Girls´ Day

Trotz gestiegener Bildungsbeteiligung von Frauen noch immer "Frauenberufe" und "Männerberufe"

Im Jahr 2001 fand der erste Girls´ Day in Deutschland statt. Im Rahmen dieses Aktionstages bieten Unternehmen, Hochschulen und weitere Einrichtungen seitdem jedes Jahr Schülerinnen die Möglichkeit, erste Einblicke in Berufsfelder zu erlangen, in denen Frauen bislang eher unterrepräsentiert sind. Dies sind insbesondere technisch orientierte Berufe sowie Berufe in der Mathematik, der Informationstechnologe und in den Naturwissenschaften (sogenannte "MINT-Berufe").

24.04.2013 Pressemeldung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Der Girls´ Day verfolgt das Ziel, das mögliche Berufsspektrum der Mädchen zu erweitern und sie zu motivieren, sich für eine Ausbildung bzw. einen Beruf mit einer bislang vergleichsweise geringen Frauenquote zu entscheiden.

Ein Vergleich der beruflichen Bildungsabschlüsse von berufstätigen Frauen nach Altersgruppen verdeutlicht, dass baden-württembergische Frauen heute besser ausgebildet sind denn je. In 2011 gaben gut 22 Prozent der 25- bis 29-jährigen Frauen an, einen Fachhochschul- bzw. Hochschulabschluss oder eine Promotion erlangt zu haben. Bei älteren Frauen fällt der Akademikerinnenanteil geringer aus: In der Altersgruppe der 60 bis 64-Jährigen lag der Anteil der Frauen mit einem akademischen Abschluss im Jahr 2011 bei knapp 15 Prozent.

Während 23 Prozent der 60 bis 64-jährigen berufstätigen Frauen keinen beruflichen Bildungsabschluss (1) vorweisen konnten, fiel das Ergebnis bei den jungen Frauen positiver aus: knapp 15 Prozent der heute 25 bis 29-Jährigen sind ohne beruflichen Bildungsabschluss in die Erwerbstätigkeit gestartet.(2)

Trotz der deutlich gestiegenen Bildungsbeteiligung sowie gleicher Ausbildungs- bzw. Bildungsmöglichkeiten bestehen auch heute noch deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern auf dem Arbeitsmarkt. Diese liegen bereits in der geschlechtertypischen Wahl der Ausbildungsberufe sowie der Studienfächer begründet. Frauen entscheiden sich häufig für die Ausbildung in so genannten "Frauenberufen" sowie deutlich häufiger für ein Studium im Bereich der Sprach-, Kultur-und Sozialwissenschaften. Männer hingegen präferieren eher technische Ausbildungsberufe und die Ingenieurwissenschaften.

Ein Blick auf die von Männern und Frauen ausgeübten Berufe in Baden-Württemberg im Jahr 2011 bestätigt, dass sich Frauen bislang häufig für "typisch weibliche" Berufsfelder entscheiden. In Baden-Württemberg waren im Jahr 2011 nahezu die Hälfte der erwerbstätigen Frauen in den 5 Berufsgruppen Büroberufe, Gesundheits- und soziale Berufe, im Verkauf sowie im Reinigungs- und Entsorgungsbereich beschäftigt. Den am häufigsten ausgeübten Frauenberuf stellte im Jahr 2011 nach wie vor der Büroberuf dar, unter welchen Verwaltungsfachleute sowie büro- und kaufmännische Sachbearbeiter fallen (17 Prozent aller erwerbstätigen Frauen).

Auf Rang 2 folgten mit einem Anteil von knapp 11 Prozent Berufe im Gesundheitsbereich, zu denen u.a. die Berufe der Ärztin, Apothekerin und Krankenschwester sowie die Berufe Arzt-, Zahnarzt- und Tierarzthelferin gezählt werden. 8,4 Prozent der erwerbstätigen Frauen entschieden sich für Berufe im sozialen Bereich, gefolgt vom Verkaufspersonal (6,8 Prozent) sowie von Berufen in der Reinigung und Entsorgung (5,6 Prozent).

Bei den männlichen Erwerbstätigen hingegen zeigt sich eine stärkere Verteilung auf die verschiedenen Berufsgruppen. Zudem rangieren andere Berufe auf den vordersten Plätzen. Die 2011 von den baden-württembergischen Männern am häufigsten ausgeübten Berufe waren die der Unternehmensleitung und –beratung (7,5 Prozent). An zweiter Stelle rangierten die Ingenieure und Architekten mit einem Anteil an allen männlichen Erwerbstätigen in Höhe von 5,3 Prozent, gefolgt von den Rechnungskaufleuten und Informatikern (4,7 Prozent) auf Platz 3 und den Technikern (4,5 Prozent) auf Platz 4. An fünfter Stelle der häufigsten Männerberufe rangierten im Jahr 2011 die Berufe des Landverkehrs, also zum Beispiel Kraftfahrer, Lokführer und Taxifahrer (4,2 Prozent). Die Rangliste der 10 häufigsten Männerberufe wird überwiegend von technischen Berufen dominiert. Berufe im sozialen und Gesundheitsbereich befinden sich nicht darunter.

In den so genannten MINT-Berufen, deren Tätigkeitsprofil eher naturwissenschaftlich-technisch geprägt ist, sind Frauen stark unterrepräsentiert. Im Jahr 2011 arbeiteten in Baden-Württemberg insgesamt rund 560 000 Erwerbstätige in MINT-Berufen, davon waren 85 Prozent männlichen und nur 15 Prozent weiblichen Geschlechts. Die Zahl der Erwerbstätigen in MINT-Berufen ist in den vergangenen Jahren überproportional gestiegen. Während die Zahl der Erwerbstätigen insgesamt gegenüber dem Jahr 2000 um rund 12 Prozent angestiegen ist, fiel der Anstieg bei den MINT-Berufen mit einem Plus von 23 Prozent deutlicher aus. Von den guten Arbeitsmarktchancen im MINT-Bereich haben bislang jedoch verstärkt die Männer profitiert, deren Zahl gegenüber 2000 um rund 94 000 (+25 Prozent) gewachsen ist. Der Anstieg bei den Frauen fiel mit einem Plus von 11 000 bzw. 14 Prozent wesentlich geringer aus. Somit hat sich der Anteil der Frauen, die in MINT-Berufen arbeiten, gegenüber 2000 auch nicht erhöht. Sowohl im Jahr 2000 als auch im Jahr 2011 arbeiteteten jeweils nur 3 Prozent der berufstätigen Frauen in einem MINT-Beruf.

1) Einschl. Berufsvorbereitungsjahr, berufliches Praktikum, da durch diese keine berufsqualifizierenden Abschlüsse erreicht werden. 2) Bezogen auf weibliche Erwerbstätige mit Angaben zum beruflichen Bildungsabschluss.


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