Kunstwettbewerb Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen

Das Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur, hat im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, sowie in Abstimmung mit dem Lesben- und Schwulenverband (LSVD) und der Initiative "Der homosexuellen Opfer gedenken" im August 2005 einen eingeladenen Kunstwettbewerb zur Errichtung eines Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen durchgeführt.

26.01.2006 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur Berlin (bis 11/06)

Ziel des Kunstwettbewerbs war es, einen Denkmalsentwurf zu finden, mit dem die verfolgten und ermordeten Opfer geehrt, die Erinnerung an das Unrecht wachgehalten und ein beständiges Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung von Schwulen und Lesben gesetzt wird.

Am vergangenen Mittwoch hat eine elfköpfige Jury unter Vorsitz von Prof. Norbert Radermacher aus den 17 eingereichten Entwürfen die Arbeit von Michael Elmgreen und Ingar Dragset zur Realisierung empfohlen.

Als Ort des geplanten Denkmals ist eine Lichtung am östlichen Tiergartenrand, an der Ebertstraße, südlich des Goethedenkmals, gegenüber dem "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" vorgesehen.

Für den Bau stellt der Bund bis zu 450 T€ zur Verfügung. Es ist beabsichtigt, das Denkmal so schnell wie möglich zu realisieren.

Der Juryvorsitzende zum ausgewählten Entwurf:

"Nach einer sehr offen geführten, intensiven und teilweise auch kontroversen Diskussion über zwei Tage hat sich die Jury mit deutlicher Mehrheit für den Entwurf von Michael Elmgreen und Ingar Dragset entschieden. Ihre sehr klar durchdachte und selbstbewusst auftretende Skulptur nimmt ganz offensichtlich Bezug auf die Stelen des Holocaust Denkmals von Richard Eisenman, indem sie die Grundform einer Stele - deutlich vergrößert -zu einer Art Haus werden lassen, das nun tatsächlich auch ein Inneres bekommt. Wie durch ein Fenster, das schräg in eine Ecke eingeschnitten ist, blickt der Betrachter auf ein projiziertes Filmbild. im klassischen Schwarz/Weiß sieht er eine endlos wirkende Kussszene zwischen zwei Männern. Die von Außen eher kühl oder abweisende Betonform bekommt so einen ganz intimen Aspekt. Ohne verbale Hilfestellungen oder schriftliche Erklärungen wird hier das Thema der Homosexualität direkt und doch subtil vorgestellt. Die Jury ist zu der Überzeugung gekommen, hiermit eine künstlerische Arbeit gefunden zu haben, die souverän und zeitgemäß einen Ort zum Gedenken an die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen schafft und gleichfalls die Diskussion über die Akzeptanz der gleichgeschlechtlichen Liebe heutzutage anregt."

Zeitpunkt, Dauer und Ort der Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten werden noch bekannt gegeben.


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