Böger: "Realitäten weiter ernstnehmen und Lösungen unterstützen"

Berlins Bildungssenator Klaus Böger (SPD) hat die an Schule Beteiligten aufgefordert die Realitäten an den Schulen weiter ernst zu nehmen und pragmatische Lösungen zu unterstützen. Böger: "Gewalt ist eine Realität in unserer Gesellschaft und damit auch in unseren Schulen. Besondere Bedeutung hat dabei die zum Teil komplette Vernachlässigung von Kindern durch das Elternhaus."

03.04.2006 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung

Im Unterschied zu vielen, die vor zunehmender Gewalt bislang die Augen verschlossen haben, hat Berlin jedoch diese Entwicklung offen dokumentiert: "Schulen sind verpflichtet Gewaltvorfälle zu melden und sind haben dies dem im vergangenen Schuljahr auch 849 Mal getan. Wir sehen hin und handeln. Auch in Fällen, die jetzt pressewirksam wurden, hat die Schule richtig gehandelt, interveniert und den Vorfall jeweils aufgearbeitet." Schulen sind für ein solches Vorgehen übrigens mit Notfallordner ausgestattet worden, die für Gewaltfälle ein detailliertes Verarbeiten und künftige Prävention beschreiben.

So hatte an der Pommernschule eine Gruppe von ca. 15 schulfremden Jugendlichen offensichtlich arabischer Herkunft im Eingangsbereich der Hauptschule einen angolanische Schüler angegriffen. Die direkten Zusammenhänge werden noch durch polizeiliche Ermittlungen geklärt. Die Schule, die im vergangenen Jahr mit dem Präventionspreis ausgezeichnet wurde, hat einen Projekttag zur Aufarbeitung rassistischer Gewalt angesetzt. Böger: "Gewalt macht auch vor solch ausgezeichneten Schulen nicht halt. Aber die Meldewege haben funktioniert."
Böger selbst wird erst bei Straftaten von Kategorien "Mord" oder "Suizid" sofort persönlich informiert. Über alle anderen Delikte erhält der Senator quartalsweise Bericht.

Böger teilt in weiten Teilen die Einschätzung des Kollegiums der Theodor-Plevier-Schule, die über Gewaltvorfälle und zunehmend respektloses Verhalten von Schülern berichten hatten.

Senator Böger wies in diesem Zusammenhang aber auch auf die Lösungen hin, die es jetzt fortzusetzen gelte. So habe das im vergangenen Jahr verabschiedete Arbeitsprogramm Hauptschule drei Kernziele:

  • den Praxisbezug für Hauptschüler zu verstärken, z.B. durch Klassen "produktiven Lernens"
  • die Vernetzung von Jugendsozialprojekten mit Schulen voranzutreiben
  • die Vernetzung mit der Unternehmenswelt.

Hinweis:

Der neue kommissarische Schulleiter der Rütli-Schule Helmut Hochschild hat sich heute in einem ersten Statement zur Situation an der Schule geäußert:

"Seit Freitag orientiere ich mich an dieser Schule im Neuköllner Brennpunkt. Ich habe begriffen, dass es sich um ein durchaus geordnetes Schulhaus handelt – von innen und außen. Das zeigt übrigens auch der überzeugende Zustand der Klassenräume. Ich erlebe ein rühriges Kollegium, das allerdings der Unterstützung von außen bedarf".

Hochschild appellierte an die Presse mehr Rücksicht auf die Schülerschaft zu nehmen. Bei einem durch die Medienpräsenz provozierten Zwischenfall kam es heute zu einem Polizeieinsatz.

Am morgigen Dienstag ist ein Pressegespräch mit Herrn Hochschild geplant. Über Ort und Zeitpunkt werden Sie am Dienstagmorgen informiert werden.


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