VBE sieht viel zu wenig Männer in Kindergärten und Grundschulen
Die Frauenquote ist nun auch bei der CSU angekommen. In die Kindergärten und Schulen wünscht man sich dagegen mehr Männer - und bekommt sie nicht. Selbst eine Männerquote würde den Schulen nicht mehr männliche Lehrkräfte bescheren, weiß man beim Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, denn es studieren viel zu wenige Männer aufs Lehramt, wo im Grundschulbereich ein Frauenanteil von über 90 Prozent erreicht ist.
01.11.2010 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-WürttembergJungen gelten mittlerweile als die neuen Verlierer im Schulwesen. Sie sind überrepräsentiert bei den Sitzenbleibern und Schulabbrechern, bei den Sonderschülern und Schulschwänzern. Jungen lesen nicht nur schlechter als Mädchen, sondern mit deutlich weniger Begeisterung. Selbst beim Abitur bleiben die Jungen zahlenmäßig hinter den Mädchen zurück. Mütter von Jungen machen immer wieder die Erfahrung, dass ihre Söhne oft allein aufgrund des Geschlechts vom weiblichen pädagogischen Fachpersonal unterschwellig oder offen abgelehnt werden. "Zu laut, zu wild, zu störend, heißt es häufig", klagen diese Mütter. Männlichen Schülern werde mit Vorliebe vorgeworfen, dass sie gewünschte Eigenschaften wie Sauberkeit, Ordnungssinn, Angepasstheit, Fleiß und emotionale Intelligenz vermissen lassen, womit insbesondere Mädchen Pluspunkte bei Pädagoginnen sammeln.
Dem VBE liegt es fern, die qualifizierte Arbeit engagierter Lehrerinnen abzuwerten. Für eine stabile, emotionale Entwicklung der Kinder es ist aber in der Tat nicht von Vorteil, wenn sie vom Kindergarten an beinahe ausschließlich weibliche Bezugspersonen um sich haben und das männliche Element "als Gegenpart" Seltenheitswert besitzt. Kinder und Jugendliche aus patriarchalisch orientierten Kulturkreisen haben oft Probleme, eine Erzieherin oder Lehrerin als "Respektsperson" anzuerkennen, die Weisungen erteilen darf, und rebellieren entsprechend. Selbst Kindergartenkinder machen da erhebliche Schwierigkeiten und führen sich wie kleine "Paschas" auf.
"Für die Entwicklung der Kinder wäre es folglich gut, wenn die Zahl der Männer in Kindertagesstätten und Grundschulen deutlich höher läge als derzeit", wirbt der VBE-Vorsitzende Gerhard Brand. Der vergleichsweise geringe Verdienst und kaum vorhandene Aufstiegsmöglichkeiten sind nach Ansicht des VBE der Hauptgrund dafür, dass Erzieher(in) ein klassischer Frauenberuf geblieben ist. Als alleiniger Verdiener vom schmalen Erziehergehalt eine mehrköpfige Familie ernähren zu wollen, sei schon eine echte Herausforderung, betont der VBE-Chef. Männer haben deshalb in Kindertagesstätten Seltenheitswert. Abschreckend wirke ebenso, dass die Arbeit mit Kindern gesellschaftlich viel zu wenig Ansehen genieße. "Wer mehr Männer als `Kindergärtner´ oder Grundschullehrer gewinnen will, muss für ein anderes Image des Berufsbildes sorgen und bessere Arbeitsbedingungen anbieten", fordert Brand.
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