Kulturminister Zöllner vergibt Martha-Saalfeld-Förderpreise

Zum elften Mal vergibt das Land Rheinland-Pfalz die mit insgesamt 12.400 Euro dotierten Martha-Saalfeld-Förderpreise. Die Jury hat sich in diesem Jahr für Christoph Justinger, David Wagner, Bernd Weiden und Katharina Schultens entschieden.

29.09.2005 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, Rheinland-Pfalz (bis 11/06)

Die Auszeichnungen sind nach der aus der Pfalz stammenden Naturlyrikerin und Romanautorin Martha Saalfeld ("Die Judengasse") benannt und werden für literarische Projekte vergeben, die noch im Entstehen sind.

"Der Martha-Saalfeld-Förderpreis ist ein wichtiger Baustein der Literaturförderung bei uns im Land", erklärte Kulturminister Professor Dr. E. Jürgen Zöllner. Wie in jedem Jahr hätten sich auch diesmal wieder sehr viele Autorinnen und Autoren um den attraktiven Preis beworben. Erfreulich sei, dass darunter sowohl etablierte Schriftsteller als auch talentierte Neulinge seien.

In diesem Jahr zählten Christoph Justinger und Bernd Weiden zu den literarischen Tipps, während David Wagner bereits etabliert sei und Katharina Schultens 2004 ihren ersten Gedichtband vorgelegt habe, sagte der Minister. Er dankte der Jury, der die Schriftstellerinnen Verena Mahlow und Gabriele Weingartner, der Fernsehredakteur Andreas Wasner, der Lyriker Jürgen Kross und der Literaturreferent des Kulturministeriums Dr. Sigfrid Gauch angehörten.

Unter den bisher 44 Preisträgerinnen und Preisträgern würden inzwischen viele eine herausragende Position in der deutschen Gegenwartsliteratur einnehmen, sagte Zöllner. Alle hätten den Preis noch während der Abfassung ihres Manuskriptes erhalten. Jüngstes Beispiel sei die Vorjahrespreisträgerin Sabine Schiffner, deren erster Roman jetzt zur Frankfurter Buchmesse erscheine und schon im Vorfeld viel beachtet wurde. Auch frühere Saalfeld-Preisträger wie Annegret Held, Thomas Lehr und Norbert Scheuer seien auf der Messe mit neuen Romanen in renommierten Verlagen vertreten.

Christoph Justinger wurde 1962 in Trier geboren. Nach einem Physik- und Informatikstudium lebt er heute als Augenoptiker in Kaiserslautern. Gedichte und Prosa erschienen bisher nur in Zeitschriften und Anthologien. Den Preis hat ihm die Jury für ein in Arbeit befindliches Romanprojekt zuerkannt, das stilistisch von großer Eigenständigkeit und originaler Bildkraft sei und Bezüge zur Gegenwart biete, die, durch nichts beschönigt, realistischer kaum erfasst werden könne.

Bernd Weiden wurde 1964 in Bensberg geboren und lebt heute in Wittlich und Frankfurt am Main. Auch seine Texte sind bisher vorwiegend in Anthologien und Zeitschriften erschienen. Den Preis erhält er für ein lyrisches Manuskript, in dem das Spannungsfeld zwischen der Tradition und ihrer Überschreitung auf verschiedenen Ebenen und anhand verschiedener Themen dargestellt wird. In seinen Texten versucht er, sich dem Merklichen und kaum Fassbaren zu nähern, das sich an Bruchstellen bildet, wenn alte Formen sich langsam zu verändern beginnen.

Katharina Schultens, 1980 in Kirchen geboren, wuchs in Betzdorf an der Sieg auf, und lebt jetzt in Berlin. Sie hat bei Hanns-Josef Ortheil Kreatives Schreiben studiert und war zu Studienaufenthalten in Italien und Amerika. Im vergangenen Jahr erschien ihr Lyrikdebüt "Aufbrüche" in der neuen "Schrittmacher"-Reihe im Rhein-Mosel-Verlag. Sie arbeitet an einem breiter angelegten Erzählprojekt mit dem Titel "Landvolk" - ein Landvolk, das nicht wartet und verharrt, sondern aufbricht und dem auch ein vielleicht schon eingeschriebenes Scheitern nichts von seiner stillen Verve nimmt. Die Jury fand die eingereichten Texte sprachlich und inhaltlich erstaunlich ausgereift und ist vom großen künstlerischen Talent der 25-Jährigen überzeugt.

David Wagner wurde 1971 in Andernach geboren. Nach einem Studium in Bonn, Berlin und Paris sowie längeren Aufenthalten in Mexiko, Rom und Barcelona lebt er heute in Berlin. Sein erster Roman "Meine nachtblaue Hose" fand bei seinem Erscheinen vor fünf Jahren große Aufmerksamkeit. Inzwischen sind weitere Erzählungs- und Gedichtbände erschienen. Den Martha-Saalfeld-Förderpreis erhält er für den entstehenden Text "Sagt das Kind", in dem er gleichsam stellvertretend für die Generation der 30- bis 40-Jährigen deren Verhältnis zum Kind, zum eigenen Kind und zum Kindsein reflektiert. Abseits der politischen Debatten teilt er darin Rundumschläge der sanft-penetranten Art aus, so die Jury, und nimmt zugleich zutiefst deutsche Verhältnisse unter die Lupe.

Zöllner verleiht die vier Förderpreise am Freitag, 9. Dezember 2005, um 11 Uhr, in den Räumen des Kulturministeriums, Wallstraße 3, 55122 Mainz.


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