Ohne Klassenführung und Classroom Management geht es nicht!

Über die Qualitätsmerkmale "guten Unterrichts" sind wir heute relativ genau orientiert. Dabei hat das Classroom Management beziehungsweise die Klassenführung eine besondere Bedeutung – sowohl für den Unterricht in der Lerngruppe als auch für die ganze Schule. Botho Priebe, Dozent der SchiLF Akademie, zeigt den Stellenwert und die Umsetzung einer kollegialen Schulentwicklung.

10.02.2016 Pressemeldung SchiLf Akademie
  • © privat Botho Priebe

Warum ist Classroom Management eigentlich so wichtig?

Priebe: Kernaufgabe der Schule ist, den Schülerinnen und Schülern positive und zukunftsfähige Lern- und Leistungsentwicklungen im Rahmen ihrer persönlichen Bildung zu ermöglichen. Das kann nur in hochwertig gestalteten Lehr- und Lernprozessen gelingen, deren Qualitätsbedingungen wir gut kennen. Classroom Management beziehungsweise Klassenführung nehmen dabei eine zentrale Rolle ein: Sie müssen den Rahmen für erfolgreichen Unterricht schaffen.

Wo liegen die Unterschiede zwischen Classroom Management und Klassenführung?

Priebe: Der Begriff des "Classroom Managements" wird häufig für die eher unterrichtspraktischen Elemente verwendet. "Klassenführung" bezieht auch Faktoren wie die Beziehungsförderung und -gestaltung im Klassenzimmer, das Lernklima sowie den Umgang miteinander ein.

Viele Schulen, viele Lehrerinnen und Lehrer fühlen sich heute durch immer neue Ansprüche an die Unterrichtsqualität überfordert. Gleichzeitig steigt die Heterogenität der Klassen. Welche Bedeutung haben in dieser Hinsicht Classroom Management und Klassenführung?

Priebe: Je heterogener die Voraussetzungen sind, die Schülerinnen und Schüler im Zusammenhang von Inklusion, Migration, sozialen Benachteiligungen oder unterschiedlichen Begabungsniveaus mitbringen, umso bedeutsamer werden diese Aspekte. Für erfolgreiche Lernprozesse muss Unterricht möglichst störungsarm verlaufen und echte, effektive Lernzeit sichern. Störungspräventiv soll dieser Unterricht darum im Rahmen vereinbarter klarer Verhaltensregeln stattfinden und interessante, motivierende und herausfordernde sowie anregende Lernprozesse eröffnen. Andererseits müssen transparente und begründete Interventionen definiert werden.

Sehen Sie also hier die Lösung für Unterrichtsprobleme?

Priebe: Ohne solche Regelungen, die dem pädagogischen Anspruch von Klassenführung folgen, ist guter, erfolgreicher Unterricht kaum möglich! Die weiteren Qualitätsmerkmale kommen erst dann zum Zug, wenn störungsarme echte Lernzeit, Aufmerksamkeit, Motivation und Lernklima gewährleistet sind.

Wissen denn die Lehrerinnen und Lehrer darüber zu wenig?

Priebe: Seit den großen internationalen Vergleichsuntersuchungen zur Bildungsqualität (TIMSS, PISA, IGLU) wissen wir mehr über die Gelingensbedingungen guten Unterrichts. In den letzten Jahren hat so auch eine Vielzahl empirisch erprobter Konzepte und Maßnahmen Eingang in die Ausbildung gefunden. Dabei spielen Klassenführung und Classroom Management bedeutende Rollen. Nur: Theoretisch lässt sich in der Lehramtsausbildung viel und intensiv darüber diskutieren. Welche zentrale Bedeutung gerade diese für die Unterrichtsqualität haben, erfahren Lehrende aber erst in der konkreten Unterrichtspraxis. Und damit sind wir bei der Fortbildung und vor allem bei der schulinternen Lehrerfortbildung, wie sie die SchiLF Akademie anbietet.

Die Fortbildung findet ja berufsbegleitend statt und leuchtet unmittelbar ein in ihrer Bedeutung für die Verbesserung von Unterricht. Aber welchen Vorteil haben schulinterne Fortbildungen?

