Altes Schloss wird wieder neu

1,5 Millionen Euro investiert das Land in die denkmalgerechte Renovierung des historischen Isenburger Schlosses in Offenbach, in dem Teile der Hochschule für Gestaltung (HfG) untergebracht sind. Die Sanierungsarbeiten sollen im Februar 2008 abgeschlossen werden. "Ich freue mich, dass wir mit den Arbeiten noch im Jubiläumsjahr der Hochschule − quasi als ´Geburtstagsgeschenk´ des Landes − beginnen konnten", sagte der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, heute in Wiesbaden. Die HfG feiert in diesem Jahr ihr 175-jähriges Bestehen. Der Sanierungsbedarf des Schlosses habe sich im Lauf der Untersuchungen als größer als erwartet erwiesen, so dass zusätzliche Planungen und Vorarbeiten erforderlich geworden seien, die für eine gewisse Verzögerung gesorgt hätten. Das Land und die Hochschule hätten dies jedoch im Interesse der Nachhaltigkeit der Renovierung in Kauf genommen.

06.11.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Auf der Grundlage einer detaillierten Schadensaufnahme werden nun unter anderem steinkonservatorische Arbeiten durchgeführt. Gerade die Sandsteine haben im Lauf der Jahre durch vielfältige Umwelteinflüsse gelitten. Sie werden gereinigt und anschließend konserviert; stark beschädigte Steine werden ausgetauscht. Darüber hinaus wird der Putz in Anlehnung an den gegenwärtigen roten Farbton erneuert.

Erneuert wird auch das Dach, aus dessen Schieferdeckung sich wiederholt Schindeln gelöst hatten. Es wird in so genannter Altdeutscher Deckung mit Naturschiefer von der Mosel neu gedeckt. Die Dachgauben müssen teilweise instand gesetzt werden; die Turmspitzen werden alle repariert. Die wiedererrichtete Wetterfahne auf dem Südostturm signalisiert hier den Fortgang der Arbeiten. Schließlich erfolgt ein Austausch der Fenster, deren Rahmen nach historischem Vorbild aus besonders robuster Eiche gefertigt werden.

Bei allen Arbeiten wurden vorab Experten des länderübergreifenden Instituts für Steinkonservierung in Mainz – eine Einrichtung der Landesdenkmalämter Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen – des Landesamts für Denkmalpflege und der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Offenbach sowie des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Nürnberg beratend hinzugezogen.

Das Schloss ließen die Isenburger Fürsten zu Anfang der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts errichten. Es wurde im aufwändigen Stil der Renaissance erbaut und 1578 fertiggestellt. 1750 wurde der Schlossgraben verlandet und das Schloss in die heutige Topographie gestellt. Das Schloss steht am ehemaligen Tiefufer des Mains auf einem Pfahlrost aus senkrecht stehenden Holzstämmen und Bohlenlagen. Das Mauerwerk besteht aus Kalk- und Sandsteinen mit Kalkmörtel. Die Schmuck- und Ziersteine sind ebenso aus rotem Mainsandstein gearbeitet wie die Fenstergewände. Die Süd- oder Hoffassade ist künstlerisch besonders aufwändig gestaltet: Die Steinarchitektur dieser "Arkadenfassade" im Stil der italienischen Renaissance ist in Mitteleuropa äußerst selten.

Bei Bombenangriffen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs war das Gebäude bis auf das mit Kreuzgewölben überdeckte Erdgeschoss fast völlig ausgebrannt. Mit dem Wiederaufbau wurde 1951 begonnen; seit 1992 wird es durch die HfG genutzt.


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