Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen Birthler und Bildungsminister Rupprecht bekräftigten weitere Zusammenarbeit
Bei einem gemeinsamen Besuch des Stasi-Untersuchungshaftanstalt in der Potsdamer Lindenstraße zogen die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR Marianne Birthler und Bildungsminister Holger Rupprecht eine erste Bilanz der vor drei Jahren gestarteten Zusammenarbeit der beiden Behörden. Beide bewerteten die abgeschlossenen oder noch laufenden Projekte im Bereich der Lehrerfortbildung und Gedenkstättenarbeit mit Schülern als sehr positiv und verabredeten weitere Projekte auf der Basis der im Jahr 2002 geschlossenen Vereinbarung zur Zusammenarbeit zwischen dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport und der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes. So wurde etwa im Rahmen des heutigen Besuchs eine neue Lehrer-Handreichung vorgestellt, die wichtige Informationen zur Staatssicherheit, kopierte Beispiele von Originalunterlagen und Veranstaltungsangebote für Schülerinnen und Schüler beinhaltet.
31.05.2005 Brandenburg Pressemeldung Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg"Unsere Kinder und Enkel haben ein Recht darauf, die Geschichte ihres und unseres Landes kennen zu lernen - im Guten wie im Schlechten - und viele haben auch ein großes Interesse daran, sind neugierig darauf", sagt die Bundesbeauftragte Birthler. "Um in der Demokratie stark zu sein, sie gestalten zu können, und um Zivilcourage tatsächlich zu leben, brauchen sie auch das Wissen darüber, wie eine Diktatur funktioniert, wie und warum Menschen zu Verrätern wurden und wie andere auch unter schwierigen Bedingungen aufrecht blieben. Eine konsequente Auseinandersetzung mit dem DDR-Unrecht ist für künftige Generationen deshalb unerlässlich und muss an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen ihren gebührenden Platz erhalten."
"Mein Ziel der Zusammenarbeit mit der Birthlerbehörde ist es, neue Wege für eine offene Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte an brandenburgischen Schulen zu erschließen. Wir können sagen, dass die Zusammenarbeit erfolgreich angelaufen ist", sagt Bildungsminister Rupprecht. "Das Interesse zur Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte nimmt stetig an den Schulen zu. Deshalb wird beispielsweise die Gedenkstättenlehrerin, die in der Potsdamer Gedenkstätte tätig ist statt wie bisher zwei Tage ab dem kommenden Schuljahr 4 Tage in der Woche gedenkstättenpädagogisch zur Betreuung von Schulklassen tätig sein. Denn wir dürfen mit unseren Bemühungen nicht nachlassen. Die DDR zeichnete sich für immer mehr in der Rückschau vor allem durch einen sicheren Arbeitsplatz und soziale Absicherung aus. Leben in der DDR hieß jedoch auch Bevormundung, staatliche Gängelung bis hin zu einem riesigen Spitzelapparat. Das gehört mit zur Geschichte der DDR."
Beispiele gemeinsamer Projekte, die aus der Zusammenarbeit zwischen dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport und der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes entstanden:
Schülerwettbewerb Potsdam
Schülerwettbewerb "Gegen den Strom - Zivilcourage in der DDR" zum 15. Jahrestag der friedlichen Revolution gemeinsam mit der Niederlassung Brandenburg des Sozialpädagogischen Instituts Berlin "Walter May" (SPI).
Publikation "Der gefährliche Weg in die Freiheit"
Gemeinsame Publikation der BStU, Außenstelle Potsdam, und der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung (Hannelore Strehlow, Der gefährliche Weg in die Freiheit. Fluchtversuche aus dem ehemaligen Bezirk Potsdam, 2004).
Lehrerfortbildungsveranstaltungen
- Von Außenstellen und von Berlin aus zu unterschiedlichen Themen, teilweise auch in der Region (Lübben, Prignitz, Eberswalde) (ca. 10 Veranstaltungen).
- Die deutsch-polnische Lehrerfortbildung "Die DDR und die VR Polen im Schulunterricht - Vergleich von Methoden und Unterrichtspraxis in Polen und Deutschland heute" in Kazimierz Dolny im Herbst 2004. Die Folgeveranstaltung mit dem Schwerpunkt "Kontrolle und Repression in der DDR und der VRP" findet im Oktober 2005 in Ludwigsfelde statt.
- Nach Absprache mit der Bürgermeisterin der Stadt Frankfurt (Oder) veranstaltete die Außenstelle Frankfurt im Februar 2005 eine Schulleiterberatung mit ca. 25 Lehrern in der Gedenk- und Dokumentationsstätte "Opfer politischer Gewaltherrschaft".
- Es ist eine Fortbildungsveranstaltung des Sachgebiets politische Bildung mit dem Referat Gedenkstättenpädagogik für die Gedenkstättenlehrer des Landes Brandenburg geplant.
- Minister Rupprecht setzt sich dafür ein, dass Themen der DDR-Geschichte auch verstärkt in die Ausbildung von Lehrer in den Staatlichen Studienseminaren einfließen werden.
Gedenkstättenarbeit
- Die zwischen der Stadt Frankfurt (Oder) und der BStU geschlossene Vereinbarung über eine Kooperation bei der Nutzung der Gedenk- und Dokumentationsstätte "Opfer politischer Gewaltherrschaft" in der Collegienstraße 10 in Frankfurt (Oder) gestaltet sich gut. Enge Zusammenarbeit mit den dortigen Gedenkstättenlehrern, in der Gedenkstätte 2004 insgesamt 30 Veranstaltungen.
- Enge Zusammenarbeit der Außenstelle Potsdam mit den Projektwerkstatt "Lindenstraße 54" in Potsdam und der dortigen Gedenkstättenlehrerin. Lehrerfortbildungen und Schülerprojekte finden hier regelmäßig statt. Ab dem Schuljahr 2005/2006 wird die Gedenkstättenlehrerin Frau Eich insgesamt vier Tage pro Woche für die Projektarbeit in der Gedenkstätte Lindenstraße zur Verfü-gung stehen. Zur Zeit arbeitet sie zwei Tage in der Woche dort.
- Das Frankfurter IDZ als häufig genutztes Angebot auch für Schulen, gute Kooperation mit dem Gedenkstättenlehrer Orlowski in Frankfurt (Oder).
Materialien
- BStU für Schulen. Quellen für die Schule 1 und 2. (Aktenausüge als Grundlage für Projekttage)
- Arbeitsmappe der Außenstelle Potsdam mit Regionalbezug (Informationen über Ansprechpartner und Angebote der BStU, Grundinformationen zum MfS im früheren Bezirk Potsdam, mehrere konkrete Aktenbeispiele mit Anregungen für die Bearbeitung)
- Das MBJS und die BStU planen, einige für den Unterricht zu nutzende Filme erstellen zu lassen, die nach den bisherigen Erfahrungen dort sinnvoll einzusetzen wären (Themen z.B.: "Stasi-Methoden", "Flucht", "Ausreiseantrag").
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