Bundesverdienstkreuz für Reinhold Rösner, Vorsitzender der Initiativgruppe Internierungslager Ketschendorf e.V.
In Fürstenberg (Spree) hat Kulturministerin Prof. Dr. Johanna Wanka heute Herrn Reinhold Rösner im Auftrag des Bundespräsidenten das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland übergeben.
17.03.2006 Brandenburg Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes BrandenburgHerr Rösner erhält die Ehrung auf Anregung des Ministerpräsidenten als Anerkennung für seinen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der deutschen Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg, in diesem Fall der sowjetischen Internierungslager.
Die zehn sowjetischen Internierungslager wurden nach dem Krieg in der Regel auf dem Gelände der ehemaligen Konzentrationslager errichtet. Interniert wurden hier zwischen 1945 und 1948 ca. 160 000 mehrheitlich willkürlich ausgewählte Menschen, darunter eine große Zahl unschuldiger Jugendlicher zwischen 12 und 16 Jahren. Sie alle wurden ohne Gerichtsverfahren unter menschenunwürdigen Bedingungen über Jahre festgehalten - mindestens 43.000 starben. Bis zur Wende durfte in der DDR über diese Lager nicht gesprochen werden, in der Bundesrepublik waren sie in Vergessenheit geraten. Erst seit 1990 wird die Geschichte dieser Lager auch wissenschaftlich aufgearbeitet.
Herr Rösner war selbst im Alter von 16 bis 19 Jahren in Ketschendorf und Fünfeichen interniert. Als ehrenamtlicher Vorsitzende der 1990 gegründeten Initiativgruppe sorgte er für die Fertigstellung der Lagerchronik und initiierte die Bücher "Die Straße, die in den Tod führte" über das Lager Ketschendorf sowie "Pelzmützentransport" über das Schicksal der nach Sibirien verbrachten Gefangenen. Er hat maßgeblich zur Entstehung von 49 Namensplatten auf dem Waldfriedhof Halbe beigetragen, auf denen der über 4000 im Lager Ketschendorf umgekommenen Menschen gedacht wird. Sie waren zunächst verscharrt, später nach Bauarbeiten in Halbe anonym in Massengräbern bestattet worden.
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