Das Ergebnis kann sich sehen lassen

Buchmesse-Direktor Juergen Boos gibt im Interview eine Vorschau, was Aussteller und Besucher in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse erwartet.

20.09.2005 Pressemeldung Frankfurter Buchmesse
  • © buchmesse.de

Martin Schreiber: In knapp einem Monat beginnt die Frankfurter Buchmesse - die erste unter Ihrer Leitung. Was erwarten Sie?

Juergen Boos: Seit ich Anfang April den Posten des Direktors der Frankfurter Buchmesse übernommen habe, hat sich mir eine neue Perspektive auf die Messe eröffnet: Ich nehme zwar schon seit mehr als zwanzig Jahren an der Buchmesse teil, bisher aber immer als Fachbesucher oder Aussteller.

Als Ausrichter habe ich nun zum ersten Mal die Vorbereitung miterlebt, von der Abstimmung mit dem Gastland über das kontinuierliche Wachsen der Messe über die Monate hinweg bis zur Entwicklung des Rahmenprogramms. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Bei den Ausstellerzahlen haben wir einen deutlichen Zuwachs zu verzeichnen und es wird wieder mehr als 2.000 Veranstaltungen auf der Buchmesse und in ihrem Umfeld geben.

Martin Schreiber: Was wird das Gastland Korea bieten?

Juergen Boos: Mit Korea haben wir diesmal ein Land zu Gast, von dem wir in Deutschland noch relativ wenig - viel zu wenig - wissen. Rund vierzig Autoren aus Korea werden hier sein, darunter aller Voraussicht nach auch Vertreter aus Nordkorea.

Unser Gastland präsentiert sich auf der Buchmesse, in der Stadt und außerhalb mit einem sehr umfangreichen Programm, das von der Literatur bis zur bildenden Kunst viele Facetten bietet.

Besonders das Symposium im Frankfurter Römer am Wochenende vor der Buchmesse wird hoch interessant werden.

Auf der Messe selbst nutzen die Koreaner neben der Hauptausstellung im Forum des Messegeländes auch das Freigelände für ihre Präsentation - so kann das Publikum neben der koreanischen Schriftkultur und den großen Autoren auch andere Aspekte der koreanischen Kultur wie Tanz, Kampfsport und koreanische Küche kennen lernen.

Leider ist die Zahl der ins Deutsche übersetzten literarischen Werke aus Korea weiterhin gering - wir würden uns sehr freuen, wenn es uns gelingen würde, Korea als Land der Literatur in Deutschland bekannter zu machen und den einen oder anderen koreanischen Schriftsteller als feste Größe zu etablieren.

Martin Schreiber: Was ist Ihr Verständnis der Frankfurter Buchmesse - neu ist ja eine Vielzahl von Kooperationen?

Juergen Boos: Als Leitmesse unserer Branche muss die Frankfurter Buchmesse Impulse setzen. Für solche Impulse sind wir allerdings stets auf die Kooperation mit der Branche selbst angewiesen - es wäre fatal, wenn wir Programme entwickelten, die im Alltag unserer Aussteller und Fachbesucher keine Relevanz besäßen.

Dies gilt besonders für unsere Bemühungen um eine Ausweitung der Buchmesse über unsere traditionellen Kundenkreise hinaus: An vorderer Stelle ist hier unsere Kooperation mit der Berlinale zu nennen. Gemeinsam mit den Berliner Kollegen wollen wir den Bereich Film & TV auf der Buchmesse zur internationalen Drehscheibe für den Handel mit verfilmbaren Stoffen entwickeln.

Tatsächlich gibt es für die Film- und TV-Branche bisher so etwas nicht: Festivals wie in Berlin oder Venedig oder Cannes stellen das fertige Produkt in den Mittelpunkt. Eine Börse für Stoffe - seien es Filmrechte an Erzählungen oder Drehbücher - existierte bislang nicht, weshalb Verlage, Agenten und Produzenten unser Angebot auch begeistert wahrnehmen.

Auch mit der Nürnberger Spielwarenmesse kooperieren wir seit diesem Jahr - für das Sortiment sind Spiele ein immer wichtiger werdendes Segment; für die Hersteller von Spielen sind die Buchhändler ein immer interessanterer Absatzkanal. Daneben haben wir mit der 1. Frankfurter Antiquariatsmesse und mit der "PresseMesse" neue Angebote entwickelt, die für Fachbesucher und allgemeines Publikum gleichermaßen von großem Interesse sein dürften.

