Leitbild gewaltfreie Erziehung in der Gesellschaft vorantreiben

Staatssekretär Peter Ruhenstroth-Bauer zieht positive Bilanz der Förderung zur gewaltfreien Erziehung und fordert auf der europäischen Fachtagung "Gewaltfreie Erziehung" in Berlin, diese als gesellschaftliches Leitbild weiter voranzutreiben.

21.10.2005 Pressemeldung Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Seit fünf Jahren hat das Recht der Kinder auf eine gewaltfreie Erziehung seinen festen Platz im Bürgerlichen Gesetzbuch. Der Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Peter Ruhenstroth-Bauer, zog eine positive Bilanz. "Die Förderung der Gewaltfreiheit als integraler Bestandteil einer nachhaltigen Familienpolitik muss konsequent weiterverfolgt werden. Das Ziel ist, Kinder zu selbstbewussten, eigenverantwortlichen und verantwortungsbewussten Persönlichkeiten zu erziehen".

Dass Deutschland im vereinten Europa bereits wichtige Meilensteine gesetzt hat, betonte Thomas Hammarberg, Menschenrechtsbeauftragter des Europarates. "Europa muss eine gewaltfreie Zone für Kinder werden. Erwachsenen darf es nicht länger erlaubt sein, ihre Kinder zu schlagen. Körperliche Bestrafung muss daher als Verletzung der Menschenrechte verfolgt werden", forderte Hammarberg.

Dass gewaltfreie Erziehung essentieller Bestandteil der demokratischen Gesellschaft ist, führte Prof. Gesine Schwan, Präsidentin der Universität Viadrina, Frankfurt/Oder, aus: "Demokratie setzt den freiheitlich agierenden Bürger voraus. Vertrauen und Selbstvertrauen sind hierfür die wesentlichen Kernkompetenzen. Hierzu muss gewaltfreie Erziehung die Kinder bekräftigen. Denn diese Kompetenzen sind die Voraussetzungen dafür, dass Konflikte und Schwierigkeiten gewaltfrei bewältigt werden können."

Uri Avnery, Schriftsteller und Träger des alternativen Nobelpreises, verdeutlichte, anhand der jüdischen und palästinensischen Geschichte und Gesellschaft, dass gewaltfreie Erziehung den Zirkel vom Opfer zum Täter und wieder zum Opfer zu werden, aufbrechen muss. "Geschlagene Kinder werden sonst wieder zu schlagenden Eltern". Erst wenn hierfür das notwendige Bewusstsein geschaffen wird, ist eine Voraussetzung für Frieden gegeben. Denn "Frieden ist eine Geisteshaltung, die Hauptaufgabe ist mental. Damit Frieden möglich wird, muss die gesamte Mentalität verändert werden", betonte Avnery.

Die Bedeutung des Respekts als Kernkompetenz auch für die Wirtschaft unterstrich Prof. Götz Werner, Gründer und Vorsitzender der Geschäftsführung der "dm-drogerie markt"-Kette. Für Prof. Werner ist ein respektvoller Umgang nicht nur mit Mitarbeitern Grundbedingung für die erfolgreiche Gestaltung einer Gemeinschaft. Erforderlich sind dabei Maßnahmen, die Persönlichkeiten evozieren. "Volkswirtschaft" so Werner, "ist ein Füreinander-Leisten und Betriebswirtschaft ein miteinander Füreinander-Leisten". Gewaltfreie Erziehung ist damit nicht nur ein wichtiger Baustein, die Demokratiefähigkeit der Jugend zu fördern, sondern eine Voraussetzung für ökonomisches und soziales Wachstum.


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