"Klassische Rollenverteilung zeigt sich auch im Sport"
Frauen machen zwar 40 Prozent der Mitglieder in Sportvereinen aus, in den Führungsgremien sind sie aber deutlich unterrepräsentiert: In den Leitungspositionen des deutschen Sports beträgt der Frauenanteil nur zehn Prozent. Die Frage nach den Gründen für dieses Missverhältnis steht im Mittelpunkt des internationalen Kongresses ''Sport, Women and Leadership'', der vom 9. bis zum 11. Dezember in Berlin stattfindet. Rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus deutschen und internationalen Sportorganisationen diskutieren hier neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und die Erfahrungen aus Praxisprojekten.
10.12.2004 Pressemeldung Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend''Die klassische Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen zeigt sich auch in den Gremien und Organisationen des Sports'', so die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Christel Riemann-Hanewinckel, bei der Eröffnung des heutigen Publikumstags. ''Die Segmentierung, die wir in Deutschland im Erwerbsleben finden, scheint sich auch auf ehrenamtliche Funktionen in Organisationen zu erstrecken: Während viele Frauen in den unteren Bereichen unverzichtbare und wertvolle Arbeit leisten, finden sich in den Leitungsfunktionen überwiegend Männer. Das hat nicht nur mit mentalen, traditionellen Befindlichkeiten zu tun, sondern auch strukturelle Ursachen: Für Frauen ist es in der Regel sehr viel schwieriger, ihr Ehrenamt mit Kindern und Beruf unter einen Hut zu bringen.''
Ziel des Kongresses ist deshalb unter anderem, neue Konzepte für einen höheren Frauenanteil zu entwickeln und Netzwerke in Wissenschaft und Praxis zu knüpfen. Der Kongress ist Teil des bundesweiten, vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Forschungsprojektes ''Frauen an die Spitze'' und eine Initiative der Freien Universität Berlin zusammen mit dem Deutschen Sportbund, dem Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen und dem Deutschen Institut für Sportwissenschaft.
Hauptreferentinnen sind u. a. Prof. Dr. Jinxia Dong (Beijing University of Physical Education, Women's Research Centre), Ass. Prof. Dr. Lisa Olenikl (Longwood University, Commission on Women in Sport des International Paralympic Committee) sowie Prof. Dr. Anita White (Loughborough University, Centre for Olympic Studies, International Working Group on Women and Sport).
Ziel des Projektes ''Frauen an die Spitze'' ist es, den Frauenanteil in Führungspositionen von Sportverbänden und Landessportbünden zu erhöhen. Dafür sollen die Erfahrungen und Kompetenzen von Frauen genutzt werden: Qualifizierte Frauen sollen durch Coaching und Vernetzung zur Übernahme von Funktionen in Sportorganisationen motiviert werden und man will auf die Funktionsträger einwirken, um die Partizipation von Frauen in den Führungsgremien des Sports zu verbessern. Momentan kooperieren 21 Mitgliedsorganisationen mit dem Projekt ''Frauen an die Spitze'': elf Spitzenverbände, acht Landessportbünde, der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband sowie die Deutsche Sportjugend. Das Praxisprojekt war bis April 2003 beim Nationalen Olympischen Komitee für Deutschland in Frankfurt am Main verankert, seit Dezember 2003 wird es in Kooperation mit dem Deutschen Sportbund fortgeführt.
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