Priebe: Jede Lehrkraft ist selbstverständlich für den eigenen Unterricht verantwortlich. Aber die Bedingungen guten Unterrichts sind keine "Privatangelegenheit", sondern gemeinsame Aufgabe aller Lehrkräfte in ihren Lerngruppen und Klassen. Und hier kommt es darauf an, dass sie sich auf Regeln verständigen, die für beide Seiten gelten.

Die Probleme mit der Unterrichtsqualität haben vielfach damit zu tun, dass Regeln zwar praktiziert, aber mit Kolleginnen und Kollegen nicht abgestimmt werden. Das verunsichert die Klassen, weil von Stunde zu Stunde andere Regeln gelten. Schulinterne Lehrerfortbildung bietet für genau diese Problemsituation einen Arbeits- und Fortbildungsrahmen. Dabei werden Klassen- und Unterrichtsregeln gemeinsam erarbeitet, mit der Klasse besprochen, erprobt und gegebenenfalls angepasst.

Gelten diese dann nur auf Klassenebene oder auch für die ganze Schule?

Priebe: Jede Schule sollte im Rahmen ihres Schulprogramms ein eigenes Leitbild für ihre pädagogischen Ziele und Werte haben. Und dieses muss unter anderem auch in Schulregeln, in einer Schulordnung dargestellt werden. In den Klassen und Lerngruppen kommt es dann darauf an, dass sie in den jeweiligen Klassenregeln konkret werden. Und dieser Prozess der Erarbeitung, Abstimmung, Erprobung und gegebenenfalls Veränderung betrifft das ganze Kollegium und die Schulleitung in Zusammenarbeit mit Eltern und Schülern.

Liegen dafür schon bewährte Konzepte und Erfahrungen vor?

Priebe: Die schulinterne Lehrerfortbildung mit ganzen Kollegien, Schulleitungen, Teams und Fachgruppen ist heute die am meisten verbreitete Fortbildungsform. Es gibt eine Fülle von Erfahrungen, die diese Entwicklung bestätigen und eine große Zahl einschlägiger Arbeitskonzepte und Methoden.

Aber zugleich muss auch gewarnt werden: Schulen, die sich mit Klassenführung und Classroom Management, mit Regeln und Ritualen auf den Weg machen, müssen die schwierige Frage klären: Es gilt, Sanktionen für diejenigen festzulegen, die sich nicht an die Regeln halten. Hier geht es aber nicht um Strafkataloge sondern um klare Verhaltenskorrekturen und Lernhilfen.

Besonders wichtig scheint, dass sich alle Teammitglieder an die Vereinbarungen halten. Was sollte passieren, wenn diese sich regelwidrig verhalten?

Priebe: Für Kollegien, die an diesen Vorhaben scheitern, wird es meist schwer, sich erneut über Classroom Management und Klassenführung als gemeinsame Aufgaben zu verständigen. Darum sind professionelle Beratung und Unterstützung von großer Bedeutung für den Fortbildungserfolg gerade bei der Unter-richtsverbesserung.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Andrea Stickel

 

Botho Priebe leitet an der SchiLf Akademie unter anderem Seminare zum Thema "Classroom Management für gute Unterrichtssituationen". Dabei erarbeiten die Teilnehmenden selbst individuelle Konzepte abgestimmt auf ihre Schule.

Über die SchiLf Akademie
Die SchiLf Akademie bietet direkte Lösungen und individuelle Beratung für den Schulalltag. Fachlich fundiert richten sich die Angebote an den konkreten Anforderungen der jeweiligen Schule aus und berücksichtigen dabei die Dyna-mik des gesamten Kollegiums. Gemeinsam mit einem Beirat aus schulerfahrenen Fachleuten – Lehrern und Schulleitern, Wissenschaftlern und Seminarleitern – hat die SchiLf Akademie ein praxisorientiertes Weiterbildungsprogramm entwickelt. Die erfahrenen Referenten – allesamt Praktiker – wissen genau, wovon sie sprechen und schneiden ihr Fortbildungsangebot gezielt auf die jeweilige individuelle Situation zu.
Mehr erfahren Sie unter www.schilf-akademie.de.

Ansprechpartner

SchiLf Akademie
Memminger Straße 6
86159 Augsburg
Web: http://www.schilf-akademie.de


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