140 Jahre Frauenbewegung: Gleichstellung noch fern

Anlässlich des 140-jährigen Jubiläums des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (ADF), der auf Initiative von Louise Otto-Peters am 18. Oktober 1865 in Leipzig gegründet wurde, zieht Bundesministerin a. D. Renate Schmidt Bilanz:

21.10.2005 Pressemeldung Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

"Auch wenn wir bereits viel erreicht haben, bleibt noch einiges zu tun. Frauen fehlen die guten Karrierenetzwerke, über die Männer verfügen. Noch immer bestimmen Männer über die Verteilung der besten Posten, noch immer besteht das Vorurteil der minderen Leistungsfähigkeit und -bereitschaft von Frauen. Und noch immer fürchten Arbeitgeber Ausfall von weiblichen Beschäftigten durch Schwangerschaft und Kindererziehung. Und tatsächlich haben die meisten der wenigen Managerinnen, die es nach oben geschafft haben, im Gegensatz zu ihren französischen Kolleginnen, für die Dank der guten Kinderbetreuungsmöglichkeiten kein Problem der Vereinbarkeit von Familie und Beruf besteht, keine Kinder. Hier gibt es noch viel zu ändern und zu verbessern, für die Frauen, die Wirtschaft und die Gesellschaft insgesamt."

Die heutige Frauengeneration gilt als die am besten ausgebildete aller Zeiten. Frauenbildung und -ausbildung und Frauenerwerbstätigkeit sind zur Selbstverständlichkeit geworden. Erstmals ist auch der Anteil der weiblichen Studienanfängerinnen höher als der Anteil der Männer. Weibliche Studierende legen ihr Studium effizienter als ihre männlichen Kommilitonen an. Daraus folgen eine niedrigere Abbruchquote und ein schnelleres Studium. Frauen sind in allen Sparten des Arbeitslebens zu finden. Bis zum Alter bis ca. 30 Jahren liegen sie, was Verdienst und Karriere angeht, mit ihren männlichen Kollegen gleichauf.

Doch obwohl junge Frauen und junge Männer sich gleichermaßen Familie und Kinder wünschen, wird die Sorge um Erziehung und Haushalt immer noch den Frauen zugeschrieben. Das bedeutet Knick in der Karriere und unterbrochene Berufsbiographien. Und es bedeutet verharren auf mittleren Positionen in Privatwirtschaft und in der Wissenschaft: Keines der 30 börsennotierten Unternehmen hat eine Vorstandsvorsitzende, gerade zwei weibliche Mitglieder in Vorständen werden verzeichnet. 2003 hatten es bei den 180 größeren Unternehmen nur sieben Frauen ins Top-Management geschafft. In den Hochschulen hat sich durch Förderprogramme die Zahl der Professorinnen auf 13 Prozent verbessert.

Bundesministerin Renate Schmidt: "Frauenpolitik darf nicht auf die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit reduziert werden, auch wenn dies ein ganz wesentlicher Aspekt ist. Die Bundesregierung hat in der vergangenen Legislaturperiode vieles auf den Weg gebracht, das in den nächsten Jahren fortgeführt werden soll: Frauen brauchen gleiche Karrierechancen auf dem Arbeitsmarkt, frei von jeglicher Diskriminierung. Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit muss eine Selbstverständlichkeit werden, über die niemand mehr ein Wort zu verlieren braucht. Davon sind wir leider noch weit entfernt."


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