Martin Schreiber: Was erwartet das Fachpublikum?

Juergen Boos: Wir haben das Fachprogramm ausgebaut und die Arbeitsbedingungen für Fachbesucher weiter verbessert. Erstmals haben wir in diesem Jahr ein Forum Fachbuch eingerichtet, in dem eine Reihe von Fach- und Wissenschaftsverlagen ein umfangreiches Programm für den Fachbuchhandel anbieten.

Gemeinsam mit dem europäischen Buchhändlerverband führen wir ein anspruchsvolles Programm für Sortimenter durch; wir kümmern uns im "International Rights Directors Meeting" um die spanischsprachigen Märkte; im Sortimenter- & Fachbesucher-Zentrum finden täglich wechselnde Fachveranstaltungen statt, unter anderem im neuen Forum Verlagsherstellung. Auch in den anderen Veranstaltungsforen finden von Mittwoch bis Freitag zahlreiche Fachveranstaltungen statt.

Martin Schreiber: Es bleibt aber weiter bei dem Spagat zwischen Fach- und Publikumsmesse?

Juergen Boos: Ja. Vor allem das Programm der Foren macht den traditionellen Spagat zwischen Fachmesse und Publikumsmesse deutlich, der es erlaubt, die sehr unterschiedlichen Bedürfnissen unserer Aussteller, aber auch der verschiedenen Besucher zu erfüllen. Denn die Frankfurter Buchmesse wäre nicht die Frankfurter Buchmesse ohne die zahlreichen Lesungen und Podiumsdiskussionen, die Signierstunden und Mitmachaktionen, die vor allem am Wochenende auf dem Programm stehen.

Mit dem Gastland, mit den vielen Veranstaltungen in den Foren, mit insgesamt rund 1.000 Autorenpräsentationen und nicht zuletzt mit dem Literaturfestival "Leseland Hessen", das mit rund 100 Veranstaltungen in 13 Städten das Lesefieber in die ganze Region trägt, sprechen wir das Lesepublikum an.

Beim Angebot für das Publikum darf in diesem Jahr unser großes Fußball-Angebot nicht vergessen werden: In den kommenden Monaten werden anlässlich der Fußball-WM viele Bücher zu diesem Thema erscheinen. Für uns Grund genug, in Halle 1.2 einen eigenen Ausstellungsbereich einzurichten, mit Fotoausstellungen, einer Buchkollektion und natürlich auch einem Fußballfeld, wo es diverse Spiele geben wird.

Martin Schreiber: Wie sehen die Ausstellerzahlen aus?

Juergen Boos: Die Antwort ist: äußerst positiv! Die Frankfurter Buchmesse wird erstmals mehr als 7.000 Aussteller verzeichnen können, die aus rund 100 Ländern stammen. Dazu kommen eine Vielzahl von Unternehmen, die an Gemeinschaftsständen vertreten sind, die wir aber in unserer Statistik nicht ausweisen.

Die Frankfurter Buchmesse bleibt damit die unangefochtene Leitmesse für die weltweite Branche. Wir erwarten in diesem Jahr mehr als 3.000 Unternehmen aus Deutschland in Frankfurt, rund 4.000 Aussteller kommen aus dem Ausland. Dabei nimmt Großbritannien mit mehr als 800 Ausstellern wie immer die Führung ein, vor den USA mit mehr als 700 Ausstellern.

Die Frankfurter Buchmesse bleibt damit weiterhin die mit weitem Abstand größte Buchmesse für den englischsprachigen Raum, deutlich vor der BookExpo America oder der Buchmesse in London. Das Literary Agents & Scouts Centre ist bereits seit Wochen ausgebucht.

Mit diesen schönen Steigerungsraten ist die Frankfurter Buchmesse eine der wenigen Messen weltweit, die ihre Ausstellerzahlen in den vergangen Jahren beständig erhöhen konnte - und dies, obwohl mit dem starken Euro ein echtes Problem für unsere Aussteller aus dem Nicht-Euro-Raum entstanden ist.

Ansprechpartner

Frankfurter Buchmesse
Reineckstr. 3
60313 Frankfurt am Main
Web: http://www.buchmesse.de

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