Thilo von Trotha erhält Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens
Wissenschaftsstaatssekretär Dr. Hans-Gerhard Husung hat Dr. Thilo von Trotha heute in Berlin das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht. In der Laudatio dankte Staatssekretär Husung Thilo von Trotha für sein langjähriges Engagement und seine herausragenden Verdienste zur Förderung einer lebendigen Diskussionskultur und damit der Demokratie in ganz Deutschland.
16.01.2009 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und ForschungThilo von Trotha verließ im Alter von fünfzehn Jahren Weimar und die DDR, in der ihm keine Gymnasialbildung zugestanden worden war. Nach Abitur in der Bundesrepublik Deutschland und Jurastudium trat von Trotha 1971 in den Dienst des damaligen Bundesministeriums für Städtebau und Wohnungswesen ein. Von 1972 bis 1980 war er für das Bundeskanzleramt als Redenschreiber des Bundeskanzlers Helmut Schmidt tätig und ist seitdem mit der Redekultur befasst. Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundeskanzleramt gründete er die Agentur Reden & Texte und schrieb von da an freiberuflich Reden für Persönlichkeiten aus Industrie, Wirtschaft und Politik sowie zu privaten Anlässen.
1990 war Thilo von Trotha in Weimar Mitgründer der Akademie für RedenSchreiben (ARS) Weimar. Mit dieser Akademie leistete er einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der demokratischen Kultur. Im ersten Jahr bot er den Bürgern den unentgeltlichen Besuch seiner Redeseminare an. Mehr als 100 Weimarer nahmen daran teil. Die zusätzlichen Kosten für die Raummiete trug er privat. Heute werden in der Akademie sogar Manager aus der Wirtschaft als auch Politiker ausgebildet.
Als Autor mehrerer Bücher über die Kunst des Redenschreibens initiierte Dr. von Trotha 1998 in Weimar Debattierclubs nach englischem Vorbild an vier Gymnasien. Ziel war es, Schülern den Umgang mit öffentlicher Rede als Lernstoff anzubieten und ihnen die Angst davor zu nehmen, selbst Reden zu halten. Geübt wurden das Argumentieren, das Debattieren und der Umgang mit freier Rede. Mit viel Geduld, Idealismus und mit eigenen finanziellen Mitteln weckte von Trotha das Interesse und die Begeisterung der Lehrer an dieser Art der Redeschulung. Auch die ersten Rhetorikwettbewerbe in Weimar wurden von von Trotha unterstützt und mitorganisiert und fanden deutschlandweit ein positives Echo in der Öffentlichkeit.
1998 gründete von Trotha in Bonn den Verband der Redenschreiber Deutscher Sprache (VRdS). Bis zum Jahr 2006 war er dessen Präsident - inzwischen ist er Ehrenpräsident des VRdS. Der Verband hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Redekultur zu fördern sowie einen Markt für das Redenschreiben im deutschsprachigen Raum aufzubauen. In dem Verband sind inzwischen rund 450 Redenschreiber aus Deutschland, Österreich und der Schweiz organisiert. Um sowohl Mitgliedern als auch anderen die Gelegenheit zu geben, ihre Fertigkeiten und ihr Verständnis für gute Rhetorik zu erweitern organisierte von Trotha eine Reihe von Fortbildungsseminaren für Redenschreiber. Dabei legt er in erster Linie Wert auf eine demokratische Redeweise, d. h. die eigene Meinung klar vertreten und die Meinung des anderen unbedingt zu respektieren.
Im Jahr 2001 entstanden auf seine Initiative die ersten Debattierclubs in Sachsen. Die Einrichtung von Jugend-Debattierwettbewerben aller sächsischen Schulen, die vom Landtag, dem Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) und dem Verein Dresden Heritage veranstaltet werden, ging ebenfalls auf Anregung von Trothas zurück. Auch der von der Hertie-Stiftung unterstützte bundesweite Wettbewerb Jugend debattiert entstand auf Grundlage der Idee von Thilo von Trotha.
Die Jugend-Debattierwettbewerbe sind stets gut besucht und finden ein begeistertes Echo in der Presse. Hierbei greifen Schülerinnen und Schüler kontroverse und argumentativ besondere herausfordernde Themen auf. Angesichts ihres toleranten Umgangs mit der gegnerischen Position bilden die Debattierclubs ein wichtiges Forum für eine sachliche Auseinandersetzung – mittlerweile debattieren die deutschen Schülerinnen und Schüler auch in internationalen Wettbewerben erfolgreich mit.
Staatssekretär Husung: "Wir freuen uns besonders, dass das letzte Bundesfinale von Jugend debattiert in Berlin stattfand und der Berliner Timm Dusemund im Finale die Jury überzeugen konnte. Der Bundespräsident selbst überreichte die Urkunden, wobei er hervorhob, dass sich in diesem Debattierclub junge Menschen engagieren, um verantwortlich von der eigenen Freiheit Gebrauch zu machen".
Gemeinsam mit der Humboldt-Universität zu Berlin und dem VRdS plant Thilo von Trotha, ein Zentrum für Rhetorik einzurichten. Dieses Zentrum soll eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung ermöglichen, in deren Rahmen erfahrene Praktiker angewandte Rhetorik unterrichten, Debattierclubs gegründet und Ringvorlesungen mit externen Sprechern angeboten werden. Das Zentrum für Rhetorik soll aus den Erträgen der im Jahr 2005 gegründeten Trotha-Stiftung Redekultur finanziert werden. Später soll sich hieraus ein Lehrstuhl für angewandte Rhetorik entwickeln. Von Trotha hält an der Humboldt-Universität unentgeltlich Vorlesungen. Außerdem engagiert sich von Trotha ehrenamtlich für die im Jahr 2007 an der Humboldt-Universität zu Berlin erstmals durchgeführte und sogleich sehr erfolgreiche Rhetorik-Sommerschule.
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