlinesüchtig'. Ebenso viele werden als stark suchtgefährdet eingestuft, erklärte Bätzing.

Im Blickpunkt steht dabei nicht nur das ausufernden Onlinespielen oder Chatten. Viel der 'Onlinesüchtigen', vernachlässigen durch exzessives Surfen oder Spielen auch Schule, Beruf und soziale Kontakte. Für sie müssen Hilfsangebote entwickelt werden.

Diese Angebote müssen sowohl für die Behandlung wie auch für die Prävention geeignet sein. Damit das Problem frühzeitig erkannt und behandelt werden kann, sind aktuelle und wissenschaftliche Erkenntnisse über die Online- und Computerspielsucht nötig.

Die diesjährige Jahrestagung der Bundesdrogenbeauftragten am 3. Juli werde daher der Frage gewidmet sein: "Internet und Computerspiele - wann beginnt die Sucht?"

Kontext:
Drogen- und Suchtbericht 2009


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