Ausstellung "Die Mörder sind unter uns - Der Ulmer Einsatzgruppenprozess 1958" in Ulm eröffnet

Der Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Dietrich Birk, und der Präsident des Staatsgerichtshofs und des Oberlandesgerichts Stuttgart, Eberhard Stilz, haben die Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen als fortdauernde Aufgabe bezeichnet. Die Ausstellung zum Ulmer Einsatzgruppen-Prozess 1958 leiste hierzu einen wichtigen Beitrag, so Birk und Stilz am 15. Februar anlässlich der Ausstellungseröffnung.

15.02.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

"Der Ulmer Prozess gab entscheidende Impulse für den Beginn der systematischen strafrechtlichen Verfolgung der NS-Gewaltverbrechen und hat für deren juristische Aufarbeitung bundesweit Maßstäbe gesetzt. Die Folge waren tiefgreifende Veränderungen der politischen und juristischen Rahmenbedingungen", sagte Staatssekretär Birk. Neben der Auseinandersetzung breiter Bevölkerungskreise mit der unmittelbaren Vergangenheit habe der Prozess auch zur Gründung der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg beigetragen. Diese habe mittlerweile eine Vielzahl an Fällen bearbeitet und eine beträchtliche Anzahl von Verfahren ausgelöst.

Birk betonte die Wichtigkeit der Aufklärungs- und Erinnerungsarbeit, insbesondere auch für die nachwachsenden Generationen. "Diese Ausstellung veranschaulicht einen besonders wichtigen Abschnitt unserer historischen Vergangenheit und bezieht die Reaktion der damaligen Bevölkerung auf die Ereignisse in besonderem Maße ein. Ich wünsche mir, dass die Präsentation möglichst viele Menschen erreicht und zum Nachdenken anregt."

Der Präsident des Staatsgerichtshofs und des Oberlandesgerichts Eberhard Stilz hob hervor, nach dem Ende des 2. Weltkriegs sei es Aufgabe des neuen Staatswesens geworden, den Bürgern eine rechtsstaatliche Ordnung wieder verlässlich und wahrnehmbar zu machen. Ein Schlüssel dafür habe die Aufarbeitung des Unrechts im NS-Staat sein müssen. Ausgehend von dem beschämenden Versagen der Juristen habe die Dritte Gewalt vor einer besonderen Verantwortung gestanden. Stilz weiter: "Bei allen Schwierigkeiten, vor welche der Prozess Richter wie Staatsanwälte stellte: die eigentliche Bedeutung des Verfahrens in Ulm liegt in dem Bruch mit der stillschweigenden Übereinkunft des Verdrängens und Vergessens. In der bleiernen Atmosphäre des damaligen Zeitgeistes musste das Verfahren wie ein Schock wirken - wie wir heute wissen, ein heilsamer Schock. Es zeigte einen anderen, neuen Weg auf und es wurde zum Zündfunken für die Einrichtung der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung von nationalsozialistischen Gewaltverbrechen in Ludwigsburg."

Die maßgeblich von der Landesstiftung Baden-Württemberg geförderte Ausstellung wurde vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg zusammen mit dem Haus der Stadtgeschichte - Stadtarchiv Ulm und dem Stadthaus Ulm konzipiert. In deren Mittelpunkt stehen die Geschichte des Prozesses gegen eine an der Ermordung von Juden in den baltischen Staaten beteiligten Einsatzgruppe. Einsatzgruppen waren Einheiten der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes, die in den besetzten Gebieten Massenerschießungen vorgenommen haben.

Weitere Informationen: www.hdgbw.de


Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden