Heute: Wiedereröffnung des Theaters Meißen nach der Hochwassersanierung
Staatsminister Dr. Matthias Rößler-Grußwort zur Wiedereröffnung des Theaters Meißen nach der Hochwassersanierung am 10. September 2004, Konzert ab 19.30 Uhr \*\*\* Es gilt das gesprochene Wort \*\*\* Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Theaterfreunde, heute ist ein freudiger Tag – nicht nur für dieses Theater und nicht nur für die theater- und konzertinteressierten Bürger aus Meißen und Umgebung, sondern auch für den Freistaat Sachsen, der auf eine traditionsreiche und dichte Theaterlandschaft auch weiterhin verweisen kann.
10.09.2004 Sachsen Pressemeldung Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und TourismusSehr geehrte Damen und Herren, liebe Theaterfreunde,
heute ist ein freudiger Tag - nicht nur für dieses Theater und nicht nur für die theater- und konzertinteressierten Bürger aus Meißen und Umgebung, sondern auch für den Freistaat Sachsen, der auf eine traditionsreiche und dichte Theaterlandschaft auch weiterhin verweisen kann.
Zur heutigen Wiedereröffnung des Theaters Meißen blicken wir auf eine aufregende und anstrengende Zeit zurück. Die Flutkatastrophe im August 2002 hat auch das Theater Meissen nicht verschont. Infolge der hier durch die Triebisch und die Elbe verursachten Flut betrug der Höchstwasserstand 2,80 m, erreichte die Unterdecke über dem Foyer und drang bis an die unteren Sitzreihen des Zuschauerraumes im 1. Obergeschoss vor. Dennoch wurde der Spielbetrieb nicht eingestellt und die Spielzeit 2002/2003 konnte planmäßig mit der ersten Vorstellung am 3. September 2002, wenn auch mit Einschränkungen - jedoch vor ausverkauftem Haus - begonnen werden. Den in dieser außerordentlichen Situation in besonderer Weise geforderten Mitarbeitern des Theaters Meissen und allen Helfern möchte ich auch heute noch einmal für ihren unermüdlichen Einsatz zur Fortführung des Spielbetriebes danken.
Dennoch war die Schließung des Theaters im Jahr 2003 aus baufachlichen Gründen unvermeidbar. Die Gesamtschäden, die durch das Wasser entstanden waren, beliefen sich auf ca. 1,2 Millionen EUR im Baubereich und auf ca. 70.000 EUR im Bereich der künstlerischen Infrastruktur und Ausstattung. Mein Haus hat aus dem Sofortprogramm sowie aus dem Programm zur Behebung von Hochwasserschäden an Kulturgütern im Rahmen des Fonds "Aufbauhilfe" des Bundes und der Länder Mittel in Höhe von gesamt mehr als 1,1 Millionen EUR zur Verfügung gestellt, so dass mit den für das Theater Meißen eingegangenen Spenden die gesamten Schäden am Bau und der künstlerischen Ausstattung beseitigt werden konnten.
Meine Damen und Herren,
heute deutet nichts mehr auf die zerstörerische Kraft der Hochwasserflut vom August 2002 hin. Mit einem Licht durchfluteten und großzügig umgestalteten Foyer empfängt das Theater Meißen heute seine Besucher. Das Ergebnis des im Rahmen der Sanierung vorgenommenen Umbaus des Theaters ist beeindruckend. Die Idee, das Haus im Haus sichtbar zu machen, ist perfekt umgesetzt. Um sie zu verstehen, ist ein Blick in die Geschichte des Hauses notwendig.
Insbesondere im 18. Jahrhundert haben kunstsinnige Landesherren das kulturelle Klima Sachsens entscheidend geprägt und dem Land damit zu europaweitem Ansehen verholfen. Ein ebenso kunstliebendes prosperierendes Bürgertum setzte nicht minder seinen Stolz darein, die Kultur zu fördern und eiferte als Mäzen der Künste dem Hofe in Dresden nach.
So entschloss sich vor mehr als 150 Jahren die Meißner Bürgerschaft, ein ständiges Theater einzurichten. Am 13. November 1851 konnten die Bürger in den "Meißner Blättern" lesen: "Festliche Eröffnung des neuerbauten Theaters". Das Haus für Oper und Schauspiel war durch den Ausbau des hier im 13. Jahrhundert erbauten Kaufhauses für Tuchmacher entstanden.
Der Blick zurück auf diese Tradition eines Theaters von Bürgern für Bürger in einer Zeit, als der Bürger seine Rolle neu bestimmte und ihm die Übernahme neuer Aufgaben zukam, mag uns vielleicht Einblicke verschaffen in die Möglichkeiten, die uns heute gegeben sind, unsere Welt aktiv zu gestalten.
