Kultusminister hofft auf Beteiligung gesellschaftlicher Kräfte am Ausbau von Bergen-Belsen
"Ohne die genaue Kenntnis der Geschichte fehlt dem Einzelnen, der Gesellschaft und dem Staat der Bezugsrahmen für das Verständnis der Gegenwart und für die Perspektiven der Zukunft. Die Generation, die heute im politischen und gesellschaftlichen Leben bestimmend ist, verfügt nicht mehr über direkte Erfahrungen aus der Zeit des Nationalsozialismus. Und doch hat sie wie die nachfolgenden Generationen Verantwortung dafür zu tragen, dass die Kette der Erinnerung nicht abreißt, dass die Erfahrungen des Zivilisationsbruchs weitergegeben werden", hat der Niedersächsische Kultusminister Bernd Busemann heute (19.06.2006) in Bergen-Belsen noch einmal den Einsatz der Landesregierung für die Neugestaltung der Ge-denkstätte Bergen-Belsen eindrücklich begründet.
19.06.2006 Niedersachsen Pressemeldung Niedersächsisches Kultusministerium"Es geht uns darum, die Spuren des Lagers, die in der unmittelbaren Nachkriegszeit bewusst verwischt wurden, wieder sichtbar zu machen. Wir werden auch den Umgang mit dieser Erblast über sechs Jahrzehnte dokumentieren", beschrieb Busemann den Grundgedanken des neuen Gestaltungskonzepts. Der Bau des neuen Ausstellungshauses habe sich durch den harten und lange dauernden Winter etwas verzögert. Das Gebäude solle dennoch im Frühjahr 2007 fertig gestellt sein. Das Gelände selbst dürfe nicht bebaut werden. "Es ist als Ganzes nach jüdischer Tradition ein großer Friedhof", so Busemann. Deshalb ende der Neubau an der alten Lagergrenze. Er rage aber ein Stück weit in das Lagergelände hinein und gebe damit den Blick auf die Dimensionen des Lagers frei.
"Diese Dimensionen wieder sichtbar zu machen ist auch die Grundidee zur Umgestaltung des Außengeländes. Die idyllische Heidelandschaft, die hier nach 1945 angelegt worden ist, soll nicht beseitigt werden, aber die Konturen des gesamten Geländes werden freigelegt. Vom Kopf des Gebäudes sollen Sichtschneisen zum Appellplatz des Sternlagers, zur Hauptlagerstraße und zu den Massengräbern ausgerichtet werden. Wege vom Gebäude an diese historischen Orte werden neu angelegt", erläuterte Busemann.
Der Neubau des Dokumentationszentrums war 2002/2003 in einem internationalen Architektenwettbewerb ausgeschrieben worden. Diesen Wettbewerb mit mehr als 150 Teilnehmern hatte das Büro KSP Engel und Zimmermann aus Braunschweig gewonnen, dessen Entwurf nun gebaut wird. Zugleich wurde ein Ideenwettbewerb für die Umgestaltung des Außengeländes ausgeschrieben, den das Büro SINAI Exteroirs aus Berlin gewonnen hat. Nach Abschluss des Wettbewerbs sei es gelungen, beide Konzepte aufeinander abzustimmen. "Es entsteht jetzt eine Architektur, die sich in die neue Gesamtplanung einfügt. Der Masterplan wurde von der internationalen Expertenkommission im Februar 2006 gebilligt", betonte Busemann. "Das Land Niedersachsen, d.h. das Kultusministerium, trägt die Hälfte der Baukosten von 12,5 Mio Euro, die andere Hälfte trägt der Bund. Ich hoffe, dass sich an der weiteren Ausgestaltung dieser Gedenkstätte auch andere gesellschaftliche Kräfte beteiligen werden. Auch zu diesem Zweck haben wir mit einem Landesgesetz die Stiftung gegründet", machte Busemann deutlich.
"Bergen-Belsen ist ein internationaler Ort des Gedenkens und des Lernens für die Zukunft. Davon zeugen die ehemaligen Häftlinge, die aus vielen europäischen Ländern hier zusammen getrieben wurden, und davon zeugen ebenso die heutigen Be-sucherströme", so Busemann abschließend.
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