Philologenverband zur Übergabe von 180.000 Unterschriften für kleinere Klassen an Kultusminister Schneider:
Der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes Max Schmidt teilt nicht die Auffassung von Kultusminister Siegfried Schneider, ein positiver Einfluss kleiner Klassen auf die Leistungen von Schülern sei nicht belegbar. "Es ist wissenschaftlich sehr wohl nachgewiesen, dass Schüler in kleinen Klassen in ihren Leistungen profitieren, wenn die Lehrkräfte diesen Vorteil nutzen und einen anderen Unterrichtsstil als in großen Klassen pflegen."
13.07.2007 Pressemeldung Bayerischer Philologenverband (bpv)Genau aus diesem Grund habe Bayern mit dem G8 vor drei Jahren ja auch die als "Herzstück" des Gymnasiums bezeichneten Intensivierungsstunden eingeführt, in denen Schüler in kleinen Gruppen unterrichtet werden, erinnerte Schmidt. Eine wissenschaftliche Studie der Universität Würzburg unter Prof. Dr. Dorit Bosse belege mittlerweile, dass Schüler und Lehrkräfte die Chancen der kleinen Klassen in den Intensivierungsstunden sinnvoll nutzten.
US-Studie: Schüler kleinerer Klassen sind später die besseren Studenten
In einer US-amerikanischen Langzeituntersuchung mit 5.000 Beteiligten konnte überdies gezeigt werden, dass Schüler, die in kleinen Schulklassen mit maximal 17 Schülern lernten, noch Jahre später als Collegestudenten bessere Leistungen zeigten als ihre Mitstudenten, die ehemals in großen Klassen unterrichtet wurden. Und wie wohltuend sich überschaubare Klassengrößen zudem auf das Lern- und Sozialklima und damit für die Motivation von Schülern wie Lehrern auswirken, hat eine empirische Studie der Universität Passau nachgewiesen.
Kasseler Studie: Große Klassen Hauptbelastungsfaktor für Lehrkräfte
Schmidt machte weiter darauf aufmerksam, dass große Klassen die unterrichtlichen und erzieherischen Aufgaben erschweren und für Lehrkräfte zu einem höheren Korrektur- und Benotungsaufwand führen: "Auf jeden einzeln eingehen oder ihn individuell fördern zu können, bleibt in Klassen mit bis zu 37 Schülern eine schöne Illusion", sagte der bpv-Vorsitzende. Auf die Dauer führe diese unbefriedigende Situation zunächst bei sehr engagierten Lehrkräften mit hohem pädagogischen Ehrgeiz zur Überlastung und Resignation.
In einer durch die Professoren Dauber und Vollstädt von der Universität Kassel durchgeführten Untersuchung mit von Burnout betroffenen Lehrkräften aller Schularten hatten daher mit Ausnahme der Grundschullehrer die Befragten als größten Belastungsfaktor zu große Klassen genannt. Es verwundere daher nicht, dass frühpenionierte Lehrkräfte auf die Frage, wie sich die Zahl der vorzeitigen Pensionierungen wirkungsvoll verringern ließe, an erste Stelle setzten: "weniger Schüler pro Klasse".
Zusätzliches Personal zur Entlastung der Lehrkräfte einstellen
"Diese Erkenntnisse darf man nicht einfach vom Tisch wischen", mahnte Schmidt, "auch wenn sie in Zeiten des Lehrermangels derzeit nur sehr schwer zu verwirklichen sind, darf die Politik jetzt nicht einfach die Hände in den Schoß legen. In der jetzigen Situation wäre den Schulen auch schon mit der Einstellung von zusätzlichem Verwaltungs- und pädagogischem Personal ebenso geholfen wie mit speziellen Kräften für Aufsichten, Betreuung und Essensausgabe. Die brauchen wir dringend, damit sich unsere Lehrkräfte auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren können", forderte der bpv-Vorsitzende abschließend.
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