"Wichtige Zeugnisse einer jahrhundertealten Geschichte"

Historische Grabdenkmäler stellen nicht nur einen wichtigen Teil des kulturellen Erbes eines Landes dar, sondern erlauben zugleich der Kultur- und Kunstgeschichte, der Kirchen-, Sozial- und Landesgeschichte und weiteren Disziplinen unterschiedlichste Fragestellungen. Das gilt insbesondere für die jüdischen Friedhöfe, die häufig die einzigen noch sichtbaren Zeugnisse der einstmals reichen jüdischen Kultur nicht nur in Hessen sind. Für die jüdische Familienforschung haben die Grabsteine einen sehr hohen emotionalen Stellenwert. Zudem lassen sich in vielen Fällen die jüdischen Familien über Generationen anhand der Grabinschriften zurückverfolgen.

11.09.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

"Es ist wichtig, diesen Teil unserer Geschichte und damit unserer Identität überall präsent und in Erinnerung zu erhalten", sagte der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, heute im Wiesbadener Hauptstaatsarchiv bei der Vorstellung des neuen Moduls "Jüdische Friedhöfe in Hessen" im Landesgeschichtlichen Informationssystem Hessen (LAGIS). Da mit der Ermordung und Vertreibung der Juden während des Nationalsozialismus alle jüdischen Landgemeinden zerstört worden seien, seien Synagogen und Friedhöfe dieser Gemeinden heute oft die letzten erhaltenen Zeugnisse einer sich über viele hundert Jahre erstreckenden Historie.

Das Modul "Jüdische Friedhöfe in Hessen" ist ein Gemeinschaftsprojekt des Hessischen Landesamts für Geschichtliche Landeskunde (Marburg) und der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen (Wiesbaden) unter ihrer Vorsitzenden, Landtags-Vizepräsidentin Ruth Wagner. Grundlage bildet eine Dokumentation von rund 70 jüdischen Friedhöfen mit rund 17.000 Grabsteinen – in ganz Hessen sind trotz aller Zerstörungen und Verluste nahezu 350 jüdische Friedhöfe erhalten –, welche die Kommission seit 1983 erarbeitet hat. Die Finanzierung lag zunächst bei der Stiftung Volkswagenwerk; seit 1988 hat das Land hierfür rund eine Million Euro bereitgestellt.

In dem Inventarisierungsprojekt wurden die Grabsteine fotografiert, die hebräischen Inschriften von Fachkräften abgeschrieben und übersetzt. Schließlich hat man die Daten mit erhaltenen Sterberegistern abgeglichen und ergänzt. Von einigen Friedhöfen wurden Lagepläne angefertigt. Bearbeitet wurden vor allem die großen Sammelfriedhöfe wie Alsbach, Altengronau, Burghaun, Dieburg, Gelnhausen, Hanau, Kassel (Bettenhausen), Korbach, Michelstadt, Oberaula, Rotenburg an der Fulda, Wiesbaden (Schöne Aussicht) und Witzenhausen. Zu Alsbach, Hanau und demnächst auch Dieburg liegen entsprechende Publikationen vor.

In dem neuen Modul des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen wird jetzt eine erste Auswahl von 2.000 Grabsteinen mit ihren Inschriften aus 20 kleineren Friedhöfen online zugänglich gemacht. Die Datenbank wird laufend ergänzt. Damit werden die Ergebnisse des langjährigen Inventarisierungsprojekts auch für die wissenschaftliche Forschung verfügbar gemacht. Auch für die familiengeschichtlichen Forschungen der weltweit verstreut lebenden früheren jüdischen Bürgerinnen und Bürger aus Hessen stellt die neue Datenbank eine wichtige Quelle dar. Die neue Datenbank "Jüdische Friedhöfe in Hessen" ist im Internet zugänglich unter der Adresse www.lagis-hessen.de/juf.html


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