Zentralrat der Juden stützt Senat im Kirchner-Streit

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat sich hinter die Entscheidung des Berliner Kultursenators gestellt, das Kirchner-Gemälde "Berliner Straßenszene" an die Erben des ehemaligen Besitzers zurückzugeben.

14.09.2006 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur Berlin (bis 11/06)

Das Vorhaben des Förderkreises des Berliner Brücke-Museums Strafanzeige gegen Senator Flierl und Kulturstaatssekretärin Barbara Kisseler wegen Verdachts der Untreue zu stellen, nannte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Prof. Dr. Korn, "völlig überzogen." Die an Heftigkeit zunehmende Debatte zeigt vor allem, dass offensichtlich von interessierter Seite daran gearbeitet wird, den Konsens der Washingtoner Erklärung von 1998 zu verlassen. Damit wird der Gedanke der Wiedergutmachung ganz offensichtlich und auf unerträgliche Weise wieder zur Disposition gestellt".

Als "Gipfel der Unerträglichkeit" bezeichnet der Zentralrat die Vorwürfe der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden und kultur- und medienpolitischen Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Alice Ströver, Senator Flier hätte "in vorauseilendem Gehorsam", und "moralischem Gutmenschentum" gehandelt, und befördere mit seiner Entscheidung einen "latenten Antisemitismus".

Vizepräsident Korn wörtlich: "Nicht nur wird in der aktuellen Debatte den jüdischen Erben das Recht auf Entschädigung und Wiedergutmachung abgesprochen - man weist ihnen zusätzlich noch die Schuld am Wiedererstarken des Antisemitismus zu, wenn sie ihre legitimen Ansprüche geltend machen. Mit dieser Äußerung hat sich Frau Ströver als ernstzunehmende Politikerin selbst in Frage gestellt. Solange man nicht beweisen kann, dass dieses Bild 1936 freiwillig verkauft und angemessen bezahlt wurde, bleibt die moralische Verpflichtung, dieses Bild zurückzugeben. Diesem Gedanken ist Senator Flierl mit seiner Entscheidung zu Recht gefolgt." Senator Flierl erwartet von Frau Ströver, dass sie sich von ihren Aussagen öffentlich distanziert.


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