Schwarzbuch Ausbildung

(bikl) Kaffe kochen, Hund ausführen, Toilette putzen: In seinem 'Schwarzbuch Ausbildung' beschreibt der DGB authentische Missstände, mit denen Auszubildende täglich konfrontiert sind. Darin ist nicht nur von ausbildungsfernen Arbeiten die Rede, sondern auch von ausbleibenden Lohnzahlungen, ausufernden Überstunden sowie von Mobbing, sexueller Belästigung und gesundheitsgefährdenden Tätigkeiten.

20.05.2005 Artikel

Fast ein Viertel brechen ab

"Es ist erschütternd, mit welchen Fällen wir konfrontiert werden", sagte DGB-Vorstandsmitglied Ingrid Sehrbrock auf einer Pressekonferenz. 'Manche Auszubildende sind fertig'. Da wundere es nicht, dass die Abbrecherquote relativ hoch sei. Im Jahr 2003 lag sie bei rund 133.000. Das sind 22 Prozent aller Ausbildungsverträge.

Abgesehen von der persönlichen Betroffenheit, so Ingrid Sehrbrock, dürfe sich ein Land wie Deutschland eine schlechte Ausbildung schon aus Wettbewerbsgründen nicht leisten. 'Gut ausgebildete junge Menschen sind die Voraussetzung für Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Die dürfen wir nicht verspielen'. Die Arbeitgeber seien deshalb dringend aufgefordert, 'Missstände zu beseitigen und die Qualität der Ausbildung zu erhöhen'.

Forderung: Kontrolle der Betriebe

Sie forderte die Kammern zu stärkerer Kontrolle der Betriebe auf und mehr als bisher auf die Qualität der betrieblichen Bildung zu achten. Die Vergabe öffentlicher Aufträge muss nach DGB-Auffassung auf EU-Ebene künftig an das Vergabekriterium der Ausbildungs-Qualität geknüpft werden.

Billiganbieter mit schlechten Bedingungen für Jugendliche dürften nicht mehr den Vorzug gegenüber Anbietern erhalten, die gute Ausbildung anbieten, betonte Sehrbrock.

Online-Beratung

Nach DGB-Einschätzung sind die beklagten Zustände authentisch. Die Missstände betrafen vor allem das Hotel- und Gaststättengewerbe, den Einzelhandel, den Mediensektor, sowie freie Berufe - wie Arztpraxen und Rechtsanwaltskanzleien.

Gesammelt wurden die Fälle vom DGB seit Sommer 2003 im Rahmen einer Online-Beratungsaktion. Rund 2000 Jugendliche haben sich bislang mit ihren Problemen bei doktor-azubi.de gemeldet.

Weiterfühender Link

doktor-azubi.de


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