Was ist ein Lernstudio?

"Der Begriff "Lernstudio" ist von der Landesregierung schon so oft definiert und wieder umdefiniert worden, dass inzwischen in den Schulen nur noch Verwirrung herrscht", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW) anlässlich einer VBE-Fachtagung zu den Neuerungen an den Grundschulen. Völlig unklar ist zudem, wie denn dieses ehemalige Vorzeigekonzept der Landesregierung in der schulischen Praxis aussehen soll."

24.08.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Etwa 600 Grundschullehrer/innen und Sozialpädagog/inn/en sind deshalb heute zum VBE nach Dortmund gekommen, um sich aus erster Hand darüber zu informieren. Allein diese Zahl zeigt, wie groß das Informationsbedürfnis in den Schulen ist.

Kinder mit Förderbedarf sollen für höchstens die Hälfte der wöchentlichen Unterrichtsstunden aus ihren Klassen herausgezogen und von Sozialpädagog/inn/en oder Lehrer/innen speziell gefördert werden. Hinter dem Begriff "Lernstudio" verbergen sich also jetzt Fördermaßnahmen außerhalb des Klassenverbandes.

Die Landesregierung betont in ihrer Handreichung zur Umsetzung individueller Fördermaßnahmen an Grundschulen die wichtige Rolle der sozialpädagogischen Fachkompetenz. Beispielsweise werden das Training sensomotorsicher Fähigkeiten von Kindern oder die häusliche Unterstützung der Eltern als originäre Aufgaben von Sozialpädagog/inn/en genannt.

"Das sind in der Tat Aufgaben, die Lehrerinnen und Lehrer nicht übernehmen können", so Beckmann weiter. "Es gibt aber bei weitem nicht an jeder Grundschule eine sozialpädagogische Fachkraft. Im Haushalt sind nur 593 Stellen für Sozialpädagogen an Grundschulen ausgewiesen. Das ist angesichts von 3450 Grundschulen mehr als unzureichend. Die Landesregierung hat bislang nicht signalisiert, mehr sozialpädagogische Fachkräfte einstellen zu wollen."

Fraglich ist auch für viele Schulen, wie sich diese Form von äußerer Differenzierung räumlich umsetzen lassen soll.

"Die Schulkindergärten sind aufgelöst worden, die Räumlichkeiten wurden von den Schulen anderweitig belegt, die Materialien sind nicht mehr vorhanden", so Beckmann abschließend. "Lehrerinnen und Lehrer haben einmal mehr das Gefühl, dass die Landesregierung zwar ein neues Schulgesetz geschaffen, über dessen praktische Umsetzung aber nicht genug nachgedacht hat."


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