Zwei Dokumentationen auf DVD über Auschwitz
Als größtes nationalsozialistisches Konzentrations- und Vernichtungslager ist Auschwitz zur Chiffre für das nationalsozialistische Unterdrückungssystem insgesamt geworden. Von den etwa 2000 Konzentrations- und Arbeitslagern war es auch das größte, in dem Juden mit Gas ermordet wurden. Zwei filmische Dokumentationen, die seit neuestem bei der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Berlin auf zwei DVDs erhältlich sind, nähern sich diesem Thema aus verschiedenen Perspektiven.
23.08.2007 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und ForschungIn der Dokumentation Zeitabschnitte des Werner Bab – Dokumentation über den Holocaustüberlebenden Werner Bab,erzählt ein überlebender Zeitzeuge von seinen Jahren in Auschwitz.
Die zweite Dokumentation, Die Befreiung von Auschwitz (ein Film von Irmgard von zur Mühlen), beruht zu großen Teilen auf Originalaufnahmen, die unmittelbar während und nach der Befreiung des Lagers von sowjetischen Kameraleuten gedreht wurden.
Kurzinhalt der ersten DVD: Aus dem Wunsch des ehemaligen Auschwitz-Häftlings Werner Bab, sich für Gespräche mit Schulklassen als Zeitzeuge des Holocaust zur Verfügung zu stellen, wurde die Idee geboren, über ihn einen Dokumentarfilm zu erstellen, der als Einstieg in seine Zeitzeugengespräche vorgeführt werden kann. Im Hauptfilm der DVD erzählt Werner Bab, Jahrgang 1924, über seine Lebensjahre im Nationalsozialismus. Nachdem das Internat für jüdische Kinder in Stettin, das er bis 1938 besuchen konnte, geschlossen wurde, kehrte er nach Berlin zurück. Im Krieg in die Produktion von Kunstharz dienstverpflichtet, unternahm er aus Angst vor einer bevorstehenden Deportation 1942 einen Fluchtversuch über die Schweizer Grenze. Von der Gestapo verhaftet und in das Stammlager Auschwitz überstellt, begannen damit für ihn bis Kriegsende die Jahre in den Vernichtungslagern der Nazis.
Bab erzählt vom Leben im Stammlager Auschwitz, seinen ersten Eindrücken nach Ankunft und Quarantäne, den Prozeduren und Schindereien, denen er und die anderen Häftlinge ausgesetzt waren, beschreibt die "Stationen", die er im Lager durchlaufen hat, und welchen Zufällen und Fügungen er sein Überleben im Lager verdankt.
Als Teil des Häftlingskommandos Bauhof erlebte er die Vernichtungsstrategie der Nazis an den Juden durch Ausbeutung der Arbeitskraft bis zur physischen Erschöpfung; als Hundepfleger für höhere SS-Chargen bekam er Einblicke in das Leben in den Villen der Lagerkommandanten; als "Läufer" am Eingangstor des Lagers im Einsatz überblickte er Kommandostrukturen und Lagerbürokratie.
Mit der Evakuierung des Stammlagers im Januar 1945 begannen für die Häftlinge Todesmärsche, die nur wenige überlebt haben. Bab brachten sie nach Österreich in die Lager Mauthausen, Melk und Ebensee, wo er mit der Befreiung des Lagers durch die US-Armee gerettet wird. Über Wien gelangte er nach München, wanderte zu seiner Mutter nach San Francisco aus und gehört schließlich zu den wenigen jüdischen Überlebenden, die nach Deutschland zurückgekehrt sind.
Der DVD beigegeben sind sieben Kurzfilme, in denen einzelne Aspekte des Lebens im Lager herausgestellt und von Bab kommentiert werden. So beschreibt er darin das Häftlingsorchester in Auschwitz oder auch die Zusammensetzung der Kleidungsstücke und erläutert die Hierarchie unter den Häftlingen sowie die Bedeutung der Winkel an der Häftlingskleidung und die Tätowierungen.
Die Beschreibungen des Zeitzeugen sind behutsam mit authentischem Bildmaterial sowie Filmsequenzen vom heutigen Zustand des Lagers unterlegt, ohne von den Erzählungen von Werner Bab abzulenken. Ein zehnminütiger Zusatzfilm zeigt 60 Jahre danach die Rückkehr nach Auschwitz im Rahmen eines Besuches des deutschen Bundespräsidenten. In diesem Film zeigt Bab an authentischer Stelle die Orte und Einrichtungen des Lagers, die sich mit seinem Leiden vor 60 Jahren verbunden haben.
Diese DVD ist in 18 Sprachen untertitelt, darunter den meisten europäischen, besitzt aber auch Untertitel in Chinesisch, Japanisch, Türkisch und Persisch. Sie hat eine Laufzeit von ca. 70 Minuten.
Kurzinhalt der zweiten DVD: Der Dokumentarfilm enthält alle Aufnahmen, die sowjetische Kameramänner nach der Befreiung von Auschwitz zwischen dem 27. Januar und 28. Februar 1945 gedreht haben. Gezeigt werden u.a. Gebiete des Konzentrationslagers Auschwitz unmittelbar nach der Befreiung durch die erste Ukrainische Front der Roten Armee, befreite Häftlinge, Bilder von ermordeten Opfern und Aufnahmen von Beweisstücken über die Gräueltaten der Nationalsozialisten.
In den Nürnberger Prozessen wurden Fragmente des Films als Beweismittel gegen die nationalsozialistischen Kriegsverbrecher vorgeführt.
Der Dokumentarfilm wird ergänzt durch Interviews, geführt mit Aleksander Woronzow, einem sowjetischen Kameramann, der die Soldaten der Roten Armee begleitete und gleichzeitig Autor der meisten Szenen war.
Eingefügt in den Film sind Kommentare, die den Selektions- und Vernichtungsprozess, die medizinischen Versuche an Menschen sowie das Leben und den Tagesablauf eines Häftlings im Konzentrationslager Auschwitz beschreiben.
Der Film erschien erstmals im Jahr 1985 anlässlich des 40. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Die vorliegende Fassung der DVD "Die Befreiung von Auschwitz" wurde in Zusammenarbeit mit dem Auschwitz Birkenau State Museum im Jahre 2005 produziert. Die Kommentare der aktuellen Filmversion schließen die neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen über das Konzentrationslager Auschwitz ein. Der Film hat eine Laufzeit von ca. 55 Minuten.
Beide Dokumentationen können als Doppel-DVD ab sofort gegen Entrichtung einer Bereitstellungspauschale in Höhe von 4,- Euro abgeholt werden in der Landezentrale für politische Bildungsarbeit Berlin:
An der Urania 4-10, 10787 Berlin-Schöneberg, (Nähe Wittenbergplatz), Tel.: 90 16 25 52, geöffnet: Mo. - Mi.: 12 Uhr bis 16 Uhr, Do.: 12 bis 18 Uhr, Fr.: 10 bis 18 Uhr. Zusendungen sind leider nicht möglich.
Informationen auch unter www.landeszentrale-berlin.de
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