Was gegenwärtig als Globalisierung erlebt wird, ist eine Herausforderung an das kulturelle Wertebewusstsein unserer Gesellschaft - und: wie zu Zeiten der Gründung des Theaters Meißen ist die allgemeine Umbruchsituation auch heute eine Chance für bürgerschaftliches Engagement zur Mitgestaltung und Selbstbestimmung der kulturellen Lebenswelt, ebenso wie eine Chance für ein Theater, das den Menschen ins Zentrum stellt und in seiner Individualität jede Innovation begründet. Und vielleicht ist die kleinere Form, für die das Theater Meissen eine Bühne bietet, als Alternative zu den opulenten Spektakeln geeignet, näher an seine Besucher zu kommen.
Für die Entwicklung des Theaters in Meißen war die Schaffung eines eigenen, ständigen Ensembles nach 1883 ausschlaggebend. Als Folge des 2. Weltkrieges wurde der Spielbetrieb 1944 eingestellt und der Theaterbetrieb bereits 1945 erneut aufgenommen. Er sollte jedoch keine 20 Jahre währen, denn das Ensemble wurde 1963 auf Beschluss der Partei- und Staatsführung der DDR aufgelöst und das Haus in ein Kreiskulturzentrum umgewandelt. Die Funktion des ehemaligen Gewandhauses als Theater blieb jedoch durch Bespielung reisender Ensembles erhalten. Seit 1990 ist das Haus ein reines Gastspieltheater.
Zum Geschäftsbereich des SMWK gehören u. a. die drei staatlichen Theater und die künstlerischen Hochschulen des Freistaates, zu denen auch die Landesbühnen Sachsen und die Hochschule für Musik "Carl-Maria von Weber" in Dresden zählen, die in besonderer Verbindung zum Theater Meißen stehen.
Die Landesbühnen Sachsen sind als Mehrsparten- Reisetheater ein unverzichtbarer Bestandteil der sächsischen Theaterlandschaft. Sie gastieren in den Sommermonaten auf der Felsenbühne Rathen, übernehmen in ihrem großzügig sanierten Stammhaus Radebeul Stadttheaterfunktion und bespielen auch das nahe gelegene hiesige Theater. Das Meißner Theater nutzt die Vielfalt der Vorstellungsangebote der Landesbühnen Sachsen und anderer Theater und Orchester, wie beispielsweise der Neuen Elblandphilharmonie, die uns heute mit einem festlichen Mozart- Konzert erfreuen wird. Hinzu kommt eine größere Anzahl von Koproduktionen des Theaters z. B. mit der Meißner Jugendtheatergruppe, dem Franziskaneum und der Evangelischen Akademie Meißen. Dadurch gelingt es zunehmend, den musik- und theaterinteressierten Bürgerinnen und Bürgern aus Meißen und der umliegenden Region qualitätvolle Aufführungen anzubieten und neue Interessenten zu gewinnen.
Seit 1991 finden hier in diesem ehrwürdigen alten Gebäude unterhalb des Burgberges aber auch die Gesangsstudenten der Musikhochschule, die Bühnen-, Kostüm- und Maskenbildner der Hochschule für Bildende Künste Dresden ebenso wie die Instrumentalsolisten des Hochschulsinfonieorchesters eine Bühne und einen Orchestergraben, die geeignet sind, die ersten wirklich praktischen Erfahrungen mit ihren zukünftigen Berufen zu erlangen. Und so bietet ihnen das Theater Meißen die große Chance, wenigstens ein paar Tage vor der Premiere das auf der Probebühne der Hochschule lange Zeit Vorbereitete, auf dieser Bühne umzusetzen. Seit 1991 brachte die Opernklasse neun Inszenierungen im Theater Meissen heraus. Die Glut und das Feuer, das von diesen Inszenierungen ausgeht, hat Wirkung. Einstige Skeptiker aus Dresden wagen zunehmend mutig die Fahrt in das hiesige Meißen und bringen in einer Art Sogwirkung auch den einen oder anderen Bürger aus Meißen wieder in sein kleines, aber außergewöhnliches Theater zurück.
Es ist zu hoffen, dass die gegenwärtige künstlerische Arbeit die Tradition des Theaters Meißen bewahren hilft und für alle Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt eine Bereicherung für die persönliche Lebensgestaltung darstellt. In diesem Sinne wünsche ich dem Theater Meissen auch weiterhin viel Erfolg, eine große Besucherresonanz und uns allen einen anregenden Konzertabend.
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