DGB: Ohne Kurskorrektur wird Bologna scheitern!

"Die Umsetzung der Hochschulreform läuft schlecht. Überfrachtete Stundenpläne, teils gestiegene Abbrecherquoten und hohe Hürden auf dem Weg ins Ausland prägen heute den Alltag an den Hochschulen", sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock am Dienstag in Berlin anlässlich der Gespräche zur Bologna-Reform im Bundesbildungsministerium. "Von einem echten Europäischen Hochschulraum ist man noch Lichtjahre entfernt. Wenn Bologna nicht scheitern soll, brauchen wir eine grundlegende Kehrtwende."

07.07.2009 Pressemeldung Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)

Damit Bologna doch noch ein Erfolg werden kann, bedürfe es flexibler Studiengänge, die auf eine Verschulung des Studiums verzichten, forderte Sehrbrock. Sonst fehle den Studierenden der Freiraum, eigene Schwerpunkte zu setzen. Der Zugang zum Master dürfe weder durch Quote noch durch Note versperrt werden. Auch der Wechsel zwischen den Hochschulen müsse erleichtert werden. "Mobilität wird Studierenden im Jahr 10 nach Bologna zunehmend erschwert – und zwar auch innerdeutsch. Tausende von Lernmodulen behindern den Wechsel nicht nur von Berlin nach Brüssel, sondern auch von Braunschweig nach Bremen. Deshalb sind dringend einfachere Anerkennung von Studienleistungen nötig", erklärte Sehrbrock.

Wenn Bologna wirklich zu einem qualitativen Quantensprung werden solle, seien Bund und Länder in der Pflicht, mehr Geld in die Hochschulen zu investieren. Selbst der kürzlich verabschiedete Hochschulpakt II reiche nicht aus, betonte Sehrbrock. In diesem Abkommen hätten Bund und Länder vereinbart, 275 000 neue Studienplätze mit jährlich 6500 Euro pro Platz zu fördern. "Die Kosten für einen Studienplatz liegen aber im Schnitt bei 7300 Euro – selbst wenn es bei den schlechten Betreuungsverhältnissen an den Hochschulen bleibt, deren Verbesserung der Wissenschaftsrat bereits im vergangenen Sommer angemahnt hat. Wir brauchen deshalb einen Hochschulpakt III, damit Bologna doch noch ein Erfolg werden kann", sagte Sehrbrock.

Trotz aller Kritik an der Reform hält Sehrbrock ein Zurück zum alten Diplom, Magister oder Staatsexamen für den falschen Weg. "Wenn Deutschland aus dem Prozess ausstiege, während 45 andere Länder weitermachen, brächte das für Studierende und Beschäftigte nur Nachteile. Der gemeinsame europäische Hochschulraum war und ist die richtige Antwort auf die Föderalismus-Reform I, die die bildungspolitische Kleinstaaterei noch zugespitzt hat. Gerade deshalb ist eine Reform der Reform wichtig."


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