Flierl zum Jahrestag des Mauerbaus

Anlässlich des 44. Jahrestages der Errichtung der Berliner Mauer begrüßt Berlins Kultursenator Dr. Thomas Flierl das neu entfachte öffentlich Interesse an diesem besonderen Thema der Zeitgeschichte, das Berlin in besonderer Weise geprägt hat und noch heute kennzeichnet:

12.08.2005 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur Berlin (bis 11/06)

"Nach einer längeren Phase energischen Bemühens, die Wunden der Teilung aus dem Stadtbild zu tilgen, gibt es heute den deutlichen Wunsch, die verbliebenen Spuren der Berliner Mauer sichtbar zu machen und als Orte der Erinnerung und des Gedenkens an die Opfer zu erhalten. Dieser Sinneswandel im öffentlichen Bewusstsein ist fünfzehn Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer ebenso verständlich wie begrüßenswert. Noch haben wir die Chance, die Geschichte der Berliner Mauer und der Opfer der politischen Unterdrückung in der DDR anschaulich zu machen. Noch ist z.B. die Bernauer Straße nicht bebaut, noch ist offen, wie der Bereich des ehemaligen Checkpoint Charlie gestaltet wird, und noch ist der Bahnhof Brandenburger Tor nicht fertiggestellt. Hier und anderswo gilt es die Chance zu nutzen, diese Orte mit Bezug auf ihre zeitgeschichtliche Prägung so zu gestalten, wie es in dem von mir vorgestellten Gedenkkonzept zur Berliner Mauer breite Akzeptanz gefunden hat.

Der Berliner Senat wird hierzu konkrete Vorschläge machen und dafür Sorge tragen, dass in Zukunft diese Gedenkorte deutlicher akzentuiert und stärker miteinander verknüpft werden. Der nächste Schritt bei der Umsetzung des Gesamtkonzeptes Berliner Mauer wird die planungsrechtliche Sicherung der Grundstücke an der Südseite der Bernauer Straße sein.

Mein Ziel ist es, dass Menschen, die Berlins Teilung nicht aus eigenem Erleben kennen, verstehen lernen, was diese Stadt in den Jahren deutscher Zweistaatlichkeit und getrennter gesellschaftlicher Entwicklung so nachhaltig geprägt hat und weshalb sich bis auf den heutigen Tag diese Prägungen im Alltagsleben Berlins in vielfältiger Weise bemerkbar machen. Ein Staat, der seinen Bürgerinnen und Bürgern elementare Menschenrechte vorenthielt, hatte keine Zukunft. Der Mauerbau lässt sich historisch erklären, politisch rechtfertigen lässt er sich nicht. Wir gedenken der Menschen, die an der Mauer getötet wurden.

Die Erinnerung an die Berliner Mauer kann jedoch nicht isoliert erfolgen. Sie muss Bestandteil eines übergreifenden Gedenkkonzepts sein, zu der die authentischen Orte politischer Unterdrückung in der DDR ebenso gehören wie jene Orte, die für erfolgreiche und gescheiterte Fluchtversuche stehen, und andere, die daran erinnern, dass Berlin nicht nur Symbol der deutschen und europäischen Teilung war, sondern Frontstadt im Kalten Krieg zwischen Ost und West, der mehrfach an der Schwelle zu einem heißen Krieg stand. Auch diese Erinnerung gilt es wach zuhalten, weil es nur so möglich wird, die historischen Kontexte der überwundenen Teilung und vor allem den inzwischen gewonnenen politischen Abstand seit dem Mauerfall und dem Ende der DDR zu erfassen.

Ein solches Gesamtkonzept, das die Erinnerung an die Mauer und das Gedenken an die Opfer der Teilung integriert, kann jedoch nicht allein von Berlin, sondern nur in Zusammenarbeit mit dem Bund und den Ländern umgesetzt werden. Wenn der erklärte politische Wille aller Beteiligten auch entsprechenden finanziellen Niederschlag findet, halte ich es für realistisch, dieses Ziel zügig, im Konsens und Schritt für Schritt zu erreichen. Der Berliner Senat wird mit seiner Haushaltsaufstellung für 2006/07 dafür Voraussetzungen schaffen."

Bis zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 sollen u.a. Hinweisschilder, ein einheitliches Logo und eine Internet-Präsentation helfen, die Orte des Mauergedenkens in der Hauptstadt deutlicher hervorzuheben, so dass interessierte Gäste auch finden, wonach sie suchen.


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